Ein Sohn des heil'gen Benedikt

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Joseph Franz Ratschky: Ein Sohn des heil'gen Benedikt Titel entspricht 1. Vers(1783)

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Ein Sohn des heil'gen Benedikt,
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Herr Pfarrer Ambros Dinkel,
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Soff wacker drauf, und unverrückt
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Lag sein Brevier im Winkel.
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Ja, was dem Bauernvolk durchaus
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Nicht in die Köpfe wollte,
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Er lebte mit der Magd im Haus
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Vertrauter, als er sollte.

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Doch murrte man auch noch so sehr,
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So war doch alles eitel;
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Er liebte seine Köchinn mehr,
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Als selbst den Klingelbeutel.
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Es gab auch in der Gegend da
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Kein Kind, wie Jungfer Lene:
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Wer im Vorbeygehn nur sie sah,
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Dem wässerten die Zähne.

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Es strotzten, von Gesundheit voll,
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Der Dirne rothe Wangen:
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Die Brust zersprengte, wenn sie schwoll,
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Oft fast die Miederspangen.
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Was es noch ferner schönes gab
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Vom Kopf bis zu den Füssen,
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Das würde, läg' er nicht im Grab,
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Der Pfarrer besser wissen.

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Denn Lene traun! liess ihrem Herrn
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Nicht allzuhart geschehen;
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Sie liebt' ihn. Zwar er keifte gern:
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Allein beym Schlafengehen
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Ward Lenchen nach Verdienst gerühmt,
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Und man verglich sich wieder:
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Sie legten, wie es Christen ziemt,
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Nie unversöhnt sich nieder.

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Doch Liebe, Glück und Einigkeit
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Sind, wie des Hofes Gnaden,
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Von kurzer Dauer. Schuster Veit,
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Ein Kerl mit derben Waden,
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Der sich auf's Schäkern wohl verstund,
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Gieng Dinkeln in's Gehäge,
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Und machte wohl nicht ohne Grund
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Des Pfarrers Argwohn rege.

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Lass, schrie der Pfaff' oft ungestüm,
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Lass mir den Schuhknecht, Mädel!
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Sonst jag' ich eine Kugel ihm,
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Glaub's sicher! durch den Schädel.
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Wie magst du doch, dem Galgenstrick
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Und seinen Narrenpossen
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Zu Liebe, dein gewisses Glück
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Mit Füssen von dir stossen?

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Doch stumpf war seine Redekunst;
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Sie lässt durch seine schwachen
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Schreckmittel keinen blauen Dunst
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Sich vor die Augen machen.
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Veit gilt, so sehr der Pfarrer schmäht,
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Doch (mit Respekt zu sagen)
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Mehr als die Herrn von A bis Z,
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Die schwarze Röcke tragen.

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Einst schleppte Pater Dinkel sich
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Von einem Festtagssehmause,
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Wie leicht zu denken, kümmerlich
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Zu seiner Magd nach Hause.
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Sein Bisschen Klugheit, deren Last
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Ihn niemals viel gedrücket,
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War, bis auf's letzte Quentchen fast,
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Im Traubensaft ersticket.

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Indess schlich Veit in's Pfarrhaus hin.
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Was Veit und Lene thaten,
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Wird, ohne mich zu Rath zu ziehn,
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Der Leser leicht errathen.
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Mit einem Wort, es gab so viel
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Zu schwatzen und zu küssen,
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Dass keins von beyden drauf verfiel,
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Das Hausthor zuzuschliessen.

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Durch diess Versehn kam ungehört
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Mein Pfarrer in die Stube:
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Hab' ich zur Unzeit dich gestört,
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Rief er, vermessner Bube?
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Dem Schuster ward nicht wenig heiss,
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Doch heisser noch dem Pfaffen:
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Er sprach: verfluchtes Hundsgeschmeiss!
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Ich will mir Ruhe schaffen.

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Schnell lief er weg, und kam voll Wuth
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Mit einem Terzerole.
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Wo, schrie er, ist die Henkersbrut?
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Dass ihn der Teufel hole!
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Doch Veit, der von des Pfarrers Zorn
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Nichts gutes sich versprochen,
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War fort, und hatt' in's nahe Korn
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Indessen sich verkrochen.

