Betrachtungen beym Mähen des Getraydes

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Barthold Heinrich Brockes: Betrachtungen beym Mähen des Getraydes (1743)

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Jüngst setzt' ich mich, mit frohem Sinn,
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In Schatten einer Linde hin,
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Um dem so Segen-reichen Mähen,
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Mit Lust und Andacht, zuzusehen.
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Mir waren fast die Thränen nah
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Ob allem, was ich hört’ und sah.
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Ich hört’ ein lieblich-rauschend Zischen,
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Wenn durch das Korn die Sense drang,
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Sich mit dem hell- und scharfen Klang
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Der oft geschärften Sichel mischen.
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Ich sah’ ein hell und funkelnd Blinken
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(wenn sich die Sicheln bald erhöhn,
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Bald in der Luft sich schwingend drehn,
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Bald schleunig wieder niedersinken)
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Wie Blitz entstehen und vergehn.
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Ich sah’, wie sie mit strengen Hieben
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Die Schnitter durch die Halmen trieben.
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Ich sah’, wie sie den Haken führen,
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Wie sie damit den Hieb regieren,
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Wenn sie die Halmen biegend ziehn.
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Ich sahe ferner noch vor allen,
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Mit Lust, das Korn in Schwaden fallen,
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Und wie die Schnitter sich bemühn,
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Daß es durch Haken, Sichel, Fuß
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Zu einer Garbe werden muß,
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Indem sie es, im Ziehen, pflegen
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Sanft auf das linke Bein zu legen,

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Sie denn darauf gemach erhöhn,
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Das, was sie ungefehr in sieben
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Erst hin, denn her gescheh’nen Hieben
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Gemäht, im Schwung ein wenig drehn.
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Durch diese Handlung legen sie
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Die ganze Garben sonder Müh,
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Die denn die rege Binderinn
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Umarmet, ein paar Halme nimmt,
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Und schnell sie um die Garben krümmt,
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Die stellt sie denn in Hocken hin.
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Worauf derselben nette Höhen
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So zierlich, recht wie Zelte, stehen,
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Und, in den Schnur-geraden Gassen,
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Als wie ein Friedens-Lager lassen.
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Bald kommen sie als Scenen mir
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Und wie ein groß Theater für,
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Worauf der holde Fried’ agirte,
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Und, nebst dem reichen Ueberfluß,
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In sanften Worten recitirte:

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Vertreibet Kummer und Verdruß!
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Seht, wie euch hier, zu eurem Leben,
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Der Schöpfer Korn und uns gegeben!
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Wollt ihr an den gewünschten Schätzen
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Jm frohen Dank euch nicht ergetzen?
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Auf! laßt ein fröhlich Lied erklingen,
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Und fangt in Chören an zu singen:

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Herr des Sonnen-Scheins und Regens,
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Ew’ge Brunnquell alles Segens,

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Vater aller Fruchtbarkeit,
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Wir erkennen deine Güte,
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Mit erkenntlichem Gemühte,
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Jtzt zur frohen Erndte-Zeit.

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Dieses, deucht mich, sungen sie
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In gedämpfter Harmonie.
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Um denn auch nicht stumm zu seyn,
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Stimmet’ ich mit ihnen ein:

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Herr des Sonnen-Scheins rc.

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Ich fügte diesem Dank den heissen Wunsch noch bey:

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Ach gieb, o HErr, zum völligen Genuß,
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Daß uns, bis zu der Erndte Schluß,
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Die Witt’rung ferner günstig sey!
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Bewahr uns vor zu vielem Regen!
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Ach gieb, HErr, daß wir diesen Segen
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In unsre Scheuren trocken legen,
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Und Dir von Herzen danken mögen!

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Indem ich nun bald hin und her,
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Voll Lust und Dank, spatzieren gehe,
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Und bey den Schnittern ungefehr
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An einem Orte stille stehe,
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Und ihr geschäftig Werk besehe,
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Seh’ ich bey ihnen, mit Vergnügen,
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Den bäuerischen Hausraht liegen.

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Die kleine Feld-Stühl’, ihr Gewand,
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Die
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Das ich daselbst zusammen fand,
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Lag durch einander hin und her.
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Es schien auf solche Art geleget,
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Als wie man es zu mahlen pfleget.

