Das vierte Fenster

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Barthold Heinrich Brockes: Das vierte Fenster (1743)

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Des vierten Fensters Schilderey stellt uns, in ungemeiner
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Zier,
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Von neuem ganz verschiedne Schönheit, in einer neuen Ord-
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nung, für.
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Wir wollen, zur Veränderung, vom Horizont zum Vorgrund
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gehen,
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Und wie vorher die nahen Wunder, anitzt die fernen erst
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besehen.

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Dieß Fenster liegt recht gegen Osten, man sieht hier früh
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der Sonnen Gluht,
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Am weit entlegnen Horizont, aus der bestrahlten Elbe
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Fluht,
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In einem Purpur- rohten, güldnen, recht majestät’schen
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Schimmer, steigen,
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Und, in dem grossen Wasser-Spiegel, im Wiederschein, sich
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doppelt zeigen.
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Wie schimmern denn die kleinen Wellen! wie zittern von
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dem güldnen Licht,
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In dem sonst fast sapphirnen Wasser, die angestrahlten
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Stellen nicht!
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Die man denn oft mit tausend Freuden, da, wo es recht, wie
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Feuer, glühet,
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Von vielen Segeln unterbrochen, und angenehm beschattet,
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siehet.
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Wie ich denn einst drey hundert Segel auf einmahl, wunder-
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würdig schön,
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Auf der bestrahlten Elbe Fluht, in bunten Farben, schwimmen
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seh'n.

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Von diesem grossen Wasser- Reich wird jenseits unserm
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Blick kein Strand,
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Und nichts, als Wasser und als Luft, dem Auge sichtbar,
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obgleich Land
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Hier, durch ein Perspectiv, zu seh’n; so zeigt doch am Gesicht-
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Kreis sich
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Dem blossen Aug’, als überall, auch hier ein ebner blauer
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Strich,
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An dem jedoch, von oben her, ein ja so langer weisser
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glänzet,
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Indem die Luft daselbst am Wasser, wie dieses an dem Luft-
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Kreis, grenzet.
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Dort ein unabzusehend blaues, hier ein beblühmtes gelbes
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Feld
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Wird disseits, durch den hohen Deich, so wie es scheinet, in
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der Mitten,
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Als wie durch einen grünen Strich, geziert, geschieden und
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durchschnitten,
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Der den gewalt’gen Wasser-Strohm, GOtt Lob! bisher
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zurücke hält.
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Am Fusse dieser grünen Mauer ist ein fast güldner Strich
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zu schauen
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Von der beblühmten Herren-Wiese, der, bey den grünen,
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weiss- und blauen,
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Vorhin bereits erwehnten Strichen, sich in annoch ver-
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mehrter Pracht,
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Indem der obre Silber scheint, zu einem güldnen Grunde
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macht.
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Die schön- beblühmten Auen nun, mit fetten Heerden ange-
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füllt,
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Die scheinen, ja sind in der That, des Friedens und der Ruhe
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Bild.

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Man würd’ hier von der weiten Fläche und grünen Ebne
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mehr noch seh'n;
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Allein verschiedene Gebäude, nebst Bäumen, die sich da
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erhöh'n,
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Verdecken sie, und zeigen sich bald hier mit ihren rohten
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Gipfeln,
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Bald dort, zumahlen wenn sie blüh’n, mit gelblich-grün- und
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weissen Wipfeln,
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An ihrer Stelle gleichfals schön, indem sie, von den ebnen
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Flächen,
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Die fast gleichformige Figur, durch viele Formen, unter-
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brechen.
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Das Haus des
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sen,
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Erhebt und weiset sich vor andern, worauf denn von der
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breiten Gassen
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Die Häuser in der Quer sich zeigen, nebst ihren Gärtchen, an
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dem Graben,
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Von welchem wir den glatten Spiegel, samt seinem Schmuck,
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beschrieben haben.
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Hier siehet man, von hohen Jpern, der schattigten Alleen
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Pracht,
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Die, zwischen beyden breiten Graben, des Schlosses schö-
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nen Eingang macht,
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Und an derselben das Gerichts-Haus, von Steinen zierlich
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aufgeführet,
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So überhalb der
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Land-Soldaten
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Die Wache stets versehen wird. Gleich an der
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Garde rühret
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Des äussern Grabens grosse Brücke, die mit der Zug-Brück’
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ausgezieret,

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Und alle Nacht geschlossen wird, sowohl als sie den innern
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decket.

