Noch ein Anhang zur Wiese. Nach Anleitung des Spectacle de la Nature

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Barthold Heinrich Brockes: Noch ein Anhang zur Wiese. Nach Anleitung des Spectacle de la Nature (1743)

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Allein der allergrößte Nutzen, den wir noch von den
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Wiesen ziehn,
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Ist, daß dieselben ohne Kosten, und, sonder daß wir uns
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bemühn,
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Die Thiere, derer wir im Leben fast nicht vermögen zu
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entbehren,
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Durch ihr von selbst sich zeugend Futter im vollen Ueber-
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fluß ernähren.

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Der Ochse, dessen Fleisch uns speiset, sowohl als jener,
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der uns pflügen
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Und unsern Acker bauen hilft, läßt sich an Gras und Kraut
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genügen.
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Das Pferd, das auf verschiedne Weise, so daß man sie
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kaum zählt, uns dient,
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Verlanget zur Belohnung nichts, als was auf unsern
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Wiesen grünt.
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Es wirft sich gleichsam in dieselben mit munterm Anstand
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selbst hinein,
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Nach seiner Arbeit, und verlangt sonst nicht von uns
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verpflegt zu seyn.
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Die Kuh, von welcher wir zum Leben so manchen Bey-
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trag all' empfangen,
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Wird anders nichts dafür von uns, als unsrer Wiesen
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Frucht, verlangen.

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Die Wollen-reiche Zucht der Schafe, die uns so speisen
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als auch kleiden,
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Sind für die Gaben wohl zufrieden mit dem Genuß von
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unsern Weiden.

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Wer ist, der dieses Wunder faßt, wie nemlich Gras die
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Thiere nähre,
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Wie sich sein bitt’rer strenger Saft in Fleisch und süsse
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Milch verkehre,
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Und wie es einem muntern Pferde so viele Stärk’ und
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Kraft gewähre?
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Versuch es jemand und zerquetsche das Gras, filtrire,
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preß', zerdrücke,
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Ja koch’ und distillir’ es gar, ob sichs nur einst zur Suppe
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schicke,
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Die eßbar ist, da in den Eitern der Küh’ es lieblich zuge-
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schickt
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Und wunderbar bereitet wird, daß es uns nähret und
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erquickt.

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Mit diesem Wunder geht es nun so, wie es mit den
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meisten Werken
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Des liebreich-weisen Schöpfers geht,
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Daß wir darauf so wenig merken,
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Weil es, ohn unsre Sorge, Müh und Fleiß, ganz von
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sich selbst entsteht,
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Recht unter unsern Füssen wächst, da doch daran so viel
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gelegen,
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Da es ein unvermißlichs Gut und ein so wunderbarer
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Segen,

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Daß, wenn uns etwan strenge Dürre das Gras von un-
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sern Wiesen frißt,
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Der Acker-Bau sogleich zerstört und alles in Verwir-
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rung ist.
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Da die nohtwend’gen Pferde fehlen, die Thiere, die uns
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Nahrung gönnen,
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Und so viel Gutes thun, sind weg, weil sie sich nicht mehr
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nähren können.
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Ein dürrer Wind versengt das Gras, worauf wir mit
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den Füssen gehn,
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Und gleich wird man die ganze Menschheit verwirrt und
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unglückselig sehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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