Im Jahr des Heiles, ungefähr

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Joseph Franz Ratschky: Im Jahr des Heiles, ungefähr Titel entspricht 1. Vers(1783)

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Im Jahr des Heiles, ungefähr
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Achthundert Fünf und Neunzig,
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Griff König Arnulph zum Gewehr:
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Es folgt' ihm nur ein kleines Heer,
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Doch an Bravur war's einzig.

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Fern, sprach er, in der Römer Land
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Ist Meuterey entstanden:
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Auf, Kinder! lasst, in's Kriegsgewand
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Gehüllt, uns mit bewehrter Hand,
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Walt's Gott! den Unfug ahnden!

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Diess Aufgebot war Gross und Klein
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Gar lieblich zu vernehmen.
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Dortorts, rief man, wächst süsser Wein:
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Kommt, lasst uns guter Dinge seyn!
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Den wollen wir schon zähmen.

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Nun fördert Arnulph sich, zu ziehn
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Wohl gegen Wälschlands Gränzen.
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Schon kömmt er bis nach Florenz hin,
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Und allerwärts empfängt man ihn
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Mit tausend Reverenzen.

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Nur bey den stolzen Römern war
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Ihm Thür' und Thor verriegelt.
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Sie aufzubieten, sandt' er zwar
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Zween Boten: doch das gute Paar
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Ward schimpflich fortgeprügelt.

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Erbosst rief Arnulph: »Habt ihr so
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Das Völkerrecht in Ehren?
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Ihr Lotterbuben! lichterloh
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Soll eure Stadt mir flammen! ... O!
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Ich will euch

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Auf, Brüder! zähmet das Geschmeiss!
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Lasst uns die Stadt berennen!«
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Potz Blitz! nun ward den Römern heiss:
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Der Stadtrath sprang, als ob der Steiss
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Schon anfieng' ihm zu brennen.

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Für diessmal galt wohl auch fürwahr
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Kein Zaudern und Besinnen;
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Denn sieh! der Deutschen wilde Schaar
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Sucht schon, trotz jeglicher Gefahr
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Die Wälle zu gewinnen.

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Wohl sieben Stunden kämpfte man
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So derb von beyden Seiten,
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Dass ringsum Blut wie Wasser rann,
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Bis allgemach die Nacht begann
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Den Schleyer auszubreiten.

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Genöthigt wendeten nunmehr
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Die Deutschen die Standarten,
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Und Arnulph, sinnend hin und her,
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Beschloss, ein glücklich Ungefähr
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Im Lager abzuwarten.

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Rom, das den Feind schon für verzagt
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Und muthlos hielt, verlachte
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Des Königs Heer, bis eine Jagd
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Urplötzlich, wie die Chronik sagt,
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Dem Spott ein Ende machte.

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Ein Rammler aus dem nahen Hain
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Sprang schüchtern vor den Wällen
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Der Stadt umher, und hinterdrein
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Ein Spürhund und mit derbem Schreyn
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Ein Schwarm von Weidgesellen.

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Halb Rom, vom heftigen Rumor
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Der Jagenden betroffen,
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Lief, ohne Hut und Roquelaur,
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Ripsraps beym Tempel aus, und Thor
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Und Angel blieben offen.

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Der König sah am Horst hinab
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Der Flüchtigen Gedränge,
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Halt! rief er, lasst vom Hasen ab!
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Was soll euch Einer? dort bergab,
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Dort kriegt ihr eine Menge.

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Nun gieng's aus einem andern Ton.
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Seht! spornstreichs galoppiren
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Die Jäger nach: doch ferne schon
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Hört man die Memmen um Pardon
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Und Gnade lamentiren.

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Bewegt ward Arnulph, frank und frey
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Sie alle heimzuschicken:
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Doch liess er, Rom zu Schimpf und Scheu,
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Von Fünfzigen je Zwey und Zwey
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Mit Hasenschwänzen schmücken,

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Wenn solche Ordenszeichen heut
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Zu Tag noch Sitte wären,
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So würd' auch wohl zu unsrer Zeit
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Manch liebes Söhnchen aus dem Streit
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Damit nach Hause kehren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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