O Weib, das die Milde des Himmels mir gab

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Joseph Franz Ratschky: O Weib, das die Milde des Himmels mir gab Titel entspricht 1. Vers(1783)

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O Weib, das die Milde des Himmels mir gab,
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Ach! trockne die thauenden Thränen dir ab!
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Lass ab, o Margrethe, zu trauern!
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Nie weiche der Segen des Himmels von dir!
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Sey glücklich! Mich rufet das Kriegespanier
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Vor Kiow's unbändige Mauern.

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Denn sieh da! es fertigte Boleslaw's Hand
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Ein königlich Aufgebot rings durch das Land:
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»ihr meine getreuen Vasallen!
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Lang trotzt schon der weibische Russe der Macht
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Des polischen Säbels. Ihr Tapfern, erwacht,
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Als Rächer in's Schlachtfeld zu wallen!

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Wer feig sich dem Wassengetümmel entzieht,
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Der rühme sich förder nicht aus dem Geblüt
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Der edlen Piasten zu sprossen!«
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Nun sprich, o du Theuerste, die ich erkor,
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Mein Ehbett zu theilen, war jemals mein Ohr
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Dem Rufe der Ehre geschlossen?

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Es fasse, statt Waffen, der üppige Gauch
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Nach weichlich erzogener Völker Gebrauch
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Des Weibes wollüstige Lenden!
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Und wär' er mein König, ich trotzte dem Knecht
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Mit bitterer Lache. Mein Heldengeschlecht
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Soll knechtische Feigheit nicht schänden.

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Erfährst du, Margrethe, das bange Gerücht:
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Dein Mann sey gefallen, so säume ja nicht,
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Durch Beten und Fasten die Sünden
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Des Todten zu tilgen! Doch komm' ich zurück,
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So lass mich, Geliebte, mit freudigem Blick
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Treu, wacker und redlich dich finden!

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So sagte Graf Niklas von Zambozin, schwang
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Sich hastig zu Pferd, dass die Rüstung erklang,
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Und drückte der wiehernden Mähre
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Den Sporn in den Leib; denn es flammte sein Muth,
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Im Kampfe zu wagen sein ritterlich Blut
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Bey Boleslaw's tapferem Heere.

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Die Gräfinn flog schnell nun den Söller hinan:
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Das Flimmern der Waffen verrieth ihr die Bahn
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Des lieben, des traulichen Gatten.
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Noch blinkte der Helm durch die Blätter, doch bald
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Verbarg ihn das Dickicht im tieferen Wald
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In düstre verschlingende Schatten.

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Nun konnte Margrethe dem drängenden Schmerz
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Nicht länger mehr wehren: es bricht ihr das Herz,
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Die rosigen Wangen erbleichen.
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Sie wanket lautschluchzend die Treppe hinab;
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Ach! aber ihr Schlafgemach scheint ihr dem Grab,
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Ihr Ehbett dem Sarge zu gleichen.

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Bereit zu entsagen dem nichtigen Tand
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Der Freuden, ergreift sie das Büssergewand
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Statt gräflichen Schmucks und den Psalter
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Und Rosenkranz statt der hellglänzenden Schnur
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Von Perlen. So beyspiellos liebte man nur
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Im patriarchalischen Alter.

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Indess zog Margrethens erlauchter Gemahl
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Mit Boleslaw fern schon vom lieblichen Thal
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Der Heimath auf feindlicher Erde.
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Ein Wirbel von Staub, der dem Boden entquoll,
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Umhüllte den Heerzug, und fürchterlich scholl
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Das Stampfen und Schnauben der Pferde.

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Erbarmungslos düngten, von Rachgier entbrannt,
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Die Polen mit Blute das russische Land,
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Ermordeten oder verscheuchten
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Das Landvolk, und stürzten in Trümmer und Staub
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Manch trotziges Schloss, bis sie endlich, mit Raub
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Beladen, itzt Kiow erreichten.

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Nun klangen die Zinken: nun tönte das Horn.
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Wie spielende Winde das wallende Korn
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Bald hiehin, bald dahin bewegen,
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So sieht, als der Vortrab dem Dnieper sich naht,
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Man fernhin am Ufer die eiserne Saat
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Der polischen Lanzen sich regen.

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Drey Tage lang lagen nun Wurfspiess und Speer
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Friedfertig im Gras: doch als Boleslaw's Heer
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Der labenden Ruhe gepflogen,
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Begann mit der Frühe des Morgens der Sturm:
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Wild strömten die Polen zum westlichen Thurm
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Der Mauer gleich stürmischen Wogen.

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Ein fürchterlich Schreyen erfüllet die Luft.
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Zwar öffnet der Widder sich Kluft schon an Kluft
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Im Walle, zwar strotzen die Sprossen
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Der Leitern von Helden: doch löwenhaft ficht
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Der Städter. Es fliegen die Pfeile so dicht
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Herab von den Mauern, wie Schlossen.

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Als Boleslaw's Auge den Graben entlang
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Die Schichten von Körpern betrachtete, drang
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Das Missgeschick seiner Schwadronen
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Ihm bitter zu Herzen: er konnte die Noth
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Der Seinen nicht förder mehr sehn, und gebot,
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So wackeren Blutes zu schonen.

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Schon wähnten die Städter sich frey: schon umlaubt
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Die festliche Krone des Siegers ihr Haupt.
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Doch träufelnd vom Gifte der Hyder,
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Naht plötzlich die länderentvölkernde Pest
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Mit tödtlichem Athem aus Süden, und lässt
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Ergrimmt sich auf Kiow hernieder.

