Liebchen, ich traue dir nicht, und wenn reizender noch dir die Aeuglein

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Ernst Schulze: Liebchen, ich traue dir nicht, und wenn reizender noch dir die Aeuglein Titel entspricht 1. Vers(1803)

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Liebchen, ich traue dir nicht, und wenn reizender noch dir die Aeuglein
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Blickten, die nur dein Geist lenket und nimmer dein Herz;
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Lächeltest du viel freundlicher auch, zwar ist es unmöglich,
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Und dein schmeichelndes Wort wär' es auch doppelt so süß.
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Oft schon riefst du zurück den Entfliehenden; reuig gehorcht' er,
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Und schnell, wenn du gebotst, linderte Zorn sich und Schmerz.
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Dein nur war der Triumph und mein schuldlose Bestrafung,
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Und ich büßte, wo du flüchtiges Wesen gefehlt.
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Doch bald panzerte wieder mit tödtlichem Frost sich die Brust dir;
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Schmeichler schaltest du den, der dir geöffnet das Herz,
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Zürntest dem kühneren Freund und verlachtest stolz den Verzagten:
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Nur wer muthig entfloh, zwang dich mit eigener List.
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So viel hüpfende Funken entsprühn dem lodernden Heerd nicht,
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So viel Wellen umhegt nicht das unendliche Meer,
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Als feindselige Launen sich dir im Busen bekämpfen;
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Sklavin bist du dir selbst; Liebchen, erröthest du nicht?
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Nur wer fest die begonnene Bahn fortwandelt, beherrscht sich,
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Treue, wie Ketten von Gold fesselt und schmückt sie zugleich.
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Wie? du lächelst mich an und spottest keck der Vermahnung?
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Siehe dich vor, fast schon wünsch' ich dein Schüler zu seyn.
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Winke mir nur, ich folge dir gern, und, bist du auch treulos,
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Ist uns die Wahrheit fern, immer doch reizet der Schein.
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Schmeichle mir nur und küsse mich oft; nie soll es mir weh thun,
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Daß nicht Liebe, daß nur Laune mich glücklicher macht.
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Rasch den Genuß des entfliehenden Jetzt fortraffen ist Weisheit,
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Und die Erinnrung bleibt immer ein dauerndes Gut.
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Doch wenn ich still hinsink' in den Rausch gluthvoller Umarmung,
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Wenn hochklopfend das Herz jegliche Fessel zersprengt,
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Wenn dein ewiger Kuß auf dem Flug der gewaltigen Sehnsucht
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Hoch den erbebenden Geist hebt in den Himmel der Lust,
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Kann ich auch dann im bethörenden Wahn, o kann ich auch dann noch
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Rufen das frostige Wort: Liebchen, ich traue dir nicht!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Schulze
(17891817)

* 22.03.1789 in Celle, † 29.06.1817 in Celle

männlich, geb. Schulze

deutscher Dichter der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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