Ein trotziger Ritter im fränkischen Land

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Joseph Franz Ratschky: Ein trotziger Ritter im fränkischen Land Titel entspricht 1. Vers(1783)

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Ein trotziger Ritter im fränkischen Land,
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Im Spiele der Waffen gar rühmlich bekannt,
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Bestieg einst, umgürtet mit Panzer und Schwert,
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Zum Streite zu wandern, sein muthiges Pferd.

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Schon hatt' er so manche gefährliche Nacht
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Im Dienste der Waffen getreulich durchwacht,
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Als plötzlich ein rüstiger Knecht vor ihm stand:
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»gott grüss' euch, Herr Ritter vom fränkischen Land!

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»gott grüss' euch!« so sprach er, und neigete tief
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Das Haupt vor dem Ritter. »Wer sendet dich?« rief
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Ihm dieser entgegen, »was suchest du hier
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»im Waffengetümmel? was bringest du mir?«

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»ach leider! ich bringe gar bösen Bericht:
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»seyd mannhaft, o Ritter! entsetzet euch nicht!
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»denn wisset, das Fräulein daheim auf dem Schloss
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»hat heimlich getragen ein Kindlein im Schooss.«

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Kaum hörte der Vater die schreckliche Post,
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So fasst' ihn ein Schauer. »Auf!« schrie er erbosst,
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»auf! sattelt das Pferd mir! ich brenne vor Wuth,
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»ich brenne, zu rächen mein adelich Blut.«

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Und als er nur abstieg im einsamen Schloss,
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Da sprang er voll Wuth auf sein Töchterlein los:
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»wo ist der Verführer, du Hurengezücht?
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»wo ist er, der Bube? verläugne mirs nicht!«

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»ach, Vater! ach, glaubt nicht dem lügenden Ruf;
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»mein Herz ist so rein noch, als Gott es erschuf.«
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So sprach sie noch förder manch gleissendes Wort:
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Umsonst! er ergriff sie, und schleppte sie fort.

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Er schleppte sie fort in ein finstres Gemach:
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»komm,« sprach er, »du Reine! komm, folge mir nach!«
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»o Vater, mein Vater! wo führt ihr mich hin?
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»ach! Gott sey mir gnädig! was habt ihr im Sinn?«

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»du sollst's wohl erfahren, du sollst es wohl sehn!«
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So sprach er, und hieb sie, trotz Bitten und Flehn,
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Mit Dornen und Geisseln so heftig und lang,
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Bis stromweis das Blut aus den Adern ihr drang.

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Itzt sank sie wohl nieder im finstern Gemach:
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Ihr Auge ward dunkel, ihr Odem ward schwach.
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»lasst ab, o mein Vater! erbarmet euch mein!
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»der Himmel mög' euch es und mir es verzeihn!

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»verwahret mein Kindlein, und pflegt es ja gut!
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»denn ach! es ist Chilperichs königlich Blut.«
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»oh!« seufzte der Ritter, »Gott sey es geklagt!
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»o Töchterlein, hätt'st du das eher gesagt!«

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Und sieh, als der stürmische Winter verfloss,
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Zog Chilperich selber vor's einsame Schloss.
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»gott grüsse dich, Ritter vom fränkischen Land,
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»in Waffen und Schlachten gar rühmlich bekannt!

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»dein schönes, dein züchtiges Fräulein zu freyn,
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»verliess ich mein Lager am brausenden Rhein:
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»drum bist du's zufrieden, so führe mich hin,
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»so gieb ihr den Segen und lass sie dann ziehn!«

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»wohl wär' ich's zufrieden, wohl liess' ich sie ziehn!
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»doch leider, o König! mein Kind ist dahin.
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»dort siehst du den Grabstein am Hügel hinauf:
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»ach! wachsen schon gelbliche Blümlein darauf.«

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Und sieh da! kaum endet der Ritter, so fährt
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Aus Chilperichs Scheide das flammende Schwert:
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Hoch fährt es empor in des Königes Hand,
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Und strecket den Ritter dahin in den Sand.

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»fahr hin,« sprach der König, »du trotziger Mann!
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»so hast du es meiner Geliebten gethan.«
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Drauf hub er das Kindlein zu sich auf das Ross,
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Und weinend verliess er das einsame Schloss.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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