1.

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Barthold Heinrich Brockes: 1. (1743)

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Gott Lob! die schnellen Blitze schwinden,
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Der Donner rollt und knallt nicht mehr,
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Die Wolken sind von wilden Winden,
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So wie von schwehren Schlossen, leer,
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Der Luft-Kreis hat sich aufgeklärt,
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Das Ungewitter aufgehört.

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Wie stark und heftig es gestürmet,
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Wie sehr der Wetter Grimm gekracht;
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Sind wir doch gnädiglich beschirmet
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Durch GOttes weise Lieb’ und Macht.
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Hat es gleich noch so sehr geblitzt,
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Hat Seine Huld uns doch beschützt.

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Wer sah im aufgerißnen Himmel,
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In einer allgemeinen Gluht,
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Bey einem schmetternden Getümmel,
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Bald Schwefel-blau, bald Roht wie Blut,
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So manchen noch viel hellern Strahl,
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Und schnelle Blitze sonder Zahl.

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Der nicht, im höchst gerechten Schrecken,
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Der Elementen Kräft’ empfand,
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Und, da sie sich so weit erstrecken,
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Nicht gleich sein armes Nichts erkannt;
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Der nicht, da ihm sein Fall so nah,
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Auf seines Schöpfers Gnade sah!

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Dem, da so Luft als Erde schüttert,
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Durch der gepreßten Wolken Grimm,
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Nicht auch mit Recht sein Herz gezittert
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Vor Dem, Der in des Donners Stimm’
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Solch einen furchtbarn Ton geprägt,
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Daß jedes Herz für Schrecken schlägt.

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Da aber itzt das schwehre Wetter
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Verzog, Blitz, Knall und Sturm vorbey;
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So überlegt, wer der Erretter
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In dieser Noht gewesen sey?
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Ohn’ Den ihr arm, verbrannt, versehrt,
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Gelähmt, ja gar zerschmettert, wärt.

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Unendlichs All! durch Dessen Willen
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Geschöpf’ entstehen und vergehn,
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Durch Den allein die Donner brüllen,
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Durch Den das Licht der Sonnen schön,
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Es ist bloß Deine Gnad’ allein,
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Daß wir erhalten worden seyn.

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Daß unser Guht kein Blitz versehret,
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Kein Strahl durch unsre Glieder fuhr,
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Ward bloß allein durch Dich gewehret,
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Quell und Erhalter der Natur!
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Dein Gnaden- reicher Wille wollt,
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Daß uns kein Unfall treffen sollt.

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Wie Du nun, HErr, durch dieß Erhalten,
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Das Unsrig’ uns aufs neu geschenkt;
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Verdient dieß väterliche Walten
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Denn nicht, daß man, gerühret, denkt:
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“erbarmung-voller GOtt, nur Dir
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„sey Ehre, Preis und Dank dafür!

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Wir preisen Deine Vater-Triebe,
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Wir rühmen Deine weise Macht,
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Daß Du, aus lauter Huld und Liebe,
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In dieser Noht an uns gedacht.
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Dir danket billig jedermann,
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Daß er, beschützt, Dir danken kann.

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Kommt, nehmt zugleich des Höchsten Führung,
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Und, nebst der Probe Seiner Macht,
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Die Weisheit göttlicher Regierung,
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Auch selbst im Blitz und Sturm, in Acht!
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Da, selbst durch Blitz und Sturm, die Welt,
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Nach GOttes Ordnung, sich erhält.

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Was bringet nicht ein schneller Regen,
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Bey unerträglich schwehrer Hitz,
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Durchs Wetter hergeführt, für Segen!
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Wie machet nicht der helle Blitz,
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Durch schnellen Brand, die Lüfte rein,
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Daß sie uns nicht beschwehrlich seyn!

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Dieß ist itzt abermahl geschehen,
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Die Luft ist rein, die Welt getränkt;
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So laßt uns GOttes Ruhm erhöhen,
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Der alles uns zum Besten lenkt!
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Der auch, wenns wettert, blitzt und stürmt,
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Die Welt erhält, und uns beschirmt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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