Tauche hervor aus dem dichten Gewölk, bleichschimmerndes Mondlicht

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Ernst Schulze: Tauche hervor aus dem dichten Gewölk, bleichschimmerndes Mondlicht Titel entspricht 1. Vers(1803)

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Tauche hervor aus dem dichten Gewölk, bleichschimmerndes Mondlicht,
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Leite des Liebenden Schritt durch die chaotische Nacht,
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Und ihr Blumen der himmlischen Flur, hülfreiche Gestirne,
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Sendet den traulichen Strahl auf den unendlichen Weg.
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Ueber die Weiten enteilt mit geflügeltem Fuße die Hoffnung:
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Aber Verlangen erneut stets den gewandelten Pfad.
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Still durch's dichte Gebüsch hin dräng' ich mich, suche des Harzwalds
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Oedesten Steig, und scheu beb' ich vor jeglichem West.
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Lieb' ist ein Blümchen der Flur, süßduftend im heiteren Mayglanz:
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Aber dem lindesten Hauch weicht es und fürchtet Verrath.
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Käm' auch ein Freund entgegen mir itzt, er würde zum Feind mir;
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Hebt sich die Sonne, so flieht jeglicher andere Schein.
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Süß ist traulicher Freunde Gespräch und süß die Umarmung,
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Aber vergütet sie mir, was mir im Zögern entfloh?
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Kennt sie den Zauber der hoffenden Brust, wenn stets die Erwartung
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An dem entblüheten Glück keimende Knospen noch beut?
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Ruhiges Glück ist wahrlich ein Glück, doch Schmerz und Entsagung,
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Hoffnung, Sehnen und Lust flechten den bunteren Kranz.
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Ach, wohl harret sie meiner vielleicht; vom umdufteten Altan
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Schaut sie spähend hinaus in die entfaltete Nacht;
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Sehnsucht ziehet den magischen Kreis um die Reizende, pfeilschnell
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Flattern die Bilder herbei, welche die Zauberin ruft.
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Sieh, das erzitternde Blatt und der leicht hinschlüpfende Vogel,
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Was nur säuselt und rauscht bringet ihr Kunde von mir.
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Jetzt im hüpfenden Strahl und im Schattengebild des Gesträuchs jetzt,
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Jetzt im alternden Stamm hofft und erkennt sie mich,
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Und sie enteilt mit klopfender Brust, ein lispelnder Gruß schon
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Schwellt ihr die Lippe, doch rasch schwindet der eitele Traum.
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Zürnend entsagt sie dem täuschenden Wahn und schwört, dem Betrug nicht
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Ferner zu trauen, und doch täuscht sie der andre Moment.
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Oder es wand um die Harrende wohl nach langer Erwartung
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Leise der schüchterne Schlaf seinen ambrosischen Arm;
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Liebend rang er mit ihr, und mit säuselnden Fittigen buhlt' er
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Süß um die Wimpern, und goß lauliche Düfte herab,
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Schlang um den Busen der Reizenden sich, und flüsterte zart wie
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Wellengeriesel und West luftige Lieder ihr zu;
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Und sie erlag, wie die Blume den Schooß in der schweigenden Nacht schließt;
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In sein Feengefild führt er die liebliche Braut.
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Sieh, er versammelt den gaukelnden Kreis fantastischer Träume;
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Um die Gebieterin her reihen die Fröhlichen sich;
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Diese bekränzen mit Rosen die Brust, und wiegen sich freundlich
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Im labyrinthischen Kelch, leise, wie Grillen der Flur;
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Jen' umflattern das Haupt und die Wang' auf den Schwingen des Westhauchs,
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Und im seidnen Gewand hascht sich ein lüsterner Schwarm.
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Jetzt, verschlungen zum magischen Reihn in friedlicher Zwietracht,
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Trennen und ordnen sie sich, wie es die Laune gebeut;
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Durch die erglänzende Luft webt jeglicher Tanz ein Gemäld' hin,
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Rasch wie Gedanken und Licht wechselt ein jeglicher Tanz.
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Ländliche Fluren des friedlichen Glücks und flötende Hirten,
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Heerden mit Glockengeläut, Grotten in traulicher Nacht,
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Lieb' um Lieb' und Küsse der Lust und Küsse der Sehnsucht,
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Gaukelnder Scherz und der zart dämmernde Thau des Gefühls,
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Alles erweckt vor dem schmachtenden Blick rings süße Verwirrung,
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Heimliche Sehnsucht gießt Alles in's ahnende Herz.
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Träum', ihr war't stets Liebenden hold, und süßes Vergessen
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Gebt ihr Klagenden gern, oder verbotenes Glück,
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Malt mein Bild ihr, malet den Flug unstäten Verlangens,
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Bringet ihr Kund' und, ach, bringet ihr Küsse von mir,
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Daß sich im seligen Taumel die Brust hoch hebe, die Sehnsucht
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Auszuathmen, der Mund wölbe zum glühenden Kuß,
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Und wenn dann nicht eitele Luft nur die schwellenden Lippen
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Anhaucht, wecket sie auf, froh des erfülleten Traums.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Schulze
(17891817)

* 22.03.1789 in Celle, † 29.06.1817 in Celle

männlich, geb. Schulze

deutscher Dichter der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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