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So ruft sie aus und geht mit festem Schritte
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Dem fürchterlichen Walde zu.
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Rings herrschte todte Grabesruh;
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Dumpf bebt der Grund zurück bey jedem ihrer Tritte.
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Es traurt der öde Wald; der Blätter welke Last
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Hängt winterlich um den zernagten Ast,
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Von keinem West erfrischt, von keinem Thau gekühlet.
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Kein froher Vögelschwarm durchspielet
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Die Zweige; Fledermäuse nur
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Und scheue, unglückschwangre Eulen
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Durchrauschen das Gebüsch. Rings tönt der Wölfe Heulen,
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Und gelbes Gift befleckt der Drachen öde Spur.
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In grausiger Gestalt durchstreifen Schreckfantome
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Die falbe Dämmerung, bald hoch emporgedrängt,
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Bald wieder tief zu Boden hingesenkt.
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In einem halbzerfallnen Dome,
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Von giftgen Pflanzen rings umrankt,
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Hebt sich der Göttin Bild. Die bange Psyche wankt,
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Als sie der Grausen naht. Du, die mein Glück zerstöret,
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Ruft sie mit leisem Ton, nimm dieses Opfer hin,
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Und wenn dein Ohr das Flehn der Unschuld höret,
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So mildre deinen Zorn, du wilde Herrscherin.
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So steht sie und mit bangen Händen
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Naht sie dem Bilde sich; doch wie sie es berührt,
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Fährt sie zurück, laut schreiend, und verliert
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Den Kranz aus ihrer Hand. Ich muß es doch vollenden,
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So ruft sie zitternd aus, das kühne Wagestück,
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Und naht zum zweyten Mal, mit abgewandtem Blick.
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Von höherm Muth fühlt sie ihr Herz durchdrungen;
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Schon ist der Kranz um den Altar geschlungen,
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Und im erzwungnen Schmuck hohnlächelnd prangt das Bild.
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So sprach die Stimm' und schwieg. Ein leises Wehen fliegt
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An Psychens Ohr. Sie blickt dem Ton entgegen,
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Und sieh, ein Täubchen schwingt mit raschen Flügelschlägen
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Leicht flatternd sich herab. In seinem Schnabel liegt
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Ein Rosenblatt, mit Ichor angefüllet,
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Mit jenem Balsam, der aus Götterwunden quillet,
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Und alles, was er trifft, mit neuer Kraft belebt.
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Drey Mal, mit leisem Fittig, schwebt
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Um Psychens Haupt sie her, und gießet
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Dann auf den welken Kranz den wunderbaren Saft.
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Und welch ein Wunder! Plötzlich fließet
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Durch das verdorrte Grün des Frühlings junge Kraft.
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Dort keimt der Nelke Pracht; dort sprießen Amaranthen,
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Hier frische Rosen auf; das blaue Veilchen hebt
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Sich schüchtern und versteckt, doch prangend aufwärts strebt
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Der Tulipanen Kelch; Heliotrope wandten
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Zum Sonnenstrahl ihr duftend Haupt empor.
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Hier blühten Lilien und würzige Jasminen,
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Dort hauchten süße Balsaminen
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Aus dem prunklosen Strauch den schönsten Duft hervor.
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Psycharion bemerkt mit wonnevollem Zagen
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Das frohe Wunder; sprachlos biegt
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Den Göttern sie die Knie, und fliegt,
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Cytheren des Gebets Erfüllung anzusagen.
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Schon aus der Ferne ruft mit schadenfrohem Blick
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Ihr Cypris zu: Ist sie geschehen,
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Die That? Nicht wahr? Du kehrst als Siegerin zurück?
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Zu leicht war mein Befehl! »Mein kindlich frommes Flehen
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Erhörte mild ein Gott; die Schuld ist mir verziehn.
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Die Göttin steht geschmückt, des Kranzes Blumen blühn,«
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Spricht Psyche demuthsvoll und beugt sich bis zur Erde.