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Rings wüthet der Tod: das gefrässige Grab
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Schlingt zahllose Haufen von Körpern hinab.
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Die Lebenden wanken wie Leichen
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Hohläugig und bleich durch die Strassen dahin:
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Dem Aufenthalt irrender Kobolde schien
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Das einsame Kiow zu gleichen.

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Bang sandte die Stadt nun vor Boleslaw's Zelt
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Den Herold des Friedens: glorwürdiger Held!
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Sprach flehend der Bote, wir winden
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Vor dir uns im Staube: du siehest es, was
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Für Elend wir dulden. Erbarme dich! lass
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Uns Mitleid und Huld bey dir finden!

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Diess Flehen erregte des Königs Gefühl;
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Denn Kunde des Krieges und Schlachtengewühl
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War zwar seit der zartesten Blühte
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Der Jugend sein Lieblingsgeschäft: doch es schlug
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Auch unter dem eisernen Wamms, das er trug.
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Ein Herz voll Empfindung und Güte.

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Zieh, Herold! zieh hin zu den Deinigen! spricht
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Der König mit Würde, denn Boleslaw ficht
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Nicht wider halbmorsche Gerippe.
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Lautjauchzend schloss Kiow die Pforten nun auf,
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Und Boleslaw ward zu den Sternen hinauf
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Erhoben von jeglicher Lippe.

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Kaum schwand itzt die Seuche, so strömten die Reihn
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Der rüstigen Polen durch's Stadtthor hinein.
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Nun griff man vom Waffengeräthe
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Zu muntern Pokalen: das freudige Herz
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Eröffnete froh sich dem traulichen Scherz
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Beym üppigen Ritterbankete.

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Die russischen Weiber behagten dem Schwarm
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Der Woywoden Polens: ihr kriegrischer Arm
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Entnervt sich in weichlichen Lüsten.
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Nur Zambozin sehnt sich zur Heimath zurück:
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Kalt bleibt für die Töchter von Kiow sein Blick,
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Als schaut' er auf leblose Büsten.

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Umsonst sahn indessen die polischen Fraun
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Von Monden zu Monden mit neuem Vertraun
135
Der Rückkehr der Gatten entgegen.
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Als endlich der siebente Sommer verstrich,
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Erkiesten sie treulos Leibeigene sich,
138
Der Liebe mit ihnen zu pflegen.

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Zum Tummelplatz knechtischer Miethlinge ward
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Das ehliche Bett nun, und mancher Bastard
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Verkündigte laut schon die Schande
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Der buhlenden Mutter den Augen der Welt.
143
Nur Zambozins redliche Gattinn erhält
144
Allein sich noch züchtig im Lande.

145
Man mühte sich fruchtlos, durch geiles Geschwätz
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Und ehrlose Ränke sie mit in das Netz
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Der schlauen Verführung zu locken;
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Sie wandte dem Schloss, als die Buhlen zu arg
149
Sie ängstigten, heimlich den Rücken, und barg
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Sich unter des Kirchenthurms Glocken.

151
Gar bald macht des Rufes geschäftiger Mund
152
In Kiow den Frevel der Gattinnen kund:
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Wie flogen die rüstigen Polen,
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Gespornet von Eifersucht, Ärger und Wuth,
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So hastig zur Heimath, als brennte die Glut
156
Der Hölle sie unter den Sohlen!

157
Bang wittern die sträflichen Knechte schon fern
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Die Gegenwart ihrer entrüsteten Herrn,
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Und fliehn mit zerknirschtem Gewissen.
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Wie wird's nun den wehrlosen Frauen ergehn?
161
Seyd gnädig, ihr Männer! denn sehet! sie flehn
162
So reuig zu eueren Füssen.

163
Schon waren die Gatten zu schonendem Glimpf
164
Entschlossen: doch Boleslaw brannte, den Schimpf
165
Des polischen Adels zu rächen.
166
»zu offenbar,« sprach er, »zu arg ist die Schuld:
167
»nach solchen vermessenen Thaten ist Huld
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»nur Anlass zu neuen Verbrechen.

169
»drum meldet den Frauen von edlem Geschlecht,
170
»vor mir sich zu stellen, um Urtheil und Recht
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Zu hören.« Gehorsam erschienen
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Mit ängstlichem Herzen und bangem Gesicht
173
Die Weiber vor Boleslaw's ernstem Gericht,
174
Und Zambozins Gattinn mit ihnen.

175
»weib,« sprach zu Margrethen mit freundlichem Ton
176
Der König, »du hieltest dich wacker: zum Lohn
177
»empfange diess Kleinod, und trag es
178
Als Denkmal der Treu' an dem züchtigen Hals!
179
Stäts sey dir die Lauterkeit dieses Krystalls
180
Erinnrung des heutigen Tages!

181
Ihr Lieben! wie Boleslaw Tugenden ehrt,
182
Das saht ihr nun: wie er mit Lastern verfährt,
183
Soll folgendes Urtheil euch zeigen:
184
Man raube die Früchte meineidiger Lust
185
Den Händen der Mütter! Es möge die Brust
186
Leibeigener Mägde sie säugen!

187
Die Väter verdamm' ich zum Kantschug, und ihr,
188
O Mütter, bequemt euch, zur Busse hinfür
189
Ein Hündlein am Arme zu tragen:
190
Lässt ohne diess Zeichen sich eine von euch
191
Erblicken, so sey durch den Henker sogleich
192
Das Haupt ihr vom Rumpfe geschlagen!«

193
Sieh, günstiger Leser! seit Boleslaw's Zeit
194
Giebt manche der edelsten Damen noch heut
195
Dem niedrigsten Knecht aus dem Schwarme
196
Der Miethlinge, was sie dem Gatten versagt,
197
Lässt säugen ihr Kind von der schmutzigen Magd,
198
Und schaukelt ihr Hündchen am Arme.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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