Warum ertönt in jeder Maurerhalle

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Joseph Franz Ratschky: Warum ertönt in jeder Maurerhalle Titel entspricht 1. Vers(1783)

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Warum ertönt in jeder Maurerhalle
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Der laute Ruf des Hammers? warum ziehn
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Erwartungsvoll die scheuen Brüder alle
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Zu ihren Tempeln hin?

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Kam wiederum mit einer Hiobskunde
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Ein banger Schwarm verjagter Brüder an?
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Dräut irgendwo dem königlichen Bunde
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Ein neuer Fürstenbann?

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Drang abermal sich eine ungeweihte
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Zelotenschaar in einen Maurerkreis
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Wuthschnaubend ein, und gab des Tempels Beute
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Ergrimmten Flammen preis?

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Riss wiederum die schon besiegte Hyder
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Des Mönchthums sich aus ihrer Kluft hervor,
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Und hob zur Rache wider unsre Brüder
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Die scharfe Klau' empor?

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Nein, Brüder, bannt des Unmuths trübe Wolke
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Von eurer Stirn', und jauchzet! Josephs Mund
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That feyerlich vor seinem ganzen Volke
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Uns Schutz und Duldung kund.

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Ihr schüchternen zerstreuten Maurerhorden,
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Fasst neuen Muth! die Hand des Starken schlug
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Das ehrne Joch zu Trümmern, das der Orden
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In unserm Osten trug.

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Verkündigt es den Brüdern jeder Zone,
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Dass unsern Bau, auf Menschenwohl gestützt,
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Der grösste Fürst auf Deutschlands Kaiserthrone
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Mit seinem Schilde schützt.

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Ihm danken wir's, dass um des Tempels Schwelle
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Nicht mehr ein Schwarm verkappter Häscher irrt,
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Und nun nicht mehr, wie vormals, Schürz' und Kelle
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Des Hasses Losung wird.

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Zwar schäumen drob, voll Galle, Zions Wächter,
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Die, Eulen gleich, den Strahl des Lichtes scheun,
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Und mühn sich, uns beym Pöbel als Verächter
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Der Gottheit zu verschreyn.

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Doch, Brüder, scheut der Bonzen niemals müde
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Erbittrung nicht! sie grinse, wie sie will!
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Fiel nicht vor Josephs schrecklicher Ägide
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Manch stärkres Krokodill?

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Bleibt standhaft! zeigt, dass wir in Josephs Staaten
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Vor Tausenden des Schutzes würdig sind,
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Und machet euch durch ächte Maurerthaten
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Um seine Huld verdient!

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Beweist es laut, dass euern fesselfreyen
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Erhabnen Blick des Lichtes Glanz umschwebt,
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Und nach dem Tand verjährter Gaukeleyen
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Kein heller Maurer strebt!

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Lasst Weisheit, Lieb' und Tugend stäts euch leiten!
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Dann, Brüder, dann wird unser Bund gedeihn,
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Und einst noch in den fernsten Afterzeiten
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Der Menschheit Segen seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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