Doch jetzt, ihr Freunde, setzt mit mir

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Ernst Schulze: Doch jetzt, ihr Freunde, setzt mit mir Titel entspricht 1. Vers(1803)

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Doch jetzt, ihr Freunde, setzt mit mir
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Euch in den zauberischen Wagen
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Der Phantasie, und laßt Euch hin nach Cypern tragen.
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Seht, in die Lüfte schweben wir
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Schon hoch hinauf. In grauer Tiefe ragen
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Der alten Troja Thürm' empor.
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Jetzt flieht das Land. Hört, wie an euer Ohr
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Der Wogen dumpfe Donner schlagen!
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O zittert nicht! Seht ihr den holden Götterort?
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Der Wagen sinkt; wir stehn in Cytheräens Lande.

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Seht ihr die Göttin, wie sie dort
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Im losen, flatternden Gewande
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Auf jenem Throne sitzt? Voll Kummer ist ihr Blick,
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Und unbekränzt und ordnungslos umfließen
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Die Locken Hals und Brust. Gebeugt zu ihren Füßen
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Liegt der Chariten Chor; entflohn ist alles Glück
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Von Paphos gold'ner Flur; die zarten Amoretten
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Sehn freudenlos sich an; kein süßes Lied erschallt;
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Oed' ist es auf der Flur und öd' im duftgen Wald.
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Gefesselt an des Grames Ketten
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Liegt alle Lieb' und Lust. Was ist es für ein Schmerz,
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Der Cypris trauren macht, der Freud' und heitern Scherz
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Von des Vergnügens Flur verscheuchet?
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Und alles senkt den Blick, und jede Wang' erbleichet,
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Und alles ruft: Wir klagen Cypris Sohn!
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Der Gott der Lieb' ist uns entflohn!

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Schon mancher Tag war jetzt entschwunden,
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Seit Amor Cypria verließ.
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Ach, in der Liebe Paradies,
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Im süßen Rausch der holden Schäferstunden,
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Wie konnt' auch ein Gedanke nur.
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An seines Reiches gold'ne Flur,
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An seiner Mutter Angst, an der Chariten Schmerzen,
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In seiner Brust entstehn? Er, der so viele Herzen
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Mit seinem bittern Pfeil besiegt,
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Der stolze Gott, er unterliegt
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Dem eigenen Geschoß, und als sein Glück entfliegt,
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Als Psyche ihn verräth, kann er den Gram nicht tragen;
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Er flieht und birgt betrübt sich in die tiefste Kluft
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Des Kaukasus, und seine lauten Klagen
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Verhallen fruchtlos in der Luft.

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Ein Freund der fliehenden Najaden,
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Der gern, wenn unbesorgt sich holde Nymphen baden,
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In dichtem Laube sich versteckt,
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Und lüstern seinen Hals durch die Gebüsche reckt,
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Ein Faun, der grad' ein Mädchen jagte,
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Das ihm entfloh, kam in die Einsamkeit,
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Wo Cypris Sohn, dem Grame nur geweiht,
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Sein schmerzliches Geschick beklagte
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Das Faunenvolk lauscht gar zu gern;
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Drum birgt auch dieser sich nicht fern
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Vom Orte, wo die Tön' erschallen,
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In ein Gebüsch, und horchet lauschend zu.

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Wo bist du hin, du holde Ruh,
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Rief Amor weinend aus, die in den Myrtenhallen
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Von Paphos mich beglückt? Wo bist du, heitrer Sinn,
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Der mich so oft im Hain der Nachtigallen,
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Wenn ich mit einer Huldgöttin
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Auf jungen Blumen saß, belebte?
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Ach Psyche! Süße Braut, mit dir, mit dir entschwebte
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Mir jede Lust und jedes Glück,
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Und ehe dich mir das Geschick
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Nicht wieder giebt, kehr' ich nach Paphos nicht zurück,
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Und nicht zum Göttersaal. Beym Styr sey es geschworen.

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Der Satyr wackelt mit den Ohren,
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Als er das Wort vernimmt. Da ist er ja, der Sohn,
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Denkt er, den Cypria verloren.
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Die Nachricht bringet mir ein gutes Botenlohn,
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Ein Küßchen oder zwey. Nur nicht zu sehr gezaudert!
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Denn Ohren hat der Wald, und Ohren hat die Flur.
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Leicht könnt' es seyn, daß, eh' ich Armer nur
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Cytherens Land erreicht, ein Andrer schon geplaudert.