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Ich ließ hierauf mir all ihr Werkzeug weisen,
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Und sah’ zuerst die Form der Sichel an,
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Die man, wie grob sie scheint, nicht gnug bewundern kann.
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Jhr recht halb Cirkel-rundes Eisen
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(wodurch es füglich eine Menge
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Von Halmen gleichsam in die Enge
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Jm Hauen treibt, und sie sich leichter trennen)
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Ist künstlich an den Schafft gefügt,
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Den sie gemeiniglich den
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Und welcher sich ein wenig biegt,
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Worinn der Daum recht fest in einer Tiefe liegt,
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Wodurch sie sie bequemlich halten können,
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An welchem Schafft ein viereckt Holz, das platt,
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Und welches man die
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Ganz unten eine Stelle hat,
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Nicht nur zu einem Gleich-Gewicht,
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Nein auch dazu, damit es nicht,
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Der Hand so wenig, als dem Bein,
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Jm Hauen dürft’ im Wege seyn.
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Und kurz: Dieß Werkzeug leicht zu zwingen,
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Und jeden Hieb bequemlich zu vollbringen,
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Ist es, ob man es gleich nicht achtet,
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Und es, für Hoheit, kaum betrachtet,
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So künstlich eingericht’t, so wohl formiert,
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Daß dem Erfinder nicht allein

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Dafür besondrer Ruhm gebühret,
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Nein, daß es uns mit Recht zu Dessen Preise führet,
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Der des Erfinders Geist mit Kräften ausgeziert,
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Zu Dem, woraus entstanden seyn,
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Zu solchem nützlichen Geschäfte,
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Sowohl des Geists, als auch der Cörper Kräfte,
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Der Holz und Eisen schuff, ohn welche man
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Nicht pflügen und nicht erndten kann,
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Und Welchen wir daher, daß Er uns Holz und Eisen,
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So uns so nöhtig, schenkt, mit höchstem Rechte preisen.
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Ich ließ mir auch nachher den Haken weisen,
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Das Werkzeug ihrer linken Hand,
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So denn nicht weniger Verstand
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Uns zeigt, und ebenfalls vernünftig zugerichtet,
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Da man damit nicht nur die Aehren biegt und schlichtet,
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Wozu es vorn gekrümmt;
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Nein, da ich noch darauf von Pech und Sand,
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Wie einen Wetzstein, in der Mitten,
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Die Sichel drauf zu wetzen, fand,
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Wenn sie sich etwan stumpf geschnitten:
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Noch mehr, wie schon erwehnt, sie pflegen,
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Mit diesem Instrument, die Schwaden recht zu legen.

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Nachdem ich alles dieß nun Stückweis’ angesehn,
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Und überall, wie Nutz, wie Absicht und Verstand
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Auch in der Bauren Werk so weislich sich verband,
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So deutlich spührete; muß ich aufs neu gestehn,
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Daß ich, je mehr ich es erwege,
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Je mehr ich Kunst und Kraft und Fleiß der Bauren über-
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lege,
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Je mehr ich all ihr Thun ergründe,
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Auch hier, wie überall, die Spuhr der Gottheit finde,

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Der alle Umständ’ auf der Erden,
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Zu unserm Nutz und Seinem Preis,
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Zu schaffen und zu ordnen weiß,
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Daß wir durch sie ernähret werden.
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Daß die Materie vorhanden
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Von so verschiedner Eigenschaft,
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Wie auch der Geist von so verschiedner Kraft,
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Ist alles ja durch GOtt allein entstanden.

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Ich danke Dir demnach, o Gottheit, die die Welt
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So wunderbar erschuff, so wunderbar erhält,
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So wunderbar regiert, daß ich, bey so viel Gaben,
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Die wir, durch Deine Gnad’ allein, empfangen haben,
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Die Gnad’ annoch vor andern auch erhalten,
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Daß ich Dich überall entdecke;
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Daß ich, wie alle Ding’ durch Dich ihr Amt verwalten;
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Daß ich Dein Freundlichseyn und Deine weise Macht
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In allem, welches bloß durch Dich hervorgebracht,
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Mit ehrerbietigem Erstaunen, seh’ und schmecke,
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Ach, laß mich ferner meine Zeit
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In Dir gefälligen Betrachtungen verbringen!
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Ach, laß mich Deine Herrlichkeit,
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Die überall vorhanden ist, besingen!
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Ach, laß Dir meine Lust, mein ehrerbietigs Lallen,
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Da ich Dir anders nichts zum Opfer weiß zu bringen,
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Ja mein Erstaunen, Dir gefallen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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