Feindlich schaust du und finster hinweg, muthwilliges Liebchen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ernst Schulze: Feindlich schaust du und finster hinweg, muthwilliges Liebchen Titel entspricht 1. Vers(1803)

1
Feindlich schaust du und finster hinweg, muthwilliges Liebchen,
2
Plötzlicher Unmuth thront auf der gerunzelten Stirn,
3
Jeglichen heiteren Gott verscheucht aus dem Auge des Zorns Blitz,
4
Und unfreundliches Roth färbet die Wange dir jetzt.
5
Was ich auch rede, du hörest es nicht, und red' ich auch Schönes,
6
Kein süßlohnender Blick lehret mich daß ich gefiel.
7
Ha, so hab' ich dich nimmer gesehn! doch zürne nur; Neuheit
8
Nährt die Liebe, zu lang dauert ein ewiger Lenz.
9
Tauscht doch oft mit den Waffen des Mars Cytherea den Gürtel,
10
Und in Panzer und Helm schleppt sich ihr Knabe daher.
11
Reizend kleidet der Trotz die Reizende; bist du auch stets mir
12
Nicht zu gefallen bemüht, immer gefällst du mir mehr.
13
Grazie, wind' um die düstere Stirn die Trauercypresse,
14
Flicht mit tändelnder Hand duftende Rosen in's Haar;
15
Lächle mich an mit dem schmachtenden Blick hingebender Sehnsucht,
16
Scheuche den Kühneren rasch fort mit der Flamme des Zorns:
17
Stets doch knie' ich vor deinem Altar, und jede Verwandlung
18
Scheint mir die holdere, stets sah ich dich nimmer so schön.
19
Küssen möcht' ich den reizenden Mund, der die Küsse mir abschlägt,
20
Möcht' an der wogenden Brust ruhen, die zürnend sich hebt,
21
Hangen an deinem Blick der sich abkehrt, feindlicher Gluth voll,
22
Und festhalten die Hand, welche der Fessel sich sträubt.
23
Also schmückte Klorinde sich einst zur tobenden Feldschlacht,
24
Kühn nach der Palme des Siegs strebte das muthige Weib:
25
Doch kaum fühlte sie Tankreds Blick, so kränzte sie, selbst sich
26
Zürnend, mit Myrtengeflecht, meidend die Fehde, den Helm.
27
Lockender ist die verbotene Frucht, und Tyndaris hätte,
28
War sie dem Troer bestimmt, nimmer den Troer geliebt.
29
Zürne nur fort, nie warst du mir reizender; wahrlich ich selbst will
30
Zürnen, damit noch fern jede Vereinigung sey.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ernst Schulze
(17891817)

* 22.03.1789 in Celle, † 29.06.1817 in Celle

männlich, geb. Schulze

deutscher Dichter der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.