Einsam stieg ich empor auf des Harzwalds steilerem Bergpfad

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Ernst Schulze: Einsam stieg ich empor auf des Harzwalds steilerem Bergpfad Titel entspricht 1. Vers(1803)

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Einsam stieg ich empor auf des Harzwalds steilerem Bergpfad,
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Nahete dir mich schon, ewiger, alter Granit,
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Wo hochlodernd einst durch die Nacht vom felsigen Altar
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Hell in's ferne Gefild flammte das Opfer des Mays.
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Träumend schritt ich dahin, und es dämmerte leise der Vorzeit
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Riesengebild mit des Wahns Wundergestalten umher.
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Schaurig scholl, wie die Sagen entschwundener Zeit, das Gesäusel
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Flüsternder Tannen, und fern rauschte der Bach des Gesteins.
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Geyer umflatterten Felsen und Wald lautkrächzend, und graunvoll
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Schwieg, um Thäler und Höhn starrend, das Haidegefild.
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Sieh, da nahetest du mit munterem Schritt aus des Waldes
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Heiliger Nacht, und ich stand staunend und schaute dich an.
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Hell umfloß dich das weiße Gewand, frisch grünte des Epheus
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Kranz um die Stirn, und es hielt Nelken die zierliche Hand.
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Ach, wohl wähnt' ich ein Wunder zu sehn aus des früheren Glaubens
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Zaubergebiet; denn nicht schienst du ein sterbliches Bild.
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Leuchtete nicht im Blick dir der Hoheit Ernst, und erschien nicht
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Geistig, um Wangen und Mund blühend, die Rose der Scham?
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Lieh dein Nahn nicht Licht und Gesang der verödeten Waldflur?
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Blüheten nicht ringsum Blumen aus Haid' und Geklipp?
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Und doch ließest du hold mich nahn, und der zagenden Rede
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Standest du gern und gabst freundlich dem Worte das Wort.
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Denn noch hüllte der Unschuld Flor dir die täuschende Welt ein,
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Und nur Engel zu sehn wähnte der Engel in dir.
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Traulich entwandelten wir, und bald nun nahte dem Jagdschloß,
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Das im finsteren Hain glänzte, das kosende Paar.
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Kundig zeigtest du jetzt mir die einfach edlen Gemächer,
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Spartest Schöneres noch stets nach dem Schönen mir auf;
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Ach, längst hatt' ich das Schönste gesehn; dein Auge nur sucht' ich,
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Wenn du mir Farb' und Glanz rühmtest und heiteren Reiz.
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Doch nicht zittertest du vor dem kühneren Blick; jungfräulich
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Standest du da; nie naht Züchtigen niedrer Verdacht.
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Huldigend beugte mein Herz sich dir; ich zagte der Hoheit
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Leuchtendem Strahl, und schnell rief ich das staunende Wort:
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Königin solltest du seyn: nicht still in des hohen Gebirges
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Oede verblühn, nicht fern prangen vom Preise der Welt!
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Lächelnd sahst du mich an und sprachst, aufhebend der Nelken
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Duftigen Strauß und sanft lüftend den zierlichen Kranz:
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Bin ich Königin nicht im Hain? Leicht schwinget den blüh'nden
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Scepter die Hand, und es schmückt grünend die Krone mein Haupt.
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O so theile mit mir dein Reich, Holdselige, rief ich,
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Und ich biete dir ganz, was mir die Muse verlieh!
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Zweifelnd wiegtest du leise das Haupt mit sinnigem Lächeln,
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Und um Blumen und Kranz tändelte zögernd die Hand;
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Nimm von der Freundschaft denn, so sprachst du, die Hälfte der Blumen:
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Aber des Dichters Stirn schmücke der völlige Kranz.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Schulze
(17891817)

* 22.03.1789 in Celle, † 29.06.1817 in Celle

männlich, geb. Schulze

deutscher Dichter der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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