Als, rings bepflanzt mit wolkennahen Thürmen

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Joseph Franz Ratschky: Als, rings bepflanzt mit wolkennahen Thürmen Titel entspricht 1. Vers(1783)

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Als, rings bepflanzt mit wolkennahen Thürmen,
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Das stolze Wien mir aus den Augen kam,
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Und, vor der Glut der Sonne mich zu schirmen,
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Der Brühl mich drauf in seine Schatten nahm,
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Verband ich mich bey mehr als zwanzig Göttern
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Mit einem Eid: die Sonne sollte nicht
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Zum zweytenmal den Berg herüberklettern,
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Es läge denn das stattlichste Gedicht,
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So elegant, wie meines Wissens keiner
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Im deutschen Reich, als etwan Unsereiner,
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Zu schreiben pflegt, an dich, o Freund! bereit.
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Doch da nun schon wir Dichter jederzeit
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Beym Layenvolk für Lügenschmiede galten,
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So liess es denn auch meine Wenigkeit,
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So sehr ich sonst der Mann bin, Wort zu halten,
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Dem Handwerksbrauch zu Liebe, hübsch beym alten;
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Denn wirklich hat bereits zum viertenmal
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Die kühle Nacht nun Flächen, Berg und Thal
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Und Feld und Wald mit Dunkel rings umhüllet.
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Und doch ist noch mein Eidschwur unerfüllet,
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Und blieb' es auch, hätt' ein Gewitter hier
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In's Gartenhaus mich nicht hereingeschrecket,
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Und hätte nicht der Donner über mir
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Mein schlafendes Gewissen aufgewecket.
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So höre denn, was meine Neubegier
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Von Ort zu Ort auf meiner Fahrt entdecket.

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So wie ich mich durch einen breiten Strom
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Von wallendem Getreide durchgewunden,
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Stand Medling da, wo Gänse, wie zu Rom
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Im Kapitol, am Thore Wache stunden.
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Von dannen gien'gs ganz sachte durch den Brühl,
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Wo plötzlich links der Rest von öden Mauern
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Auf einem Fels, zu dem man ohne Schauern
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Nicht aufsehn kann, mir in das Auge fiel.
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Hier hatten einst in jenen Ritterzeiten,
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Als man bey uns Begier und Muth zu streiten
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Noch höher hielt als Wissenschaft und Witz,
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Viel Herzoge von Östreich ihren Sitz.

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Nun schlängelte die schmale Bahn sich mitten
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Durch Klippen fort und durch das frische Grün
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Des Wienerwalds, an Bächen, die mit Hütten
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Umzingelt sind, bis zu dem Ziele hin.
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Hier leb' ich nun so gänzlich abgeschieden
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Von eurer Welt und ihren Plackereyn,
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Dass ich nicht weiss, wie's ausser meinem Hain
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Indessen geht, ob Krieg ist oder Frieden.

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Heut morgens, Freund! als kaum die Sonne sich
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Den Berg empor an meine Fenster schlich,
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Gieng alsogleich die Reise nach der Klause
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Zum heil'gen Kreutz. Hier zeigt vor der Karthause
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Ein Kreutzgang sich, an Reitz und Anmuth reich,
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Und weniger dem Weg zur Schädelstätte,
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Als einer Bahn zum Paradiese, gleich;
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Denn links erhebt sich eine kleine nette
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Einsiedeley, mit Bäumen rings besetzt:
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Zur Rechten winkt die niedlichste Kapelle
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Zur Andacht hin, wobey die schönste Quelle,
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Rein wie Krystall, ein Rasenplätzchen netzt.

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Im Stifte selbst fand ich mit Missvergnügen
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In einem Saal so manche Seltenheit
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Bey Spielwerk oft, das höchstens Kinder freut,
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Unordentlich, wie Kraut und Rüben, liegen.
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Nebst andern ragt ein schöngeschnitztes Chor
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Im Mittelpunkt des Tempels hoch empor,
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Das einst ein Mönch, den, wie's so manchem gebet,
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Kein guter Geist zur Reimerey entzückt.
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Mit einer Art von Versen ausgeschmückt,
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Wovon mir noch das Haar zu Berge stehet.
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Lies sie nur selbst! kein Sylbchen ist verrückt:

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Noch hätt' ich dir, mein Bester! Vielerley
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Von Bonzenstolz, Verstellung, Gleissnerey.
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Unwissenheit und feisten Ordensbäuchen,
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Von kupfrigen Gesichtern und dergleichen
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Artikeln mehr
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Allein ich mag mir keinen Scheiterhaufen
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Im Höllenpfuhl durch meine Zunge baun;
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Was hat denn auch ein Laye drauf zu schaun.
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Ob Mönche sich kasteyen oder saufen?
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Auch galoppirt bereits in vollem Lauf
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Die düstre Nacht in ihrem Trauerwagen,
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O Theuerster! den Horizont herauf,
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Und zwinget mich, dir Lebewohl zu sagen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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