Das schöne Blau

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Barthold Heinrich Brockes: Das schöne Blau (1743)

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Indem ich mein gerührt Gesicht,
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Mit einem ernsten Blick und mit Bedacht,
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Auf die, an Farb’ und Glanz, dem Himmel gleiche Pracht
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Der lieblichen
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Bewundernd richte, sie betrachte,
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Und von der Farbe dieses dachte:
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Unmöglich kann ein blauer Schein
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So angenehm, so lieblich seyn,
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Und unser Auge mehr vergnügen;
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Sah ich ein noch viel schöners fliegen.
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Es flog, als recht von ungefehr,
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Ein Grase-Pferdchen hin und her;
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Ja, recht als wenn es haben wollte,
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Daß ich es auch bewundern sollte;
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Hemmt es sein flüchtiges Gefieder,
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Und setzte sich selbst auf das Blühmchen nieder,
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Das ich, an seinem Schmuck, worinn es spielte,
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Für völlig unvergleichlich hielte.
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Es schien, ob wollt’ es dadurch zeigen,
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Daß, in der bildenden Natur,
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Sowohl an Farben als Figur,
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Die Kräfte noch viel höher steigen,
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Als wir, ob selbe noch so schön
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Uns in die Augen fallen, sehn.
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Er legte sein noch stärker Himmel-Blau
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Voll Glanz, als wie mit Fleiß, indem es sich nicht regte,
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Recht, als im Gegenhalt, zur Schau.
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Es ward, durch seinen Glanz bewogen,
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Mein Blick auf dieses Thier allein gezogen.
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Ich stutzte recht, als ich den Glanz erwegte,
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Den schönen Schmelz, die Klarheit überlegte,
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Die auf demselben mehr zu glühn,
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Als seine Haut zu färben, schien.
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Mein GOtt! fing ich, voll Freuden, an,
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Gerührt durch dieß sapphirne Glänzen,
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Wer ist, der Deiner Wunder Grenzen,
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Jm Kleinsten nur, ergründen kann?
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Mir stellt nicht nur an diesem Thier
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Des Cörpers Zierlichkeit und Bau;
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Mir stellt sein wunderschönes Blau
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Ein tiefes Meer von Schönheit für,
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Ein unerschöpflichs Meer von Schätzen,
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Die Creaturen zu ergetzen,
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Das dies’ und alle Welten füllet,
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Und welches aus der Gottheit quillet.
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Es führet mich sein schönes Kleid
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Auf eine neu- und klare Spur
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Zu einer Unermäßlichkeit,
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Auch selbst im Reiche der Natur,
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Die mir in der Geschöpfe Pracht,
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Mit hellen Farben, deutlich zeiget,
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Wie weit des Schöpfers Lieb’ und Macht,
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Und Weisheit, auf der Welt, auch nur
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In Dingen, welche sinnlich, steiget.
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Und dieses treibt mich mehr und mehr,
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Daß ich, mit recht gerührter Brust,
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Und einer Ehrfurcht-vollen Lust,
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Den Schöpfer, in Geschöpfen, ehr’.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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