Du, dessen Kopf, gleich andern unerfahrnen

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Joseph Franz Ratschky: Du, dessen Kopf, gleich andern unerfahrnen Titel entspricht 1. Vers(1783)

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Du, dessen Kopf, gleich andern unerfahrnen
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Selbstdenkern, zwar in Satans Netz gerieth,
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Doch dessen Herz so warm für Tugend glüht,
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O Theuerster! lass dich vor Unheil warnen!
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Lies dieses Blatt! es ist kein Traumgesicht:
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Lies es, o Freund! und wundere dich nicht,
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Dass ich so schnell, als folgten schon die Schaaren
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Beelzebubs mir rücklings auf dem Fuss,
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Zum Flüchtling ward, und ohne Gruss und Kuss
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Mich in das Land schnurbärtiger Madjaren,
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Wo man noch gern nach Amuleten greift,
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Und Gold dafür in Bonzensäcke häuft,
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Wo noch bis itzt die leidige, verruchte
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Philosophie, die Seuche dieser Zeit,
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Ihr Unkraut nur verstohlen ausgestreut,

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Denn horch! als jüngst Gott Morpheus (der bisher
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Mich nie verwaist', und oft nur allzusehr
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Ob meinem Haupt sein Mohnsaftschälchen leerte)
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Zurückgescheucht vom Hundsstern, dem der Süd
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Glutathmend stäts dicht an der Seite zieht,
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Hartnäckig mir den spröden Rücken kehrte,
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Las ich mit Graun Sankt Johanns Vision
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Vom Sündenmass der Hure Babylon
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Und ihrem Fall in der Apokalypse.
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Sieh! da erschien, ein Stückchen Feuerbrand
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In seinem Mund, ein Schwert in seiner Hand,
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Bald blendendweiss, als wär' er ganz von Gypse,
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Bald scharlachroth vom Kopfe bis zum Knie,
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Itzt riesengross, nun wie ein Kolibri,
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Ein Cherub mir an meinem keuschen Bette.
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Weh, rief er aus, dir, Kaiserstadt! es ist
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Schon ausgestreckt das Rachschwert! denn du bist
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Der Ketzer Sitz, der Heiden Zufluchtstätte.
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Abtrünnige! verhärtet ist dein Sinn;
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Du opferst nicht, raubst des Altars Gewinn
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Der Priesterschaft, lachst, wenn Prophetenlippen
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Dir Unheil drohn, siehst, voll von eitlem Wahn,
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Den Thaumaturg für einen Heuchler an,
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Und beugst kein Knie vor heiligen Gerippen.
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Dein freches Volk kunstrichtert Gottes Wort,
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Stürmt Bilder, glaubt an keinen Gnadenort,
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Und scheut sich nicht, auf Bullen selbst zu schelten.
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Dein Mass ist voll: gezählt ist Gräul für Gräul:
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Der Rächende, mit Blitz und Donnerkeil
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Bewaffnet, naht, dir bitter zu vergelten.
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Wie Sodom einst bis auf den Grund ein Raub
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Der Flamme ward, so sollst auch du zu Staub,
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O Kaiserstadt! dich bald verwandelt sehen.
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Kein Menschenohr vernehme mehr hinfür
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Der Harfe Klang, der Geige Laut in dir!
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Es soll kein Stein mehr auf dem andern stehen.

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Der Engel schwieg, und blitzschnell flog er fort,
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So wie er kam. Sein grauenvolles Wort
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Betäubte mich. Was konnt' ich thun, als fliehen?
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Denn ach! ich roch den Schwefelregen schon,
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Und sah im Geist das neue Babylon
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Schon um und um gleich einem Ofen glühen.
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Erst griff die Glut die zügellose Schaar
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Broschüren an, die nun schon manches Jahr
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Der Himmel uns statt Landesplagen sandte,
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Und die, weil sie, wie männiglich bekannt,
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Aus trocknem Stoff und wenig Saft bestand,
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Im Augenblick, wie dürres Stroh, verbrannte.
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Doch helft! ach helft! nun dränget fürchterlich
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Des Feuers Grimm zu edlern Werken sich,
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Woran sich noch die spätsten Enkel freuten.
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Ach! rettet mir die Monachologie!
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Schon schrumpfen sich die Blätter: rettet sie!
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Umsonst! umsonst! sie brennt von allen Seiten.
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Hier wird ein Blatt, das Sonnenfelsens Muth
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Verewigte, das Opfer wilder Glut:
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Sieh! wie der Neid vor Schadenfreude tanzet!
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Dort prasselt Prinz Äneas, dessen Haupt
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Blumauer jüngst des Heldenschmucks beraubt,
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Und säuberlich mit Mambrins Helm bepflanzet.
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Hier wirbelt sich ein kühnes Meteor
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Aus Haschka's Kiel, schon halb verbrannt, empor:
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Welch ein Triumph für Wiens Inquisitoren!
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Dort sieht mein Blick vom redlichen Faustin
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Die Katastroph' in heller Lohe glühn:
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Hier glimmt ein Stück der Predigercensoren,
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Und ach! nun fällt der wüthende Vulkan
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Das Manuskript von deinen Liedern an.
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Was half's, o Freund! dass du sie mühsam feiltest,
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Und den Gewinn, von freudigem Gefühl
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Durchglüht, im Geist schon unter das Gewühl
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Nothleidender mit milder Hand vertheiltest?
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Dem Landmann gleich, der ängstlich Rettung sucht,
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Wenn Schlossen ihm des Halmes reife Frucht,
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Da ihrer schon die Sichel harrt, zerknicken,
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Steht trostlos rund um deines Hauses Brand
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Der Armen Schaar, und ringt die starre Hand
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Mit stummem Schmerz und thränenvollen Blicken
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Die Feuerwach' eilt fruchtlos rings herbey;
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Am jüngsten Tag nützt keine Polizey.

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Wohl mir, dass ich der grässlichen Verheerung
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Mit heiler Haut, Gottlob! entronnen bin!
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Verlass auch du das ketzerische Wien!
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Noch ist es Zeit zur reuigen Bekehrung.
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Nimm deinen Stab! komm! Ungarns Töchter sind
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Nicht männerscheu, und sieh! in Strömen rinnt
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Tockayer hier von orthodoxer Währung.
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Lass uns, o Freund! fern von der bösen Stadt,
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Uns gütlich thun, wie Vater Loth einst that.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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