Noch steh' ich da, verwirrt, betäubt und bange

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Joseph Franz Ratschky: Noch steh' ich da, verwirrt, betäubt und bange Titel entspricht 1. Vers(1783)

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Noch steh' ich da, verwirrt, betäubt und bange,
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Mit starren Augen, leichenblass,
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Die Füsse schwach und wankend, Stirn' und Wange
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Von kaltem Angstschweiss nass.

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Denn ach! ich sah die schreckliche Verheerung,
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Wie unter Prasseln Stein und Kloss,
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Emporgetrieben durch des Pulvers Gährung,
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Hoch in die Lüfte schoss.

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Ich sah, wie ringsum, gleich ergrimmten Schlossen,
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Die Kugeln unter Wuth und Graus
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Mit donnerndem Geknalle niederschossen
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Auf Garten, Feld und Haus;

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Sah aufgeschlitzt die Mauern der Gebäude,
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Der Dächer Giebel eingedrückt,
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Die Flur mit Schutt bedeckt, und Buch' und Weide
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Wie schwaches Rohr zerknickt.

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Noch hallt das Schreyn der Säuglinge, das Wimmern
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Der Mutter, die ihr Kind verlor,
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Der bange Todeslaut der unter Trümmern
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Zerquetschten mir im Ohr.

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Ha! welch ein Anblick! Ach! auf jeder Seite
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Der grässlichen Verwüstung Spur:
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Hier Leichen, dort noch wild im Todesstreite
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Die kämpfende Natur.

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Ein Unmensch ist's, den nicht die schwarze Scene
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Des Elends zum Erbarmen zwingt,
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Dem sanft und mild des Mitleids edle Thräne
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Nicht in das Auge dringt.

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O sieh! wie rang Theresens Sohn die Hände,
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Und stand voll bittern Jammers da,
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Als er, umringt von Reihn zermalmter Wände,
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Das wilde Schauspiel sah!

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Sein Blick entdeckt ein Schlachtfeld voll von Todten:
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Doch klomm er mit entschlossnem Sinn
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Von Schutt, auf Schutt, und sandte seine Boten,
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Zu retten, her und hin.

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Gott lohn' ihm für die väterliche Liebe!
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Gott lohn' ihm! Hohe Dankbegier
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Füllt jedes Herz, und mit dem wärmsten Triebe
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Der Inbrunst bitten wir:

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Erhalt ihn uns! verleih ihm deinen Segen,
42
O Gott, und deiner Allmacht Schutz!
43
Dein Engel sey auf allen seinen Wegen
44
Der Hüter seines Muths!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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