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In Cypris feindlicher Gebehrde
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Versteckt sich kaum der Zorn; doch bald erhält die List
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Die Ueberhand. »Wenn du so mächtig bist,
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Daß, dir zu helfen, selbst die Götter sich bemühen,
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So hab' ich noch ein Werk für dich.
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Siehst du den Felsen dort, um dessen Gipfel sich
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Der Wolken graue Nebel ziehen?
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Zwar ist er nie erklimmt, doch leicht wird ja ein Gott
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Voll Mitleid zu dir niederschweben,
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Und zu dem Gipfel dich auf seinen Flügeln heben;«
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So ruft ihr Cypris zu mit Blicken voller Spott.
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Durch wildbewachs'ne Klippen fließet
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Dort in der Höh des ew'gen Lebens Fluth,
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Die frische Lebenskraft und neu beseelten Muth
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In den verstorb'nen Busen gießet.
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Nimm dieß Gefäß und füll' es mit dem Trank,
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Doch hüte dich, daß deine Lippen
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Nicht kühn aus jener Quelle nippen,
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Die nicht für Sterbliche, für Götter nur entsprang.
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Nun geh, und kannst du dies vollenden,
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So sey befreyt, und nimm Cytherens Dank.
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So wie dem Sklaven ist, der, von Korsaren Händen
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Gefesselt an die Ruderbank,
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Schon manches Jahr sich härmt und, tief in Schmerz versunken,
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Umsonst um Tod zum Himmel fleht,
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So wie ihm ist, wenn er ein heimisch Schiff erspäht,
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Und dann der Kräfte letzten Funken
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Versammelt, um dem Bord durch raschen Ruderschlag,
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Dem freundlichen, zu nahn, so ward auch unsrer Schönen;
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Sie trocknete des Schmerzes Thränen
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Von ihren Wangen ab, und flog dem Wege nach,
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Der zu des Felsens Fuß sie führte.
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Sie nahte sich. Vergebens spürte
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Ihr Blick nach einem Pfad. Rings starren rauh und wild
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Zerstreute Klippenreihn, geschützt durch grause Klüfte,
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Die ew'ge Nacht in ihren Schleyer hüllt.
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Gigantisch hebt der Fels in graue Nebeldüfte
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Sein kahles Haupt; kein Falke schwingt
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So hoch sich auf. Das schärfste Auge dringt
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Mit Mühe nur zu der beschneyten Spitze.
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Den todten Grund umpanzert ew'ges Eis.
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Hier grünt kein Baum; kein blühend Reis
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Schmückt karg die schroffe Wand. Aus jeder Felsenritze
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Zischt eine Schlang' empor, und Drachen, braun gefleckt,
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Und Vipern, im Gestein versteckt,
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Bedroh'n die Schaudernde. Mit wundgeritzten Händen
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Klimmt sie an den zerspaltnen Wänden
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Voll Todesangst empor. Ihr Götter, hört ihr nicht
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Die Flehende? Ist dein Gericht
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So streng, du milder Gott? Willst du nicht Hülfe senden
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Der einstgeliebten Braut? Umsonst; kein Trost erscheint,
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Die Thränen, die die Arme weint,
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Gerinnen schnell zu Eis. Erbarmungslose Lüfte
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Verwehn der Seufzer klagend Ach!
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Und schwach nur hallt die Nacht der bodenlosen Klüfte
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Der Armen laute Klagen nach,
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Und höher klimmt sie auf. Durch starre Eisgefilde,
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Die nie der Sonne warme Milde
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Zersprengte, führt der Weg. Die letzte Kraft entflieht
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Der Matten jetzt. Ach, wenn sie aufwärts sieht,
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Wie weit ist noch das Ziel! und wenn sie niederblicket,
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Welch einen kurzen Raum ist sie erst fortgerücket!
