Wohlan, es sey!

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Joseph Franz Ratschky: Wohlan, es sey! Titel entspricht 1. Vers(1783)

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Wohlan, es sey!
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Auch ich will's wagen,
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Was ich in Tagen
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Der Wonne, frey
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Vom Joch der Sorgen,
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Und fern vom Zwang,
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Dem grauen Morgen
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Entgegensang,
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Dem Vaterlande
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In diesem Bande
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Trotz allem Dräun
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Der Zoilaster
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Und Kritikaster
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Getrost zu weihn.

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Zieht hin, ihr Spiele
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Der Jugendzeit,
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Wo, unentweiht
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Vom Weltgewühle,
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An Klio's Arm
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Mir fern vom Schwarm
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Der Sauertöpfe
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Manch Lied gedieh!
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Zieht hin, Geschöpfe
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Der Phantasie,
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Die im Genusse
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Der frohsten Musse
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Mein Geist gebar!
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Zieht hin in Frieden!
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Die holde Schaar
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Der Pieriden
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Mög' auf der Bahn
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Zum hochgeweihten
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Parnass hinan
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Euch sanft geleiten!

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Verzagt nicht gleich,
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Ihr meine Lieder,
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Wenn hin und wieder
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Im deutschen Reich
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Sich Journalisten
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Kühn wider euch
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Zur Fehde rüsten!
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Oft ist ihr Muth
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Nur Kinderwuth,
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Und halten Männer,
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Die man als Kenner
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Des Schönen ehrt,
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Euch lieb und werth,
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So lasst die frechen
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Pedanten schreyn,
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Die insgemein
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Nur Sylben stechen!

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Doch solltet ihr
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Mit Pfefferdüten
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Und Zuckerhüten,
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Wie Löschpapier
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Je, klein zerstückelt,
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Um Häringe
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Herumgewickelt,
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Als Flüchtlinge,
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Gleich hundert andern,
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Das Land durchwandern,
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Nähm' euch das Heer
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Der lockern Schneider
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Zum Mass für Kleider,
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Ja fänd' ich leider!
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Euch ungefähr
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In Käseläden
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Bey Leichenreden,
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Busspredigten
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Und Fasts Scharteken,
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Bey kritischen
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Bibliotheken
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Und Zeitungen
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Zu meiner Schande,
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O so verweilt
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In diesem Stande
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Der Schmach nicht! eilt
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Im schnellsten Trabe
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Nur bald zu Grabe,
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Und sträubt euch nicht;
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Ein schlecht Gedicht
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Bringt seine Schwächen
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Durch Widersprechen
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Nur mehr an's Licht.

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Wenn aber (schüchtern
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Hoff' ich's) die Welt
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Beglücktern Dichtern
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Mich zugesellt,
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Wenn ihr zu Zeiten
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Durch eure Kunst,
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Ihr sanften Saiten,
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Bey wackern Leuten
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Mir Beyfall, Gunst
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Und Lieb' erringet,
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Wenn's euch gelinget,
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Ihr Liederchen,
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Schwermüthigen
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Ihr Leid zu mindern,
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Wenn ihr, geschätzt
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Von schönen Kindern,
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Lehrt und ergetzt,
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Und mir hiernieden
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Die kurze Frist
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Mit Lust versüsst,
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So seyd zufrieden
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Mit diesem Lohn,
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Wenn euch auch schon
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Des Nachruhms Adel
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Ein Recensent
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Dreist aberkennt,
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Und euch den Tadel
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Der Enkel dräut!
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O mir gedeiht
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Ein Bisschen Ehre
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Bey Lebenszeit
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Mehr, als die leere
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Unsterblichkeit.
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Was hilft im Grabe
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Der Nachruhm mir,
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Wenn ich dafür
121
Kein Ohr mehr habe?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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