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So spricht er und enteilt, und nach zwey Stunden schon,
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Die Götter reisen schnell, ist er vor Cypris Thron.
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O Göttin, die du oft, wenn Amor dir entlaufen,
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So sprach der Faun, die frohe Nachricht dir
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Von seinem Aufenthalt mit Küssen zu erkaufen
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Versprochen hast, was giebst du mir
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Für meine tröstungsvolle Kunde?
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Zwey Küßchen nur und noch ein drittes in den Kauf
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Für meiner Füße schnellen Lauf
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Zur Stärkung von dem Rosenmunde!
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Du siehst, daß fast der Athem mir gebricht.

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Was thut die Mutterliebe nicht!
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Auch Cypris, welcher sonst ein Küßchen zu verdienen
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Kaum einer schön genug von allen Göttern war,
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Sie reichte jetzt mit holden Mienen
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Dem Faun die Rosenlippen dar,
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Und der erzählt, halb taumelnd vor Entzücken,
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Was er gehört. Doch wie erstaunt er nicht,
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Als mit des Unmuths düstern Blicken
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Die Liebesgöttin zürnend spricht:
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Deswegen flieht er mich, der stolze, eitle Knabe?
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Um eine Sterbliche verläßt er Paphos Hain,
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Verläßt er mich, die ich im Schooß gewiegt ihn habe,
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Und meiner Huldgöttinnen Reihn?
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Um eine Sterbliche, die kaum ein Tausendtheilchen
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Der niedrigsten von meinen Nymphen gleicht?
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Fällt ihm Cytherens Zorn so leicht?
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Es ginge noch, wär's nur ein kurzes Weilchen,
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Doch treu zu seyn! O Amor, schäme dich!
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Wo ist das Mädchen, welches mich
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Und meine Nymphen so beleidigt?
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Wir wollen sie doch sehn. Sucht sie, und bringt sie her!
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Weh' ihr, wenn sie sich nicht, so wie ich will, vertheidigt!
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Sie fühle dann, der Götter Zorn sey schwer!

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Nein, solcher Rachsucht ist Cythere,
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Die Lächelnde, nicht fähig, spricht
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Wohl mancher Hörer hier. O traut dem Scheine nicht!
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Verletzt das sanfteste Geschöpf an seiner Ehre,
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An seiner Eitelkeit, schnell wird es zur Megäre,
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Die Eitelkeit regiert die Welt;
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Sie macht aus Frommen Bösewichter;
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Sie schafft Minister, Fürsten, Dichter;
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Und ehe sie den Busen ihm geschwellt,
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Ward mancher ernste Sittenrichter
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Oft als ein Schelm und Dieb am Pranger ausgestellt.

118
Indeß Cythere nun in die entferntsten Lande
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Verschlagne Boten schickt, die Feindin zu erspähn,
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Irrt diese in dem dürren Sande
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Der Wüst' umher. Rings war kein Baum zu sehn,
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Kein kühler Quell, die Lippen zu erfrischen;
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Kein Beerchen an den Dornenbüschen
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Bot sich zur kargen Labung dar.
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Ach, wie so ganz verschieden war
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Das Jetzt vom Jüngst, da sie an Göttertischen
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Ambrosia gespeist, und sanft von zauberischen
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Gesängen eingelullt, auf Rosenbetten schlief.
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O arme, arme Psyche! rief
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Sie weinend aus. So sollst du hier vergehen,
131
Und nie der Heimath trauten Hain,
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Nie deine Aeltern wiedersehen?
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O fänd' ich einen Fluß, ich stürzte mich hinein,
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Doch ach, zu schrecklich ist des Schmachtens lange Pein!
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Indem sich so ihr Schmerz in lauter Klag' ergießet,
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Hört sie ein Rieseln, silberrein,
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Wie wenn durch Klippen und Gestein
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Ein rascher Quell herniederfließet.
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Sie eilt dem holden Tone nach,
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Sie naht, und denkt euch ihr Entzücken,
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Ein tiefer, wilder Felsenbach
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Wälzt sich mit rascher Fluth vor ihren frohen Blicken.
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O süßer Tod! ruft sie erfreut,
144
O süßer Tod, so darf ich dich umarmen!
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Du schaust mich an, mit Blicken voll Erbarmen;
146
Der Fackel Gluth erlischt, und mit ihr alles Leid!
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Sie ruft's, und will herab sich stürzen;
148
Doch eine starke Hand hält plötzlich sie zurück.
149
Sie steht erstaunt. Vor ihrem Blick
150
Schmückt blühend sich die Flur, und tausend Düfte würzen
151
Die reine Luft, und aus der Fluthen Grund
152
Hebt eine Nymphe sich, von Götterglanz umschienen.
153
Sie schauet Psychen an mit wundersüßen Mienen,
154
Und wie Gesangeston entbebt aus ihrem Mund:

