Rosse wiehern, Waffen blinken

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Ernst Schulze: Rosse wiehern, Waffen blinken Titel entspricht 1. Vers(1803)

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Rosse wiehern, Waffen blinken,
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Deutschlands Rächer sind genaht,
3
Und die bunten Fahnen winken
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Zu des Ruhmes goldnem Pfad.
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Soll ich stets dem Kummer dienen,
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Sehnsuchtsvoll und hoffnungslos?
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Sieh, das Ziel ist schön und groß;
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Nimmer blüht die That des Kühnen
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In der Ruhe trägem Schooß.

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Laß mich ziehn, wohin das Mahnen
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Meines Busens mir gebeut;
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Friedenspalmen sind die Fahnen,
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Und zum Schlummer ruft der Streit.
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Meine Freunde sind gefallen
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Durch der Feinde blut'ges Schwert,
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Und mein Herz blieb unerhört,
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Und das Leben hat von allen
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Wünschen keinen mir gewährt.

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Rauher Herbst, du wehst so schaurig
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Um der Blüthen ödes Grab,
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Deine Wolken hängen traurig
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Auf die dunkle Welt herab!
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Send', o Krieg, aus ehrnem Schlunde
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Deine Flammen durchs Gefild,
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Wirble, Trommel, hell und wild,
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Daß das kranke Herz gesunde
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Durch des Lebens rasches Bild.

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Doch nicht sey's ein dumpfes Zürnen,
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Das zur fremden Bahn mich drängt;
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Friede sey mit den Gestirnen,
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Die mein feindlich Loos gelenkt.
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Freyer Wille ziemt dem Streiter,
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Den das Vaterland gewann,
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Und es schließt der deutsche Mann
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Ruhig, unbetäubt und heiter
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Sich dem schönen Bündniß an.

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Laß uns scheiden! Sprich, was frommen
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Herz und Leben, stets entzweyt?
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Ach, der Herbst ist längst gekommen,
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Und noch währt des Lenzes Leid.
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Laß uns still und freundlich scheiden,
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Bis uns schönre Sonnen glühn;
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Alles hab' ich dir verziehn,
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Denn du hast für ird'sche Leiden
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Ew'ge Schätze mir verliehn.

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Friedlich will ich mich dir nahen,
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Deinen Segen zu erflehn,
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Will dein letztes Wort empfahen,
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Deinen Blick noch einmal sehn.
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O nur
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Für des Herzens wilden Streit,
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Für der Zukunft langes Leid,
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Und nicht länger will ich weinen
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Um geträumte Seligkeit!

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Laß mich ziehn! Wie darfst du klagen,
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Wenn ich selbst mit starkem Sinn
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Muthig bin, dir zu entsagen,
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Werth dich zu besitzen bin?
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Jedes Band will ich vernichten,
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Das mich fesselnd noch umgiebt.
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Früher, als ich dich geliebt,
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Hat das Vaterland die Pflichten
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Treuer Lieb' an mir geübt.

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Lebe wohl! Ich scheide nimmer;
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Jedes mildgewährte Pfand,
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Jeder heil'gen Stunde Schimmer
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Folgt mir nach in's ferne Land.
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Lebe wohl, du Zarte, Reine!
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Ewig lebt dein holdes Bild
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Mir im Busen, still und mild;
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Aber du, vergiß das meine,
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Wenn mit Schmerz es dich erfüllt.

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O sey glücklich und entsage,
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Großes Herz, dem stillen Gram!
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Was das Leben gab, ertrage
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Und verschmerze, was es nahm.
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Ohne Sorge laß mich scheiden;
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Freudig sey das Herz und licht,
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Denn mich ruft die heil'ge Pflicht!
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Willig trag' ich meine Leiden:
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Doch die deinen trüg' ich nicht.

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Fest will ich im Streite stehen,
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Kühn des Feindes droh'nder Macht
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Und dem Tod entgegensehen,
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Denn für dich auch gilt die Schlacht.
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Doch wenn laut das Kampfgefilde
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Von des Mordes Jauchzen tönt,
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Und der Schmerz verzweifelnd stöhnt,
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O dann sey durch dich, du Milde,
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Herz und Leben ausgesöhnt.

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Sieh, der Leu hat sich erhoben,
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Und der feige Tiger zagt!
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Keiner soll den Schwachen loben,
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Der nicht Blut und Leben wagt.
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Liebe flicht uns Siegeskränze,
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Wenn das große Werk vollbracht,
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Und wem keine Liebe lacht,
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Den erfreun des Ruhmes Lenze
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In des Lebens langer Nacht.

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Wenn ich falle – o dann trübe
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Keine Thräne dein Gesicht!
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Reich belohnt ist meine Liebe,
103
Und mein Schatten zürnt dir nicht.
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Sie, die Heilige, die Hehre,
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Die den Himmel längst errang,
106
Beut dem Freunde gern den Dank,
107
Der für Vaterland und Ehre
108
Und für Recht und Liebe sank.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Schulze
(17891817)

* 22.03.1789 in Celle, † 29.06.1817 in Celle

männlich, geb. Schulze

deutscher Dichter der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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