2. An Chloen

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Johann Friedrich von Cronegk: 2. An Chloen (1744)

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Nichts unterbreche hier die stille heil'ge Nacht
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Als, Nachtigall, dein Lied und mein verliebtes Leiden!
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Wie reizend rauscht der West! Die Welt ist für die Freuden,
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Doch ich bin nicht für sie gemacht.

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Zu einer schlimmen Zeit in diese Welt versetzt,
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Von Chloens Küssen fern, ist einsam, ungenossen
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Der Jugend traur'ge Zeit mir unvermerkt verflossen,
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Nur, Dichtkunst! nur durch dich ergötzt.

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Durch dich erhöht der Geist sich über seinen Schmerz;
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Es trocknen nach und nach der Wehmut Tränen wieder.
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Nun zürn' ich nicht, o Glück! du gibst mir sanfte Lieder
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Und meiner Chloen zärtlich Herz.

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Sie liebt mich – dies ist g'nug, nie unbeglückt zu sein!
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Stets sah ich sie vor mir, versenkt in stillem Sehnen.
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Ich will, geliebtes Kind! ich will statt meiner Tränen
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Dir ew'ge treue Lieder weihn.

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Fern von der Höfe Pracht, lockt meiner Lieder Ton
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Die Nymphen aus dem Busch zu leicht verschlungnen Reihen.
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Vergnügt vergangene Zeit empfind' ich hier vom neuen,
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Und dich, o künft'ge, seh' ich schon.

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So öffnet lächelnd sich der Rosen schlummernd Haupt,
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Des Morgens süßen Tau sanft lechzend zu empfangen:
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So lächelt' einst ihr Mund, so glühten ihre Wangen,
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Als sie mir einen Kuß erlaubt.

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Wann mich die günst'ge Zeit der Nachwelt übergibt,
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Oh, so beneiden dich der künft'gen Schönen Triebe:
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Wie schön war Chloe wohl! wie zärtlich seine Liebe!
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Ich selbst, ich hätt' ihn auch geliebt!

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Ein Jüngling findet einst der Lieder Überrest;
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Er sagt alsdann gerührt von traurig sanften Tönen:
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Unglücklicher! – auch dir hat edle Schwermut Tränen,
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Verliebte Tränen ausgepreßt!

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So, Hebrus! lag bei dir am klagerfüllten Strand
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Des Dichters Leier da, der an dem Styx gesungen,
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Und selbst dem schwarzen Styx Mitleiden abgezwungen,
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Doch nicht bei zorn'gen Schönen fand.

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Die Saiten zitterten, mit halbgebrochnem Ton,
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Von dir, Eurydice, von dem gewohnten Namen:
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Als Wirbelwinde bald, sie zu erheben, kamen;
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Und unter Sternen glänzt sie schon.

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Nach ihr sieht, durch die Nacht, wachsamer Weisen Blick:
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Ihr Fleiß bemerket noch der Dichtkunst Lohn vom weiten.
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Hier straht ihr ew'ges Licht! Nur gab sie einst vor Zeiten
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Apollo dir, Horaz, zurück.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Friedrich von Cronegk
(17311758)

* 02.09.1731 in Ansbach, † 01.01.1758 in Nürnberg

männlich

| Pocken

deutscher Dramatiker, Lyriker und Essayist (1731-1758)

(Aus: Wikidata.org)

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