Es knallet alles was lebet

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Gottfried August Bürger: Es knallet alles was lebet Titel entspricht 1. Vers(1770)

1
Es knallet alles was lebet,
2
Was in den Lüften schwebet,
3
Es knallt die ganze Welt;
4
Ein Mädchen von zwölf Jahren,
5
Mit zwanzig Stoppelhaaren,
6
Der Fuchsschwanz schon gefällt.

7
Was machen nicht für Mienen
8
Die Hasen und Kaninchen,
9
Was tut der Sperling nicht?
10
Der Hengst macht junge Füllen,
11
Der Boll hat seinen Willen,
12
Wenn ihn der Kitzel sticht.

13
Der Elefant von hinten
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Weiß auch das Loch zu finden,
15
Der Kater braucht kein Licht;
16
Der Bär bohrt seine Frau
17
Mit Lust wohl in den Rauh,
18
Warum denn Menschen nicht?

19
Selbst Juno mußte lachen,
20
Als Jupiter wollt machen
21
Ihr einen dicken Bauch;
22
Doch läßt sie sich's gefallen
23
Und läßt sich tapfer knallen
24
Bei einem Rosenstrauch.

25
Diana, müd vom Jagen,
26
Läßt sich den Spieß behagen,
27
Sie steckt ihn selbst hinein.
28
Doch wer will ihr gefallen,
29
Der muß dabei vor allen
30
Recht wohl beschlagen sein.

31
Merkur, der Götterbote!
32
Ist auch von solchem Schrote,
33
Wenn er ausfliegen soll,
34
Besucht er jede Nymphe
35
Und gibt ihr wackre Trümpfe,
36
Spritzt ihr die Büchse voll.

37
Auch Cupido, der Kleine,
38
Greift Venus zwischen die Beine,
39
Sein Schwänzchen wird ihm hart;
40
Er spritzt den edlen Samen,
41
In aller Götter Namen,
42
Der Mutter in den Bart.

43
Vulkan, in seiner Kammer,
44
Mit seinem Schmiedehammer,
45
Muß auch mit an den Tanz;
46
Sein Schwanz, wenn er geschwollen,
47
Hält fünfundzwanzig Zollen,
48
O auserlesner Schwanz!

49
Charon, beim Überfahren,
50
Fuchst alles rauch von Haaren,
51
Schont auch die Votzen nicht;
52
Pluto fuchst Proserpinen,
53
Und Luchse fuchst Luchsinnen,
54
Warum denn Menschen nicht?

55
Ihr Nonnen und ihr Pfaffen!
56
Ihr sollt beisammen schlafen,
57
Laßt Messe Messe sein;
58
So oft die Glocken läuten,
59
So oft sollt ihr euch reiten,
60
Steckt ihn fein tief hinein.

61
Bemerket diese Worte,
62
Ihr Jungfern aller Orte,
63
Hört meine Lehren doch;
64
Verlaßt die samtnen Dinger
65
Und steckt statt eurem Finger
66
Den rechten Schwanz ins Loch.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried August Bürger
(17471794)

* 31.12.1747 in Molmerswende, † 08.06.1794 in Göttingen

männlich, geb. Bürger

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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