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Es ist vorbey! ruft sie verzweifelnd; ihr entflieht,
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Der Hoffnung rosenfarb'ne Träume!
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Sie sind verwelkt, des Lebens schönste Keime!
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Es ist vorbey, und wüthend winkt der Tod.
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So ruft sie aus, und sinkt auf's starre Eis hernieder;
235
Sie schließt die Augen. O entflieh,
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Du schöne Seele, nicht so früh
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Der armen Welt! Umsonst! Doch sieh,
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Dort schwingt mit schattendem Gefieder
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Der Vogel Jupiters sich auf die Erde nieder.
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Er nimmt den Kelch aus Psychens Hand,
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Und schwingt sich auf in finstre Wolkenhöhen.
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Das Auge sieht ihn nicht, das Ohr nur hört das Wehen
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Des raschen Flugs. Doch sieh, aus fernem Wolkenland
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Kehrt er zurück; der Becher ist gefüllet.
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In silberhellen Perlen quillet
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Der Geist am Rand empor. Der rasche Adler schwingt
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Zum Orte sich, wo Psychens Glieder
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Am Boden leblos ruhn. Ein kleines Tröpfchen sinkt
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Aus dem Pokal auf ihren Mund hernieder,
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Und der Viole gleich, die bey des Tages Licht
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Den festverschloßnen Kelch zur Erde traurend senket,
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Doch, wenn der Dämmrung Thau die matten Fluren tränket,
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Die Knospe aus einander bricht,
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Und durch die stille Nacht verstohlne Düfte hauchet,
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So blüht auf Psychens Angesicht
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Das Leben wieder auf. In sanftes Roth getauchet
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Ist Wang' und Mund; der Lippen Purpur bebt,
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Und leis' und lieblich wallend hebt
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Die zarte Brust sich athmend wieder.
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Es schließen sich die Augenlieder
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Zum Leben staunend auf. O süßer Augenblick!
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Die düstern Leiden sind entschwunden,
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Geheilt des Herzens tiefe Wunden;
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Ein neues Wesen, kehrt in's Leben sie zurück.
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Die Hoffnung bietet ihr ein nie getrübtes Glück.
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Mit Rosen scheint die Zukunft ihr umwunden,
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Versöhnt das feindliche Geschick.
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Sie nimmt den Kelch und eilt mit schnellen Füßen
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Den Pfad zurück. Kein Drache schreckt sie mehr;
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Entflohn ist Schnee und Eis; am ebnen Wege sprießen
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Die schönsten Blumen auf, und alles grünt umher.
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Von fern erblickte jetzt Cythere
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Die Eilende. Sie sieht den Kelch gefüllt.
287
Ihr Auge rollt, und eine Zähre
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Des Zorns und nicht des Mitleids quillt
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Aus ihrem Aug'. Ihr Götter ruft sie wild,
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Soll diese Sterbliche die Göttin stets besiegen?
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Soll Paphos Herrscherin sich ohne Rache sehn?
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Sie senkt den Blick. In ihren Zügen
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Malt sich der bittre Groll. Doch wie, wenn Windeswehn
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Des grauen Nebels düstre Wogen,
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Die des Gebirges Haupt mit dunklem Flor umzogen,
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Im raschen Fluge scheucht, die waldbekränzten Höhn
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In bunter Pracht mit Grün bekleidet stehn,
298
So wandeln schnell in Cypris Blicken
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Des Zornes Gluthen sich in feindliches Entzücken.
300
Ich bin gerächt! ruft sie mit wildem Ton.
301
Verwegne, buhle jetzt nicht mehr um Cypris Sohn.
302
Noch eine That will ich dir übergeben.
303
Allein wirst du auch jetzt das ferne Ziel erstreben,
304
Erweichst du Hades harten Sinn
305
Dann kämpf' ich länger nicht; nimm den Geliebten hin;
306
Dann muß ein Gott in deinem Busen leben.