Zu oft schon leider! hab' auch ich

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Joseph Franz Ratschky: Zu oft schon leider! hab' auch ich Titel entspricht 1. Vers(1783)

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Zu oft schon leider! hab' auch ich
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Der Mönche Kunden freventlich
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Bisher bezweifelt und bewitzelt.
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Ihr andachtsvollen Herrn und Fraun,
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Vergebt mir's! von des Teufels Klaun
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Ward, was ich schrieb, mir vorgekritzelt.

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Doch reuig leg' ich mich zum Ziel:
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In Zukunft soll aus meinem Kiel
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Gewiss kein arges Wort mehr triefen.
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Von wahrem Eifer angefacht,
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Will ich von nun an Tag und Nacht
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In Kochems Schriften mich vertiefen.

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Dank sey dir, Fast! dein Unterricht
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Erfüllte meinen Geist mit Licht:
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Bussfertig küss' ich dir die Hände
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Zum Zeichen meiner Huldigung.
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Die Ächtheit meiner Besserung
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Bewährt dir folgende Legende.

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In einem öden Zedernhain
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Wählt' einst auf einem Felsenstein,
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Bewohnt von Schlangen und von Drachen,
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Sich Pachon, der Anachoret,
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Ein Plätzchen, um durch sein Gebet
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Verjährte Sünden gutzumachen.

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Der Eingang in die Felsenkluft,
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Worin er, wie in einer Gruft,
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Sich einschloss, mass kaum eine Elle.
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Ein Kreutz, ein Betstuhl und ein Paar
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Vermorschter Todtenköpfe war
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Der ganze Hausrath seiner Zelle.

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Ein enges härnes Wamms zerrieb
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Ihm mit der Haut zugleich den Trieb
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Zur Unzucht und zu bösen Lüsten.
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Er als nur Wurzeln, und genoss
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Sie nie aus Essgier, sondern bloss
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Sein Büsserleben sich zu fristen.

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Durch diese strenge Disciplin
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Bracht' es der heil'ge Mann dahin,
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Das geile Fleisch im Zaum zu halten.
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Umsonst versuchte Lucifer,
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Der Erbfeind frommer Büssender,
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Ihn unter mancherley Gestalten.

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Einst abends um die Vesperzeit
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Stellt', in das schönste Frauenkleid
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Aus Satans reicher Garderobe
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Vermummt, ein junges Teufelchen
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Von schlankem Wuchs des heiligen
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Waldbruders Keuschheit auf die Probe.

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Es trat die saubre Höllenbraut
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Als Negerinn mit schwarzer Haut,
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Die von Natur den Höllenschaaren
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Gemein ist, zur Klausur hinein.
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Man sagt, dass damals allgemein
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Die schwarzen Damen Mode waren.

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Erst suchte sie durch dreisten Scherz
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Und freche Zoten Pachons Herz
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Vom Weg der Tugend abzuleiten,
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Und dann, als unser Eremit
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Der Dirne kein Gehör gab, schritt
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Sie zu den kühnsten Thätlichkeiten.

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Mit schlauem Lächeln setzte sie
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Sich auf des spröden Klausners Knie,
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Strich buhlerisch ihm Kinn und Wangen,
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Und hielt mit geilem Ungestüm
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Ihn fest umschlungen, um von ihm
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Durch Raub ein Schmätzchen zu erlangen.

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Doch Pachons nervenvolle Hand
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Vertrieb dem kühnen Höllenbrand
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Mit ein paar wackern Backenstreichen
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Die Lüsternheit nach einem Kuss,
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Und zwang durch diesen derben Gruss
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Das schwarze Fräulein zu entweichen.

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O frommer Jüngling, spiegle dich
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An diesem Beyspiel! Ritterlich
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Verfocht der strenge Mann die Tugend.
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Wenn sich ein schönes Kind dir naht,
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So schütz' auch du, wie Pachon that,
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Mit Backenstreichen deine Jugend!

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Wenn dich auch drob die böse Welt
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Vielleicht für ungesittet hält,
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So schweig, und lass dich's nicht verdriessen!
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Wer nach der Gunst des Himmels strebt,
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Darf, weil er jener Welt nur lebt,
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In dieser nicht zu leben wissen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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