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Höre auf zu klagen und zu weinen!
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Meinen nicht, nur Buße frommet hier.
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Erst nach langer Prüfung wird mit dir
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Wiederum dein Gatte sich vereinen.
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Traue meiner Rede freudig nur.
160
Künft'ges gab ein Gott mir zu verkünden.
161
Willst du deinen Gatten wiederfinden,
162
Gehe hin nach Paphos Blumenflur.
163
Zwar wird dort, nach Cypris strengen Willen,
164
Manches Leiden grausend dich bedrohn.
165
Harre muthig aus! Groß ist dein Lohn,
166
Herrlich wird dein Schicksal sich enthüllen.

167
So spricht der süße Ton. Die holde Nymphe sinkt
168
In die geschwollne Fluth, die steigend sie umringt.
169
Wie wenn auf holde Au'n, wo lang des Sommers Schwüle
170
Heiß und verzehrend rings geweht,
171
Und jeder Baum verdorrt, und welk die Blume steht,
172
Aus Wolken plötzlich sich die lebensvolle Kühle
173
Des milden Regens nieder senkt,
174
Und jeden Baum erfrischt und jede Blume tränkt,
175
So fühlte Psyche schnell mit Tröstung sich erfüllet.
176
Der Schwermuth düstrer Schleyer schwand,
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Der sie vorher mit grauser Nacht umhüllet.
178
Vor ihrem Geiste lag ein schönres, beßres Land,
179
Voll grüner Au'n und blüh'nder Triften,
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Durchweht von nektarsüßen Düften,
181
Voll Quellenlaut und Liebesharmonie.
182
Mit welcher Sehnsucht strebte sie
183
Nach diesem Lande hin! Zwar manche rauhe Pfade
184
Sind noch davor und manche steile Höhn;
185
Doch o, wie kühlet nicht am glücklichen Gestade
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Der Liebe Palmenkranz so schön!
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Nur Muth, mein Herz! Bald ist der Sieg erstritten;
188
Bald langst du froh im frischen Hafen an.
189
Süß schlummerst du im Arm des Gatten dann,
190
Und fühlst den Gram nicht mehr, den du zuvor erlitten.

191
So ruft Psycharion in süßer Schwärmerey,
192
Und eilt, um Paphos zu erreichen.
193
Verschwunden ist nun sie, die grause Wüsteney;
194
Rings blüht die schönste Flur, besät mit Duftgesträuchen,
195
Benetzt von Quellen, die durch Veilchenthäler schleichen,
196
Begränzt von blüh'nden Höhn. Voll süßer Träumerey,
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Getrieben von des Herzens Sehnen,
198
Irrt Psyche, nicht gedenk der Thränen,
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Die sie erwarten, durch die Flur.
200
Bald folgt sie eines Bächleins Spur,
201
Der eine duft'ge Au mit sanfter Fluth bespület,
202
Bald ruhet sie, vom Hauch des Wests gekühlet,
203
Von Duft umweht, im dunklen Myrtenhain,
204
Und hört den Liedern zu, die durch die Zweige schallen;
205
Und wenn der Mond mit Silberschein
206
Die Fluren deckt, schläft sie, umtönt von Nachtigallen,
207
Auf weichen Blumenbetten ein.

