Frau Schnips

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Gottfried August Bürger: Frau Schnips (1777)

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Frau Schnipsen hatte Korn im Stroh,
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Und hielt sich weidlich lecker;
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Sie lebt' in dulci Jubilo,
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Und Keine war euch kecker.

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Das Mäulchen, sammt dem Zünglein flink,
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Saß ihr am rechten Flecken.
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Sie schimpfte wie ein Rohrsperling,
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Wenn man sie wollte necken.

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Da kam Hans Mors, und zog den Strich
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Durch ihr Schlaraffenleben.
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Zwar belferte sie jämmerlich;
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Doch mußte sie sich geben.

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Sie klaffte fort, den Weg hinan,
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Bis vor die Himmelspforte,
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Gekränkt, daß sie nicht Zeit gewann,
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Zur letzten Mandeltorte.

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Weil nun der letzte Ärger ihr
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Noch spukt' im Tabernakel,
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So trieb sie vor der Himmelsthür
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Viel Unfug und Spektakel.

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»wer da, rief Adam unmutsvoll,
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Stört so die Ruh der Frommen?« –
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»ich bins! Frau Schnips! Ich wünschte wohl
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Bei Euch mit anzukommen.« –

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»du? – Nicht also, Frau Sünderin!
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Frau Liederlich! Frau Lecker!« –
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»ich weiß wohl selber, was ich bin,
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Du alter Sündenhecker!

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Ei, zupfte sich Herr Erdenkloß
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Doch nur an eigner Nase!
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Denn was man ist, das ist man bloß
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Von seinem Apfelfraße.

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So gut wie Er, denk' ich zur Ruh
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Noch Platz hier zu gewinnen.« –
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Der Vater hielt die Ohren zu
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Und trollte sich von hinnen.

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D'rauf machte Jakob sich ans Thor:
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»marsch! Packe dich zum Teufel!« –
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»was? schrie Frau Schnips ihm laut ins Ohr,
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Fickfacker! Ich zum Teufel?

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Du bist mir wohl der rechte Held,
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Und bist wohl hier für's Prellen?
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Hast Bruder und Papa geprellt,
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Mit deinen Ziegenfellen.« –

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Stockmäuschenstill trieb ihr Geschrei
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Hinweg den Patriarchen.
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Hierauf sprang Ehren-Loth herbei,
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Mit Brausen und mit Schnarchen.

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»du auch, du alter Saufaus hast,
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Groß Recht hier zum Geprahle!
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Bist wahrlich nicht der feinste Gast
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In diesem Himmelssaale!

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Bezecht sich erst beim Abendbrot,
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Den Kindern zum Gelächter,
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Und dann beschläft Er – pfui, Herr Loth! –
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Gar seine eignen Töchter!«

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Ha puh! Wie stank der alte Mist! –
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Loth mußte sich bequemen,
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Als hätt' er in das Bett' gepißt,
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Voll Scham Reißaus zu nehmen.

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»na! – lief Relikte Judith hin,
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Welch Lärm hier und Gebrause!« –
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»bonsdies! Frau Gurgelschneiderin!
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Sie ist hier auch zu Hause?« –

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Vor großer Scham bald bleich bald rot,
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Stand Judith bei dem Gruße.
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Der König David sah die Not,
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Und folgt' ihr auf dem Fuße.

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»was für Hallo, du Teufelsweib?
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Potz hunderttausend Velten!« –
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»ei, Herr, wär' ich Uria's Weib,
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Ihr würdet so nicht schelten.

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Es war, mein Seel! wohl mehr Hallo,
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Mit Bathseba zu liebeln,
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Und ihren armen Hahnrei so
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Zur Welt hinaus zu bübeln.« –

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»das Weib ist toll, rief Salomo,
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Hat zu viel Schnaps genommen!
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Was? Seiner Majestät also – – –
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So – – hundsföttsch anzukommen?« –

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»o Herr, nicht halb so toll, als Er!
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Hätt' er sein Maul gehalten!
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Wir wissen's noch recht gut, wie Er
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Auf Erden Haus gehalten.

