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Scheiden müssen wir schon! Komm, gieb mir der düsteren Trennung
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Bitteren Kuß, und gieb Tausend der Küsse mir noch.
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Einmal flüstre mir noch ein Wort voll Liebe, noch einmal
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Schlinge den glühenden Arm um den Verzagenden hin.
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Scheiden müssen wir schon, und ach, wie kettet mich stets doch
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Alles an dich, wie zieht jeglicher schüchterne Reiz,
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Was die Natur der Gestalt, was die Grazie deinem Gemüth gab,
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Was dem Geiste die Kunst weihte, mich wieder dahin!
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Jegliche Stunde des Glücks und der Hoffnung, jede der Sehnsucht,
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Jede des liebenden Grams nahet verklärter dem Geist.
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Fester umschlingt mit dem Zaubergeflecht mich stets die Erinnrung,
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Und dem weicheren Sinn zürnet der kalte Verstand.
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Ha, wild kämpft in dem Busen mir jetzt der gedoppelten Seelen
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Streit, und die schwächere siegt über die stärkere stets.
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Einmal kostet' ich nur von deinen Küssen, nur einmal
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Sank ich an deiner Brust üppige Wellen dahin;
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Ach, da wand der Bezauberung Macht mir ewige Fesseln,
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Und unendlichen Durst weckte das schmeichelnde Gift.
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Hätt' ich dich nimmer gesehn! dann tobte kein Sturm in der Brust mir,
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Und kein eiteler Wunsch zürnte dem harten Geschick.
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Friedlich schaut' ich zurück in die blühenden Thäler, und friedlich
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Blickt ich in's dämmernde Blau winkender Ferne dahin.
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Ach, du nahmst mir den heiteren Geist, des flüchtigen Wechsels
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Rasche Begierde, der Ruh sinnende Träume hinweg,
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Gabst für den rosigen Tag mir feindliches Dunkel und raubtest
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Selber der Hoffnung Strahl aus der chaotischen Nacht.
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Aber entfleuch, wahnsinniger Wunsch, unheiliger Frevel,
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Der des empfangenen Glücks selige Stunden vergißt!
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Vielfach blühet die Blume der Lust; süß ist der Erinnrung
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Gaukelndes Bild und süß zarteren Herzen der Gram.
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Selbst in des Leids herbsprudelnden Kelch, in die Stunde der Trennung
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Mischte der Wehmuth Hauch schmerzlicher Wonne Genuß.
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Sprich, o welch ein Gefühl durchströmt uns, wenn wir verzagend,
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Fest umschlungen und heiß Lippen an Lippen gepreßt,
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Tief in die Brust einsaugen des Wehs unendliche Fülle,
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Thräne mit Thrän' und Hauch seufzend vermischen mit Hauch?
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Still dann schwimmt durch den schweigenden Gram wehmüthige Wohllust,
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Und ein goldener Strahl dämmert ins finstere Herz;
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Sturm verwandelt in Ruhe sich dann, und starrender Trübsinn
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Löst im reichlichen Strom lindernder Thränen sich auf.
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Süß ist jeglicher Schmerz, wo die Brust kein tobender Aufruhr
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Füllt, der zart des Gefühls klagende Saiten berührt,
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Süß wie der Abenddämmerung Nahn, wenn friedlicher Westhauch
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Leise des stilleren Hains säuselnde Blätter umbuhlt.
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So, so fühl' ich mich jetzt! Um den Kranz graunvoller Cypressen
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Spielt, o reizender Trug! spielet ein rosiger Glanz.
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Ist es der hoffende Wahn der erdumfangenen Psyche,
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Daß kein ewiger Schmerz liebende Seelen entfernt,
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Oder umwebt dein glühender Kuß, der Rausch der Umarmung
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Mit helldämmerndem Gold mild die Gewölke des Grams?
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Weine nicht so! O schaue zurück in die selige Zeit hin,
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Wo nur Thränen der Lust unsere Augen gekannt;
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Denk' an die heimlichen Stunden des Glücks, an des schaurigen Harzwalds
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Dämmernde Thäler, so oft Zeugen des süßen Gesprächs,
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Denk' an den lüsternen Rausch des Erstlingskusses, und fernhin
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Fliehe der jetzige Gram vor der entschwundenen Lust.