Was verzagst du, traurendes Gemüth

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ernst Schulze: Was verzagst du, traurendes Gemüth Titel entspricht 1. Vers(1803)

1
Was verzagst du, traurendes Gemüth,
2
Bildest stets zum Leid dir neue Leiden?
3
Armes Herz, da dich die Liebe flieht,
4
Willst auch du die Liebe zürnend meiden?
5
Was dich tief und mächtig einst erfüllt,
6
Halt' es fest in Freuden und in Schmerzen,
7
Jeder Gram, den dir die Zeit verhüllt,
8
War ein heil'ger Schmuck in deinem Herzen.
9
Kann der Blinde wohl von Farb' und Glanz,
10
Kann vom Klang der Taubgeborne träumen?
11
Was du ahnst, das täuscht dich nimmer ganz;
12
Wort gehalten wird in jenen Räumen.

13
Doch auch hier soll nie der Geist verzagen,
14
Soll getrost in jedem Kampfe stehn;
15
Herrlich ist's, ein großes Leid zu tragen,
16
Göttlich ist's, in Liebe zu vergehn.
17
Kalt und todt und deutungslos entschwindet
18
Jedes Bild der unbewegten Brust;
19
Nur der Gott, der in uns wohnt, empfindet
20
Tiefen Schmerz und wunderbare Lust.
21
Wird auch nie das Kleinod dir beschieden,
22
Schon die Sehnsucht ist ein heil'ges Ziel,
23
Und es blüht die Palme schon hienieden
24
Jedem schönen, gläubigen Gefühl.

25
Mag der Herbst das welke Laub zerstreun,
26
Mag der Sturm die Blüthen dir entführen,
27
Was du liebst, das bleibt auf ewig dein;
28
Nimmer kann das Herz sich selbst verlieren.
29
Zürne nicht, wenn dich die Welt begränzt;
30
Irdisch ist und endlich jede Schranke,
31
Und im hartbedrängten Herzen glänzt
32
Leuchtender ein göttlicher Gedanke.
33
An dem Glauben bricht des Todes Macht,
34
Aus dem Grabe wird die Hoffnung keimen;
35
Nur der Zweifel irrt in ew'ger Nacht.
36
Wage du zu hoffen und zu träumen!

37
Wenn auch um der Hoffnung Zauberwelten
38
Finster oft ein Sturmgewölk sich zog,
39
Laß es nie die Trösterin entgelten,
40
Daß das Schicksal feindlich dich betrog.
41
Muthig strebt der edle Geist nach oben
42
Zu der Wünsche luftig holdem Reich,
43
Und der Thron, zu dem er sich erhoben,
44
Sinkt mit seinem Hoffen nicht zugleich.
45
Ward der Kampf vergebens auch begonnen,
46
Würd'ger macht die Mühe dich dem Ziel;
47
Zage nicht; gewagt ist stets gewonnen!
48
Hoher Sinn liegt oft im kind'schen Spiel.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ernst Schulze
(17891817)

* 22.03.1789 in Celle, † 29.06.1817 in Celle

männlich, geb. Schulze

deutscher Dichter der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.