Amor, himmelgebohrener, komm, nicht jener, der sinnlos

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Ernst Schulze: Amor, himmelgebohrener, komm, nicht jener, der sinnlos Titel entspricht 1. Vers(1803)

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Amor, himmelgebohrener, komm, nicht jener, der sinnlos
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In's wildwogende Meer frevelnder Lüste sich senkt,
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Nicht du verderblicher Gott, der tief in die Herzen den Pfeil uns
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Schleudert und hoffnungslos ewige Gluthen erweckt:
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Nein, du reizendes Kind, du flüchtiges, welches die Götter
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Mit ätherischem Band lieblich und lose verknüpft,
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Komm, du romantischer Knabe, der Abenteuer Beschützer,
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Zarten Geflüsters Freund, Freund der verschwiegenen Lust,
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Der du keusch und üppig zugleich und flüchtig und treu bist,
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Feind der Fesseln und doch immer in Fesseln geschmiegt,
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Du, der Schmerz und Freude gewährt, doch nimmer in Trübsinn
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Unsere Schmerzen und nie wandelt in Ekel die Lust.
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Komm vom Himmel herab, und bring mir die reizenden Mädchen,
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Welche dich immer umblühn, bring mir die Grazien mit.
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Sieh, schon nahte die Stunde, worin dein Schwesterchen ehmals
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Unserem Lichte zuerst heiter entgegengelacht.
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Damals war dir der Tag ein Fest; siegkündende Lieder
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Wehten den frühesten Schlaf auf die Gebohrene hin.
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Schalkheit hauchte dein Kuß ihr in's Herz, fantastischen Leichtsinn,
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Tändelnden Witz und der stets wechselnden Laune Begier.
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Doch was du muthwillig ihr gabst, das schmückte die Charis,
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Und um's Dornengebüsch webte sie Rosen umher.
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Feyre den Tag auch jetzt; denn sie ward nun größer und holder;
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In der Gestalt und im Geist gleicht sie, du Schelmischer, dir.
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Schweb' um's seidene Bett mit der lieblichen Schaar; noch ruht sie,
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Sanft um den rosigen Mund weht das Gelispel des Schlafs.
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Wehre mit schützender Schwinge den bösen Träumen, den Unglück
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Kündenden, welche den Schooß füllen der brütenden Nacht;
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Laß nur die freundlichen leise sich nahn, die Kinder Auroras,
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Daß sie mit rosigem Tanz schmücken das stille Gemach.
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Mal' auf die Flügel des gaukelnden Schwarms kunstvoll das Verlangen,
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Welches der Reizenden Blick rings in den Herzen erregt;
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Malet, ihr Huldgöttinnen, der unausprechlichen Anmuth
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Zaubergewalt und den Scherz, welcher sie ewig umbuhlt:
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Daß sie sich selber erblick' in des Traums irrsamer Gestaltung;
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Ach, kein schöneres Bild zeigt ihr der süßeste Traum!
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Lächeln wird sie im Schlaf, ihr Glücklichen! Fülle den Köcher,
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Amor, damit! O ahmt, Grazien, ahmet es nach!
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Regt sie dann sanft zum Erwachen die reizenden Glieder, so haucht rings
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Süße Gedüft' umher, füllet mit goldenem Glanz,
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Füllt mit Harfengelispel das freundliche Zimmer und schwindet,
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Daß sie im Scheiden euch noch sehe, zum Himmel zurück.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Schulze
(17891817)

* 22.03.1789 in Celle, † 29.06.1817 in Celle

männlich, geb. Schulze

deutscher Dichter der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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