Liebchen, wie hast du geruht nach der Lust des rauschenden Tanzes?

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Ernst Schulze: Liebchen, wie hast du geruht nach der Lust des rauschenden Tanzes? Titel entspricht 1. Vers(1803)

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Liebchen, wie hast du geruht nach der Lust des rauschenden Tanzes?
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Ist dir das Köpfchen nicht noch schwer von dem wüsten Gelärm?
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Tobte nicht lang' in der Nacht der Musik nachtönender Aufruhr
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Disharmonisch und wild rings dir um's hüpfende Bett?
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Oder belastete nicht dir die Brust, als quälender Rachgeist,
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Welcher die Schwärmer der Nacht ängstet, ein feindlicher Alp?
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Aber verzeih, holdseliges Weib, dem tückischen Spötter;
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Gern an fremdem Genuß rächt man den eigenen Schmerz.
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Nein, ein reizender Traum umgaukelte sicher die Stirn dir,
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Führt' in ein Feengefild deinen entfesselten Geist,
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Kränzte dein Haupt mit den Blüthen des Mays und wiegte behende
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Auf hellblauem Gewölk über die Erde dich hin.
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Früh schon sitzest du dort mir gegenüber am Fenster;
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Zwar ist schmachtend dein Blick, aber doch heiter und mild;
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Sinnend lehnst auf die zierliche Hand du das lockige Köpfchen;
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Zählst du, Schelmin, vielleicht deine Gefangenen nach,
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Die du bei'm fröhlichen Fest mit dem siegenden Zauber der Blicke
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Und mit des Geistes Gewalt dir in die Netze gescheucht?
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Ach, ich war dir ein Thor dem frevelnden Wahne zu folgen,
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Welcher die Ruhe der Nacht, welcher die Träume mir nahm.
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Untreu wähnet' ich dich, und ich zürnt' aufgrollend dem Herzen,
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Daß es aus deiner Gewalt nimmer zu fliehen vermag.
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Unglückseliger, konntest du so dem eigenen Glücke
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Gram seyn? konntest du so wünschen den eigenen Tod?
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Stets war grauendes Dunkel der Freund tiefbrütenden Trübsinns;
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Auf dem Gewölke der Nacht wiegte die Trauer sich stets:
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Doch der erglühende Tag verbannt die verhaßte zum Orkus,
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Und Aurorens Gespann leitet ein fröhlicher Geist.
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Doch nicht blos die Natur, auch du gebietest der Dämmrung,
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Und ätherisches Licht folget dir, Zauberin, gern.
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Bin ich dir fern, ist schwarz mir die Sonn' und dunkel der Erdkreis,
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Doch dein lächelnder Blick füllet mit Strahlen die Nacht.
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Aber du winkst mir, du lächelst mir zu! Schnell flieg' ich hinüber!
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Küssest du heute mich nicht, Frevlerin, nimm dich in Acht!
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Kennst du den magischen Quell, der einst Rinaldo verwandelt,
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Als Angelika ihm folgte mit sehnendem Blick?
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Immer noch rieselt der Quell, und stets noch währt die Bezaubrung;
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Reize nicht Amors Zorn, fürchterlich rächt sich der Gott.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Schulze
(17891817)

* 22.03.1789 in Celle, † 29.06.1817 in Celle

männlich, geb. Schulze

deutscher Dichter der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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