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Sieb'n hundert Weiber auf der Streu,
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Und extra doch darneben
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Drei hundert – – Andre! Meiner Treu!
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Das war ein züchtig Leben!

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Und Sein Verstand war klimperklein,
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Als Er von Gott sich wandte,
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Und Götzen pur von Holz und Stein,
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Sein thöricht Opfer brannte.« –

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»fürwahr, empörte Jonas sich,
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Das Weib speit, wie ein Drache!« –
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»halt's Maul, Ausreißer! Kümmre dich
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Um Deine faule Sache!« –

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Auch Thom's gab seinen Senf dazu:
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»ein Sprichwort, das ich glaube,
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Sagt: Weiberzung' hat nimmer Ruh;
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Sie ist von Espenlaube.« –

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»glaub' immer was ein Narr erdacht,
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Mit allen dummen Teufeln!
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Doch konnt' an seines Heilands Macht
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Der schwache Pinsel zweifeln.« –

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Maria Magdalena kam. –
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Nu ja! Die wird's erst kriegen! –
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»still, gute Frau, fein still und zahm!
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Ihr müßt Euch anders fügen.

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Denn, gute Frau, erinnert Euch
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An Eu'r verruchtes Leben!
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So
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Kein Plätzchen eingegeben.« –

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»so
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Was bin ich denn für
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Sie war mir auch das rechte Kraut!
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Nun brennt Sie gar sich reine?

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Ach! Um die Tugend Ihrer Zeit
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Ist Sie nicht hergekommen.
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Des Heilands Allbarmherzigkeit
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Hat Sie hier aufgenommen.

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Durch diese Allbarmherzigkeit,
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Sie wird's nicht übel deuten,
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Hoff' ich, trotz meiner Sündlichkeit,
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Auch noch hineinzuschreiten.« –

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Jetzt sprang Apostel Paul empor:
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»mit deinen alten Sünden,
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Weib, wirst du durch das Himmelsthor
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Den Eingang nimmer finden!« –

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»die lass' ich draußen! – Denke, Paul,
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Wie dir's vor Zeiten glückte;
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Dir, der doch so mit Mord, als Saul,
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Die Kirche Gottes drückte!« –

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Sanct Peter kam nun auch zum Spiel:
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»die Thür nicht eingeschlagen!
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Madam, Sie lärmt auch allzuviel;
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Wer kann das hier vertragen?« –

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»geduld, Herr Pförtner! sagte sie;
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Noch bin ich unverloren!
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Hab' ich doch meinen Heiland nie,
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Wie Du einst, abgeschworen.« – –

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Und unser lieber Herr vernahm
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Der Seele letzte Worte.
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Umringt von tausend Engeln kam
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Er herrlich an die Pforte.

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»erbarmen! Ach, Erbarmen!« schrie
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Die arme bange Seele. –
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»o Seele, du gehorchtest nie
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Dem göttlichen Befehle.

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Ich lockte dich an meine Brust:
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Zur Sünde gingst du über.
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Die Welt mit ihrer eiteln Lust
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War, Thörin, dir viel lieber.« –

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»o! Ich bekenn' es, Herr, ich schwamm
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Im Lustpfuhl dieser Erde;
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Doch bringe du dein irrend Lamm
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Zurück zu deiner Herde!

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Ich will, o lieber Hirt, hinfort
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Mein Irrsal stets bereuen.
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Half doch sein letztes armes Wort
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Dem Schächer zum Gedeihen.« –

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»du wußtest, Weib, was ich gethan;
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Du kanntest meinen Willen:
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Allein, was hast du je gethan,
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Ihn dankbar zu erfüllen?« –

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»ach nichts! Doch, lieber Menschensohn,
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Heiß mich darum nicht fliehen!
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Es hat ja dem verlornen Sohn
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Sein Vater auch verziehen.« –

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»nun wohl, Verirrte, tritt herzu!
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Will dich mit Gnade zeichnen.
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Auch du bist mein! Geh ein zur Ruh!
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Ich will dich nicht verleugnen.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried August Bürger
(17471794)

* 31.12.1747 in Molmerswende, † 08.06.1794 in Göttingen

männlich, geb. Bürger

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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