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Von dieser langen, starken Brücke, so zieret, nützt und
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schützt, erstrecket
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Sich noch ein Damm, den ich mit Jpern, zu beyden Seiten,
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ausgeschmückt,
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Zu dessen Ende man das Thor, ein grosses Flügel-Thor,
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erblickt.
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Da sieht man sich zween Wege theilen, der eine führet,
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linker Hand,
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Zum Flecken und zur Hardewick, woran noch ein Paar
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Häuser stand,
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Der andere nach Groden zu. Zieh’ ich von dort nun meine
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Blicke,
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Von der geschmückten Landschaft Ferne, noch immer näher
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zu mir her;
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Seh’ ich des Walles Parapet, und, auf den Batterien,
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Stücke,
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Von unten einen schrägen Weg, der, rechter Hand, uns in die
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Quer,
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Wie jener, den wir erst beschrieben, sich zu der linken Hand
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erhöht,
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Wodurch denn eine Symmetrie, wenn man im Schloß-Platz
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tritt, entsteht,
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Da dieser auch mit jungen Linden, sowohl als jener, ausge-
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ziert,
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Und einer, linker Hand, bequem, der andre Rechts zum Wall
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uns führt.
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Dieß wäre nun der Schmuck und Inhalt der vierten Fenster-
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Schilderey.

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Wir haben denn zu seh’n noch übrig, was auf der fünf-
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ten Tafel sey.
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Es wird zuerst, im Vorgrund hier, ein Stall (der noch nicht
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lang' erbaut
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Und ziemlich zierlich aufgeführt) und, überdem, der Wall
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geschaut,
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Worauf, nebst einem grossen Stück, ein Schilder-Haus
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und ein Gerüst,
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Mit einer grossen erzuen Glocke, (die, wenn es Zeit zu essen
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ist,
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Den Leuten auf dem Feld’ es meldet) und, überdem, nicht
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minder schön,
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Als was wir sonst bereits erblicket, vom Garten auch ein
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Theil zu seh'n,
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Der zwischen beyden Graben lieget, durch deren Bäume
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holdes Grün,
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Zumahl wenn sie, wie eben itzt, in Millionen Bluhmen
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blüh'n,
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Das Auge sich besonders labt. Dann siehet man, nicht ohn’
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Vergnügen,
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Auf dem geraumen Vorwerks-Platz, zwey grosse Vorwerk’
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einzeln liegen,
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Die zu der Stallung für das Vieh, zum Schirm-Dach für
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des Sommers Gaben,
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An Umfang, Höhe, Breit’ und Länge, nicht leichtlich ihres
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gleichen haben.
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Zu beyden Seiten werden Felder, mit Saat gesegnet und
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geschmückt,
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Auch, nebst dem Grodner Weg und Häusern, ein langes
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Stück vom Deich' erblickt,

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Worüber man der Elbe Fluht, die sich im grossen Cirkel
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zieht,
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So hier, als um die ganze Landschaft, bis am Gesichts-Kreis,
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fliessen sieht.

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Dieß wäre nun, in einer Kürze, so weit sich das Gesicht
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erstrecket,
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Was man für eine Wunder-Meng’ aus meines Thürmchens
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Sitz entdecket,
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Zur stetigen Erinnerung, wie wunderschön auch hier die
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Welt,
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Zum Preise Deß, Der sie gemacht, Der sie geschmückt, Der
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sie erhält,
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Der Land und Wasser benedeyet, und sie so herrlich vorge-
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stellt.

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Der innre Zieraht meiner Einöd’ ist und bestehet aus
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Papier,
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Worauf jedoch der Menschen Kunst, in einer nett verklein-
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ten Zier,
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Die Gröss’ und Pracht, wozu die Menschheit, durch Denken
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und durch Fleiß, geschickt,
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Ja, daß durch sie, als durch ein Werkzeug, sich die Natur oft
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selber schmückt,
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In Frankreichs Gärten vorgestellt. Es dienet dieser Zieraht
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mir
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Zugleich, da er in Oel getränkt, und vor den Fenstern sitzt,
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die Blitze
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Der Sonnen-Strahlen abzukehren, wie auch den Wind, so
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daß in Hitze,
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Nicht weniger auch in der Kälte, mir Frankreichs Herrlich-
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keiten nütze.

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Noch zeigen, edler Mieris, hier von deiner Hand verschiedne
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Risse,
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Daß man, in deiner Bilder Zügen, Natur und Kunst bewun-
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dern müsse:
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(wofern nicht auch die Kunst Natur,
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Und wesentlich nicht unterschieden.) Sonst steh’n, in diesem
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Thürmchen, nur
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Zwey Stühl’, ein Tisch von Holz, sechs Bücher, und, zu der
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Stärkung des Gesichts,
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Ein Perspectiv: Papier und Federn, ein Bluhmen-Glas, und
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weiter nichts.

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Dieß ist von meiner hohen Einöd’ ein Abriß, den ich, nach
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Vermögen,
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So zum erwegenden Bewundern, dir, wehrter Leser, als auch
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mir,
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Zum Dank- erfüllten Angedenken, bemüht gewesen vorzule-
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gen.
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Hier seh’ ich nun, in stiller Freuden, (mein Schöpfer, Dir sey
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Dank dafür!)
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Noch täglich, mit stets neuen Augen,
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des Wassers Pracht,
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Auch, im erstaunlich- weiten Umfang,
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ments Sapphir,
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Und lob’, im fröhlichen Erstaunen, den Schöpfer, welcher
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alles macht,
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Der alles ziert, erhält, regieret, und welcher mir in meinem
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Leben,
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In diesem Sitz, Jhn zu bewundern, so viel Gelegenheit
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gegeben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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