Gekrönt mit Veilchen, liess in rosenfarbnem Kleid

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Joseph Franz Ratschky: Gekrönt mit Veilchen, liess in rosenfarbnem Kleid Titel entspricht 1. Vers(1783)

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Gekrönt mit Veilchen, liess in rosenfarbnem Kleid
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Der junge May vom Himmel sich hernieder,
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Und ihm zur Seite schwebt' auf wallendem Gefieder
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Der Gott der Munterkeit.

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Und sieh! es schmückte nun die Blumenköniginn
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Mit Blühten rings die neubelebten Äste:
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Muthwillig gaukelten in Schwärmen laue Weste
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Im Grase her und hin.

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Es trillerten entzückt im säuselnden Gewühl
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Des zarten Laubs die süssen Nachtigallen.
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Die halbe Welt ward froh: doch mir gebrach's bey allen
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Den Reitzen an Gefühl.

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Denn ach! im schwarzen Reich der grauenvollen Nacht,
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Wo, aufgebläht vom Gifte fauler Drachen,
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Der Seuchen Heerschaar stäts mit aufgesperrtem Rachen,
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Voll Gier nach Beute, wacht,

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Riss zähnefletschend sich ein tückisch Fieber los,
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Und schlich heran mit mörderischen Blicken
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An meine Lagerstatt, mir in die Brust zu drücken
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Sein giftiges Geschoss.

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Und weh mir! kaum begann die schlummernde Natur
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Den frischen Hauch der Morgenluft zu wittern,
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So weckte mich der Schmerz, und ich empfand mit Zittern
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Des Giftes schnelle Spur.

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Umnebelt war mein Blick, ich fühlte heisse Glut
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Mit Ungestüm mein schwindelnd Haupt zernagen,
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Mein wankendes Gebein war bis in's Mark zerschlagen,
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Und tobend rann mein Blut.

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In Flammen eingepresst, als wär' ich angethan
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Mit Nessus Kleid, wälzt' ich, nach Heilung lechzend,
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Mich ängstlich her und hin, und rief den Himmel ächzend
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Um seinen Beystand an.

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Da sandte dich der Herr, wohlthätiger Quarin!
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Der Tausende zum Leben neu geboren,
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Auf die das Schattenreich mit angelweiten Thoren
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Bereits zu harren schien.

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Beflügelt eiltest du, und Hygieja kam
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An deinem Arm vertraut einhergegangen:
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Der Göttinn holder Blick, die Anmuth ihrer Wangen
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Verscheuchten meinen Gram.

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Mit brünstigem Vertraun fasst' ich, emporgerafft
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Durch neuen Muth, ihr Kleid mit schwachen Händen:
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Da strömt' in mein Gebein aus ihres Mantels Enden
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Urplötzlich Heilungskraft.

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Dank sey dir, edler Mann! dir, dem kein heilend Kraut
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Verborgen ist vom Grashalm bis zur Eiche,
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Dir, welchem die Natur zu ihrem weiten Reiche
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Den Schlüssel anvertraut!

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Dank sey dir, Menschenfreund! du reichtest mir den Stab,
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Mich aus dem Pfuhl der Krankheit aufzuringen:
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Sieh! dankbar steigt, den Kranz dir um das Haupt zu schlingen,
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Die Muse selbst herab.

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Denn wer dem Ungestüm des Todes Schranken stellt,
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Wie du, Quarin! verdient den Kranz der Ehren
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Mehr, als der wilde Held, der mit gedungnen Heeren
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Zehntausend Feinde fällt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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