An Agathe

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Gottfried August Bürger: An Agathe (1772)

1
Mit dem naßgeweinten Schleier
2
Lösch' ich meine Thränen aus;
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Und mein Auge schauet freier
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Über Zeit und Grab hinaus.

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Geist erhabner Prophezeiung,
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Gottes Geist erleuchtet mich!
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Lebensodem zur Erneuung
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Weht gewiß auch über mich.

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Jedes Drangsal dieses Lebens,
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So dein weiches Herz gedrückt,
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Zeuget, daß du nicht vergebens
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Oft nach Trost hinaus geblickt.

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Nein! Nicht schwelgendem Gewürme
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Ewig überlaßner Raub,
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Noch ein Spiel der Erdenstürme
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Bleibet guter Herzen Staub.

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Nein! In diese Wüsteneien
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Sind wir ewig nicht gebannt.
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Keine Zähre darf uns reuen;
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Denn sie fiel in Gottes Hand.

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Was auf diese dürren Auen
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Von der Unschuld Thränen fällt,
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Wird gesammelt, zu betauen
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Die Gefilde jener Welt;

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Die Gefilde, wo vom Schnitter
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Nie der Schweiß der Mühe rann,
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Deren Äther kein Gewitter
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Und kein Nebel trüben kann.

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Seufzer, deines Grames Zeugen,
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Werden auf gen Himmel gehn,
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Werden einst von Palmenzweigen
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Kühlung dir herunter wehn.

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Von dem Schweiße deiner Mühen,
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Der hier Undankbaren quillt,
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Werden dort einst Blumen blühen,
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Wie sie hier kein Lenz enthüllt.

37
Wann Verfolgung ihren Köcher
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Endlich auf dich ausgeleert;
39
Wann dein Gold sich, vor dem Schwächer
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Seines Glanzes, rein bewährt;

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Und, zur Erntezeit der Saaten,
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Da das Korn geworfelt wird,
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Ausgestreuter Edelthaten
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Reine Frucht im Siebe schwirrt. –

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Heil der schönsten schöner Stunden,
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Die sich um dein Leben drehn,
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Welche dich, vom Zwang' entbunden,
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Zu der Freiheit wird erhöhn! –

49
Zeuch mich dir, geliebte Fromme,
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An der Liebe Banden nach!
51
Daß auch ich zu Engeln komme,
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Zeuch, du Engel, dir mich nach!

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Mich begleite jede Wahrheit,
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Die du schmeichelnd mir vermählt,
55
Zu dem Urquell aller Klarheit,
56
Wo kein Reiz sich mehr verhehlt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried August Bürger
(17471794)

* 31.12.1747 in Molmerswende, † 08.06.1794 in Göttingen

männlich, geb. Bürger

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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