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Du Hure! sprich, ist das mein Lohn?
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Fuhr Dinkel fort zu schelten,
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Wo ist er? Halfst du ihm davon,
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So magst nun du's entgelten!
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Sie weint' und bat. Umsonst! er schoss
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Sie durch's Gehirn: die Dirne
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Sank todt dahin, und rauchend floss
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Das Blut ihr von der Stirne.

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Zur wohlverdienten Strafe glaubt
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Ihr nun für sein Vergehen
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Vielleicht des Thäters Hand und Haupt
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Auf's Rad gepflanzt zu sehen.
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Ihr irrt. Es ward der Kirchenrath
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Zum Richter ihm bestimmet,
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Und so ward, trotz der schwarzen That,
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Kein Härchen ihm gekrümmet.

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Denn wie mein alter Oheim spricht,
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Auf den ich trau' und glaube,
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Ein Geyer hackt den andern nicht,
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Es wäre denn beym Raube.
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Des Mörders Strafe war, ein Jahr
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Kein Pfarramt zu verwalten,
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Und sich von Kanzel und Altar
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Und Beichtstuhl zu enthalten.

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Veit unterdess auf Monatsfrist
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Zum Arbeitshaus verdammet,
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Weil er die Magd durch Zauberlist
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Zu geiler Brunst entflammet,
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Schrie fruchtlos von Partheylichkeit
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Und Tyranney der Pfaffen,
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Und schwur, sich selbst in kurzer Zeit
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Am Pfarrer Recht zu schaffen.

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Gesagt, gethan. Als Dinkel sich
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Einst durch den Gottesacker
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Mit Schaudern nächtlich heimwärts schlich,
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Kam Veit, und rief: du Racker!
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Suchst du vielleicht, wo Lene ruht?
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Hier, mörderischer Drache!
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Hier ist ihr Grab, hier schreyt ihr Blut
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Zum Himmel laut um Rache.

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Versöhne denn, so gut du kannst,
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Mit Gott dich, und erwecke
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Nun Reu' und Leid! denn lebend, Wanst!
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Kömmst du mir nicht vom Flecke.
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Als Dinkel drob sich sträubte, stach
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Veit stracks ihn durch die Kehle.
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Er sank dahin, sein Auge brach,
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Und zückend schied die Seele.

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Veit hatte zwar sich nach dem Mord
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Zu flüchten nicht geweilet;
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Er wanderte von Ort zu Ort:
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Allein so schnell er eilet,
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Gelingt's doch einem alten Weib,
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Den Flüchtling auszuforschen,
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Und sieh! man fällt den Schluss: sein Leib
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Soll auf dem Rad vermorschen.

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Kaum wurde diess ihm kundgethan,
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So schrie er: seyd ihr Richter?
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Nein, Buben seyd ihr Mann für Mann!
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Nicht wahr? ihr Bösewichter!
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Des Pfaffen That war gut und recht?
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Der wusst' euch zu bestechen:
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Allein mich armen Schusterknecht,
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Mich wollt ihr radebrechen.

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Und doch war er des Hochgerichts
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Weit würdiger, der Schächer!
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Er war ein Mörder: ich bin nichts.
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Als eines Mordes Rächer.
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So tobte Veit. Das Volk erfuhr
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Des Delinquenten Schreyen,
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Strömt' auf das Rathhaus los, und schwur
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Den Schuster zu befreyen.

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Man sucht' umsonst durch Flehn und Drohn
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Des Pöbels Wuth zu kühlen:
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Das aufgebrachte Volk drang schon
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Bis zu den Richterstühlen.
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Siegprangend ward vom Pöbel nun
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Ein neuer Rath bestellet,
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Und, um dem Volk genugzuthun,
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Veits Urtheil so gefället:

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Es werde, weil, was Veit verbrach,
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Der Pfarrer auch verbrochen,
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Das Urtheil, das man Dinkeln sprach,
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Auch Veiten nun gesprochen!
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Der Pfarrer durft' ein Jahr Altar
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Und Beichtstuhl nicht verwalten:
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So soll denn Veit sich auch ein Jahr
176
Der Schusterey enthalten!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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