208
O holdes Land, wo Göttern nur zu wallen
209
Vergönnt ist, holdes Land der Unschuld und Natur,
210
Fänd' ich doch einst in dir den langersehnten Frieden!
211
O wohnt' ich doch auf einer Feenflur,
212
Durch ferne Meeresfluth vom Sturm der Welt geschieden,
213
Wo, von des eisernen Berufs Geschäften frey,
214
Aus keinem süßen Traum die strenge Pflicht mich schreckte,
215
Wo ewig schön und ewig neu,
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Der junge Morgen mich zum jungen Leben weckte,
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Wo ich an der Geliebten Hand,
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Wie in Endymions Traum, mein Daseyn froh verlebte,
219
Bis es zuletzt in ein noch schönres Land,
220
Wie Aeolsharfenklang langsam verhallend, schwebte!

221
Doch ach, zu schöner Traum, entflieh!
222
Mich setzte das Geschick auf irdische Gefilde,
223
Und deine holden Luftgebilde,
224
Sie herrschen nur im Reich der Phantasie.
225
Zum Loos ist Thätigkeit den Sterblichen beschieden;
226
Drum sey auch Thätigkeit des Menschen höchstes Ziel.
227
Verletzt auch oft das Unglück euren Frieden,
228
So denkt, die Erde hat der Freuden doch so viel.
229
Wie schön ist nicht das lohnende Gefühl
230
Nach der vollbrachten That! Wie süß der Dank für Leiden,
231
Die ihr gemildert! Wenn die Freuden
232
Der Liebe euch beseligen,
233
Wenn Freundesherzen treu an eurem Herzen schlagen,
234
Dann könnt ihr froh und muthig sagen:
235
Auch ich bin in Arkadien!

236
Indeß naht Psyche schon des Meeres hohem Strande,
237
Und ungewiß und zweifelsvoll
238
Steht sie jetzt da und sinnt, wer sie nach Cypris Lande
239
Auf wilder Fluthen Bahn hinüber bringen soll.
240
Indem sie so auf's Meer herniedersieht, erspähet
241
Sie einen Kahn, der wie ein Blatt, das leicht
242
Ein sanfter West durch blaue Lüfte wehet,
243
Dem Ufer naht. Kein Schiffer zeigt
244
Sich drin. So hat ein Gott zu dem, was ich geflehet,
245
Ein gütig Ohr herabgeneigt?
246
Ruft Psyche aus, und muthig steigt
247
Sie in den schmalen Kahn. Ein lauer Zephyr blähet
248
Das Segel auf, und wie beflügelt streicht
249
Das Schifflein durch die Fluth. Von Psyche's Reiz betrogen,
250
Glaubt der Gewässer Volk, Cytheren hier zu sehn.
251
Delphine heben sich aus den getheilten Wogen
252
Und schwärmen um das Schiff, und Nymphen, wunderschön,
253
Umtanzen froh den Bord und singen süße Lieder.
254
Der Schwan mit glänzendem Gefieder
255
Läßt sanfte Töne durch die stillen Lüfte wehn.
256
Froh sitzt Psycharion, umhüpfet
257
Von manchem holden Traumgesicht,
258
Und keine schwarze Ahnung schlüpfet
259
In ihre sichre Brust. Sie denkt der Zukunft nicht,
260
Da mit so holdem Rosenlicht
261
Die Gegenwart sich zeigt. Unglückliche, es eilet
262
Der Kahn so schnell dahin! Das Land
263
Cytherens zeigt sich schon; schon weilet
264
Das Schiff an deiner Leiden Strand.
265
Sie steigt hinaus, und schnell durchdringet
266
Ein tobendes Geräusch ihr Ohr.
267
Scheu und erstaunt blickt sie empor,
268
Und sieht von Faunenvolk und Nymphen sich umringet,
269
Die sie mit schmäh'ndem Spott und Hohn,
270
Zum Chor vereinigt, überschütten.
271
Man fesselt sie; nichts helfen ihre Bitten,
272
Nichts hilft ihr Trotz. Mit wildem Drohn
273
Reißt man sie fort, von blinder Wuth erhitzet,
274
Und bringt sie an den Platz, wo auf erhabnem Thron,
275
Als strenge Richterin, der Liebe Göttin sitzet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Schulze
(17891817)

* 22.03.1789 in Celle, † 29.06.1817 in Celle

männlich, geb. Schulze

deutscher Dichter der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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