Bringst du vielleicht, was jetzt du mir sangst in traulicher Stille

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Ernst Schulze: Bringst du vielleicht, was jetzt du mir sangst in traulicher Stille Titel entspricht 1. Vers(1803)

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Bringst du vielleicht, was jetzt du mir sangst in traulicher Stille,
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Einst in die Hände des Volks, zu der Gebildeten Ohr,
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O dann tilge den Namen hinweg der Geliebten und jedes
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Deutende Wort, denn hart richtet der kalte Verstand.
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Also sprachst du zu mir, und ich zürnt' und sagte: du liebst mich,
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Und doch scheust du den Spott, welcher nur Schuldige kränkt,
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Gönnst die Freude mir nicht der Grazie Dichter zu heißen,
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Nicht das verstohlene Glück, rings mich beneidet zu sehn?
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Feindlich wandt' ich mich ab und schwieg. Du senktest das Köpfchen,
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Doch bald hobst du den Blick schüchtern von neuem empor,
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Regtest den rosigen Mund und wolltest reden, doch plötzlich
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Floß dir ein höheres Roth über die Wange; du schwiegst.
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Rasch nun ging ich hinweg, und zürnen wollt' ich, doch immer
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Traf mich der eigene Pfeil, immer nur zürnt' ich mir selbst.
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Sieh, da erhellte den düsteren Geist ein plötzlicher Lichtglanz,
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Und ich erkannte des Worts süßen, verborgenen Sinn.
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Ha, du reizendes Weib, wie fühlst du den Zauber der Liebe
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Und ihr inneres Glück tiefer und zarter als ich!
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Nur in der Dämmerung weht der Viol' erquickender Aushauch,
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Und im dunkelsten Hain finget die Nachtigall nur.
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So auch meidet die Liebe das Licht; im mondlichen Glanz nur
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Und im Gesausel des Hains blüht sie verstohlen empor.
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Wohnt doch Idalia selbst in verschwiegenem Schatten, und deckt doch
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Amorn, wenn er entschlief, immer ein Rosengebüsch.
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Richtig erscheint mir ein Kuß und geschmacklos, wenn du im Kreise
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Spähender Augen mir ihn giebst, im Getändel des Spiels:
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Doch wenn ein heimlicher Druck ihn versüßt, wenn höher die Lippen,
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Eng an die meinen gepreßt, schwellen, dann bin ich ein Gott.
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O verzeih mir den thörichten Wahn, o strafe mich! schuldig
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Steh' ich vor dir, doch sey streng und gelinde zugleich;
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Banne mich fort aus deinem Gesicht zwölf traurige Monden,
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Groß zwar wäre der Schmerz, aber ich duldet' ihn doch:
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Nur laß deinen Namen mich nie, für solch ein Vergehen
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Wäre die Strafe zu hart, nennen der spähenden Welt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Schulze
(17891817)

* 22.03.1789 in Celle, † 29.06.1817 in Celle

männlich, geb. Schulze

deutscher Dichter der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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