Ein alter Bär, den die Musik

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Joseph Franz Ratschky: Ein alter Bär, den die Musik Titel entspricht 1. Vers(1783)

1
Ein alter Bär, den die Musik
2
Des Jagdhorns einst aus seinem Walde jagte,
3
Erhohlte nach und nach sich von der Angst, und wagte
4
Hübsch sachte sich nach seinem Hain zurück.
5
Bey seiner Ankunft war die erste seiner Sorgen,
6
Sich nach dem Eichbaum umzusehn,
7
In dessen hohlem Bauch er sich beym kalten When
8
Des Wintersturmes oft verborgen.
9
Als er der Eiche nahe kam,
10
Entdeckt' er mit Verdruss und Gram
11
Auf einem Zweig ein Nest voll junger Krähen.
12
Du Metze! fieng er flugs die Mutter an zu schmähen,
13
Was hast du hier auf meinem Baum zu thun?
14
Fort! packe dich von dannen ohne Zaudern!
15
Denn deiner Fratzen stätes Plaudern
16
Und Zwitschern liesse mich den ganzen Tag nicht ruhn,
17
Und falls mich auch ihr Lärm nicht molestirte,
18
So müsst' ich stäts in Sorgen seyn,
19
Ob deine junge Brut nicht etwan obendrein
20
Mir auf den Kopf herab hofierte.

21
Der Bär schloss seine Rede kaum,
22
So fieng die alte Kräh' ihr Recht auf diesen Baum
23
Durch manchen Grund vor Meister Petzen
24
Weitläufig an in's Licht zu setzen.
25
Doch der erbosste Bär vertrug
26
Nicht gerne Widerspruch. Er kletterte die Eiche
27
Hinan mit Brummen, und erschlug
28
Die junge Brut mit einem Streiche.

29
Gespornt von Wuth und Rachbegier,
30
Flog Mutter Krähe nun zum Jäger, und entdeckte
31
Ihm das verwilderte Revier,
32
Wo sich der alte Bär versteckte.
33
Der Jäger wandert' alsobald
34
Mit seinen Doggen in den Wald,
35
Und fand den armen Petz in seines Baumes Lücke.
36
Vergebens sucht der Bär dem Tode zu entfliehn:
37
Die tapfern Hunde fassen ihn
38
Erbarmungslos bey der Perücke.

39
Vertrage dich mit jedermann,
40
Um niemands Hass auf dich zu laden;
41
Denn wer dir auch nicht nützen kann,
42
Kann doch in manchem Fall dir schaden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.