Gerne hätt' ich Hymens Flitterwochen

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Joseph Franz Ratschky: Gerne hätt' ich Hymens Flitterwochen Titel entspricht 1. Vers(1783)

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Gerne hätt' ich Hymens Flitterwochen,
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Wo, o Freund! sich Freud' an Freude drängt,
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Und der Himmel voller Geigen hängt,
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Hie und da ein Stündchen abgebrochen,
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Gerne manchen spröden Reim gehascht,
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Und dich für dein stattlich Hochzeitkarmen
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Plötzlich durch ein Danklied überrascht.
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Aber konnt' ich aus geliebten Armen
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Stoisch fliehn, dem Zaubernetz der Lust
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Trotzig mich entwinden, und durch Reimen,
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Kalt an einer jungen Gattinn Brust,
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Hymens süssen Opferdienst versäumen?
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Lieber! solch ein Kriminalvergehn
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Würde mir, der nun in seinem neuen
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Ämtchen wünscht mit Ehren zu bestehn,
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Mein geliebtes Weibchen nie verzeihen.

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Wenn dein Freund nun noch dich sträflich däucht,
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So bedenk', es machte wohl vielleicht
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Eines Weibes Kuss auch dich zum Sünder.
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Drum vergieb, mein Bester! Spät erscheint
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Zwar mein Dank: doch ist er drum nicht minder
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Liebevoll, nicht minder gut gemeint.
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Herzlich grüss' ich dich in meinem, Freund!
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Und in meiner trauten Gattinn Namen.
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Freudig las ich ihr dein Liedchen vor:
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Sieh! sie horchte mit entzücktem Ohr,
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Und als wir zur Katastrophe kamen,
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Die den wonniglichen Wunsch enthält,
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Dass ein Sohn, erzeugt aus meinem Samen,
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Mir erwachse, den die Afterwelt
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Einst den Biedermännern zugesellt,
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Fiel sie um den Hals mir, und rief: Amen!

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Nun wohlan! ihr Wille soll geschehn!
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Ungeschwächt von Amors Dienst, durch den
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Junge Schwelger vor der Zeit zu schlaffen
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Greisen werden, will ich wohlgemuth
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Eine kleine Welt um mich erschaffen,
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Und, in meinem frohen Lilliput
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Eingebannt, mich meines Lebens freuen.
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Wie ein Schiff, das in dem Hafen ruht,
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Trotz' ich sorglos dann des ungetreuen
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Glückes wandelbarer Ebb' und Flut,
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Und hat einst auf ihrem schnellen Rädchen
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Klotho mir das letzte Lebensfädchen
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Abgesponnen, rafft mit kalter Hand
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Mich der Tod von meiner Gattinn Seite
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Hin nach jenem ew'gen Otaheite,
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Das bisher kein kühner Cook noch fand,
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Und kein Mann, wie Forster, je beschrieben,
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O so drücke meiner guten lieben
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Kinder Erstling mir die Augen zu!
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Ein bewährter treuer Freund, wie du,
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Folge meinem stillen Leichenzuge,
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Und es schall' an meinem Aschenkruge
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Laut das Zeugniss: dieser Leichenstein
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Decket eines braven Manns Gebein!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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