Durch grüne Bäume

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Ernst Schulze: Durch grüne Bäume Titel entspricht 1. Vers(1803)

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Durch grüne Bäume,
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Die mattbesonnt im Abendrothe blühen,
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Beginnt so leis' ein holder Ton zu ziehen,
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Als ob der Hain von seinen Liedern träume,
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Und, in ein zartes Klingen
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Verwandelt, jetzt der Blüthen duft'ges Leben
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Sich still erheb' auf wandelbaren Schwingen,
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Ein tönend Netz um Erd' und Luft zu weben,
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Und jedes Herz in süßen Schlaf zu singen,
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Worin ein Streit begonnen
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Von Wahn und Wunsch, von Schmerzen oder Wonnen.

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Wie helle Sterne
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Erscheinen mir die zauberischen Stimmen,
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Die durch die Luft als holde Boten schwimmen
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Mit süßer Kund' aus unbekannter Ferne.
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Doch wie mit leisem Wallen
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Die Klänge jetzt zu mir herübertönen
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Und zitternd jetzt zerrinnen und verhallen,
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So naht und flieht, so wandelt sich mein Sehnen.
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Wie kann mein Herz in süßen Schlummer fallen,
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Wenn stets in neuen Träumen
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Die alten Leiden frischer nur entkeimen!

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Wohl muß mit Schmerzen
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Der Sterbliche der Götter Gunst bezahlen,
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Dem sie verliehn des Lichtes hellre Strahlen,
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Ein tödtlich Leben ihm im schwachen Herzen.
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So folgt, wohin ich walle,
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Mein Leiden mir in tausend Fantasieen;
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Im Duft, im Glanz, im holden Liederschalle,
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Im lauen Wehn, im Rieseln und im Blühen
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Erwachen mir die theuren Schatten alle
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Der hingewelkten Tage,
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Der fernen Lust, um die ich ewig klage.

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O Lenz, o Leben,
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O Sonnenlicht, o duft'ge Waldeskühle,
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Wie hast du einst dem Geist so heitre Spiele,
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So freien Schlag dem Herzen einst gegeben,
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Als noch nicht hart gefangen
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Die junge Lieb' auf kaum gelösten Flügeln
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Mit hellem Blick und wechselndem Verlangen
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So fröhlich flog an fernen Blumenhügeln,
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Und, während rings ihr tausend Lieder klangen,
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In leichter Luft sich wiegend,
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Bald hier, bald dort verzog, besiegt und siegend!

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Wie auf den Bahnen
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Des glatten Sees der Schwan die stillen Kreise
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Verweilend zieht und träumerisch und leise
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Sein Lied erhebt im dunkeln Todesahnen,
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So ist von Amors Händen
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Mein Leben jetzt an
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Der stets beginnt, um nimmer sich zu enden.
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Ich weiß mein Leid und kann doch nie gesunden,
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Ich seh den Tod und kann ihn doch nicht wenden!
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Wie süß mein Lied auch töne,
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Sein Klang ist Schmerz, sein Lohn die eigne Thräne.

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Und die mein Flehen
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So ruhig hört, als könnte sie's nicht lindern,
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Mild seh' ich sie, wie unter zarten Kindern
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Die Mutter geht, durch ihre Blumen gehen.
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Sie schaut sie an mit Freuden,
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Lacht jener zu und scheinet die zu fragen:
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Ach, willst du denn so früh schon von mir scheiden,
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O Herz, so mild und streng! o bittres Leiden,
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Daß selbst die flücht'gen Blüthen
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Ihr größre Lust als meine Treue bieten!

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Mich hat zur Ferne
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Nie, wenn ich schied, ihr Aug', ihr Geist begleitet;
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Lag dunkler Gram um meinen Blick verbreitet,
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War ihrer klar, wie ewig feste Sterne.
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Und wär' ich umgekommen
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Im Kampf, wohin ihr Zürnen mich getrieben,
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In wilder Fluth, die nächtlich ich durchschwommen
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Mit mir allein und meinem Leid und Lieben,
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Wohl hätte sie's gerührter kaum vernommen,
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Als ob von Windeswallen
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Ein zarter Zweig, ein Blüthenblatt gefallen.

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O Kranz des Lebens,
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Nie wird dein Glück, o Lieb', im Kampf erstritten!
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Wer viel um dich begonnen und gelitten,
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Der ringt um Schmerz und hofft den Dank vergebens!
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Doch wie an blüh'nden Bäumen
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Der kühle Thau, ein leichter Gast von oben,
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Die Blüthen schmückt, die noch verschlossen träumen,
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Daß staunend sie, wenn sich der Tag erhoben,
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Die Perlen sehn, die hell den Kelch umsäumen,
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So nahst du ungesehen
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Dem Glücklichen dich ohne Zwang und Flehen!

88
So schwinge denn, Canzone,
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Ein eitler Traum, wie meine Lieder alle,
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Zu ihr dich hin, begrüß' im leisen Tone
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Ihr schlummernd Haupt und, kaum gehört, verhalle!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Schulze
(17891817)

* 22.03.1789 in Celle, † 29.06.1817 in Celle

männlich, geb. Schulze

deutscher Dichter der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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