Die ältesten Mysterien

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Joseph Franz Ratschky: Die ältesten Mysterien Titel entspricht 1. Vers(1783)

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Die ältesten Mysterien
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Sind wohl die eleusinischen:
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Diess soll mir niemand disputiren;
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Herr Adam stiftete sie schon,
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Und ich als Adams treuer Sohn
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Liess jüngst mich auch iniziiren.

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So wie bey uns der Neophyt
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Nach Maurersitt' auf Reisen zieht,
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So musst' auch ich ein paarmal wandern,
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Bis man mich aufnahm. Eisenfest
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Wallfahrtet' ich von Ost bis West
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Von einer Schwester zu der andern.

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Den ersten Strauss auf meiner Fahrt
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Wagt' ich beherzt nach Ritterart
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Mit einer grundgelehrten Schwester.
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Sie war so klug, als Salomo,
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Sprach ihr Latein, wie Cicero,
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Und war dabey so schön, als Esther.

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Sie hörte Wolfs Philosophie,
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Und kannte die Geographie
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Von Otaheite bis nach China.
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Doch sprach ich von Mysterien,
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So rief sie, gleich Vestalinnen:

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Hier war ich nun, wie jedermann,
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Der sein Latein nur halb noch kann,
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Leicht merkt, nicht auf dem rechten Wege.
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Verscheucht durch ihren Eigensinn,
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Zog ich zu ihrer Nachbarinn:
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Doch hier gieng vollends alles schräge.

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Denn die war fühllos, kalt und stumm
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Und exemplarisch fromm und dumm:
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Man könnte sie kanonisiren.
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Umsonst sucht' ich der Schüchternen
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Die Reitze der Mysterien
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Mit aller Kunst zu demonstriren.

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Sie blieb trotz aller meiner Müh
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Stäts von der Scheitel bis zum Knie
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Eiskalt, wie eine Marmorbüste:
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Auf jedes Wort, das ich verlor,
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Kam der Bescheid, dass sie zuvor
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Den Pater Rektor fragen müsste.

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Hier war ich nun, wie jedermann
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Aus ihrer Dummheit schliessen kann,
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Wohl auch nicht auf dem rechten Wege.
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So oft zu irren, gieng mir nah:
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Doch hiess es, jetzt sey Hoffnung da,
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Dass ich darauf gelangen möge.

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Ich wagt's, mit diesem Trost versehn,
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Die dritte Schwester zu bestehn.
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An dieser fand ich Wohlbehagen;
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Sie war nicht überklug, nicht dumm:
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Hört' ich einst in der Schule sagen.

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Zwar that auch die mir Widerstand:
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Doch endlich bot sie mir die Hand,
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Und nahm mich huldreich in die Pflege.
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In ihren Armen endigte
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Mein Weh sich, und der Leidende
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War endlich auf dem rechten Wege.

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Nicht albern und nicht zu gelehrt
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Sey die Geliebte, deren Werth
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Euch, Brüder, reitzt, sie zu erlangen.
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Wohlan denn! feuert rings umher
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Auf jeder Schwester Wohl, bey der
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Der Suchende nicht irrgegangen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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