7. Sehnsucht nach der Ruhe

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Johann Friedrich von Cronegk: 7. Sehnsucht nach der Ruhe (1744)

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Wann werd' ich wiederum, ihr unschuldsvollen Haiden,
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Wann werd' ich wiederum euch blühend lächeln sehn?
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In euch nur wohnen noch des Lebens stille Freuden,
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Die dem betrognen Blick der Sterblichen entgehn;
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Die man vergebens sucht, wo sie zu wohnen scheinen,
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In lärmendem Gedräng, in unruhvoller Pracht;
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Die nur der Weise fühlt in unbewohnten Hainen,
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Der ganzen Welt versteckt, zur Zeit der ruh'gen Nacht:
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Wenn er, in sich versenkt, sich und die Welt betrachtet,
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Die prächt'gen Schmerzen sieht, die Stolz und Torheit liebt,
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Und, mit sich selbst vergnügt, des Pöbels Wahn verachtet,
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Zufrieden mit dem Glück, das Ruh' und Tugend gibt.
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Man eilt der Freude nach und weiß sie nie zu finden.
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Man sucht sie fern von uns, und allzeit ist sie nah.
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Wann einst der Eitelkeit Verblendungen verschwinden,
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Erstaunt man, daß man sonst sein größtes Glück nicht sah.
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Was braucht man mehr zur Lust als eine stille Seele?
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Was braucht man mehr zum Glück als ein zufriednes Herz?
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Im prächtigsten Palast und in der tiefsten Höhle
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Kann wahre Freude sein so gut als wahrer Schmerz.
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Der Seelen heil'ge Ruh', von wenigen gefunden,
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Von vielen nicht gesucht, den meisten unbekannt,
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Ist nicht an einen Stand, an einen Ort gebunden;
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Nein, jede Gegend ist des Weisen Vaterland.
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Der äußre Schein ist nichts; das Herz muß glücklich machen,
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Und jeder bildet sich sein eigenes Geschick:
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Das Kind ist schon vergnügt mit den geringsten Sachen:
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Den abgelebten Greis erfreut kein wirklich Glück.
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O stört nicht unsre Ruh' durch schwermutsvolle Sätze,
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Ihr Weisen! überlaßt die Menschen der Natur!
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Erlaubt dem Kind sein Spiel, den Greisen tote Schätze,
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Dem stolzen Manne Ruhm, und mir laßt Chloen nur.
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Mein ruh'ges Leben soll in ihrem Arm verfließen:
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In einer sichern Flur, in einem stillen Hain,
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Will ich, mit ihr vergnügt, des Lebens Lust genießen;
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Nicht witzig, nicht berühmt, nein, glücklich will ich sein.
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Vergnügt durch die Natur, will ich bei heiterm Morgen
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Dem Vater der Natur vergnügte Lieder weihn,
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Der Büsche heil'ge Nacht, in die ich mich verborgen,
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Wird ihm gefälliger als Marmortempel sein.
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Wenn gleich zum Himmel nicht entweihter Weihrauch steiget;
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Er hört der Seelen Wunsch und stille Seufzer an.
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Es prangt die Redekunst, nur wenn das Herze schweiget,
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Und dieses fühlet mehr, als es beschreiben kann.
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In der Erfüllung nur der angenehmsten Triebe
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Wohnt unsre größte Pflicht und unsre Lust zugleich.
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Der Freundschaft mächt'ger Zug, die stille Menschenliebe
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Macht uns allein beglückt, macht uns alleine reich.
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Wenn dann das Alter kömmt, mit schnell doch leisen Schritten,
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Wann dann der Tod sich naht, will ich nicht unruhvoll
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Den Himmel wiederum um meine Jugend bitten;
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Ich habe g'nug gelebt. Ich lebte, wie man soll.
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Es drücke Chloe selbst mit schwach gewordnen Händen
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Mir einst die Augen zu, die sterbend nach ihr sehn,
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Und die sich noch vergnügt zum güt'gen Himmel wenden,
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Um ihm zu danken nur, nicht um ihn anzuflehn.
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Mein Tod bleib' unbekannt und ruhig wie mein Leben;
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Die Welt soll meinem Ruhm kein prächt'ges Denkmal weihn.
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Die Nacht wird um mein Grab mit stillen Flügeln schweben;
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Die Erde wird mir leicht, mein Schlummer ruhig sein.
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Ihr Freunde, hemmt den Lauf der menschlich treuen Zähren!
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Es trennet uns der Tod doch nur auf kurze Zeit.
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Mein Geist erwartet euch, versetzt in beßre Sphären.
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Dort fühlet man erst ganz das Glück der Zärtlichkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Friedrich von Cronegk
(17311758)

* 02.09.1731 in Ansbach, † 01.01.1758 in Nürnberg

männlich

| Pocken

deutscher Dramatiker, Lyriker und Essayist (1731-1758)

(Aus: Wikidata.org)

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