O Fantasie, wie flatterst du so süß

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ernst Schulze: O Fantasie, wie flatterst du so süß Titel entspricht 1. Vers(1803)

1
O Fantasie, wie flatterst du so süß
2
Um meine Brust mit leisen Flügelschlägen
3
Und suchst mir rings ein holdes Paradies
4
Voll freundlicher Gestalten aufzuregen?

5
Es wiegt mich hin zu mondbeglänzten Höhn,
6
Es leitet mich zum Rande frischer Quellen,
7
Umsäuselt mich wie duft'ger Schatten Wehn
8
Und bettet mich auf weiche Graseswellen.

9
Noch faß' ich's nicht, was mir dein Wink enthüllt;
10
Doch dämmernd blüht's empor in buntem Leben,
11
Und lächelnd scheint schon manches liebe Bild
12
Dem irren Kampf der Formen zu entschweben.

13
Mein Herz erglüht in ahnungsvoller Lust,
14
Süß bebt's in mir gleich stillem Liebeszagen,
15
Wie Morgenroth umspielt es meine Brust;
16
Doch will es nie zur lichten Klarheit tagen.

17
O laß dich sanft, du holde Gauklerin,
18
Am Rosensaum der leichten Schwingen halten,
19
Und deute mir den wunderbaren Sinn
20
Der nahenden, der fliehenden Gestalten!

21
Und sieh! da ruht das Kämpfende vereint,
22
Der irre Duft der Dämmrung ist entschwunden,
23
Und gleich dem Strahl des frühsten Lichts erscheint
24
Sie, die mit ew'gem Zauber mich umwunden.

25
O sey gegrüßt, du zartes Traumgesicht,
26
Wie lieblich weht dein luftiges Gefieder,
27
Wie senkst du hold, ein freundliches Gedicht,
28
In's öde Reich der Wahrheit dich hernieder!

29
Dein Lächeln ist aus Sonnenschein gewebt,
30
Dein milder Ernst aus stillem Mondenglanze,
31
Lust ist das Kleid, das rosig dich umschwebt,
32
Und Ruhe thaut aus deinem duft'gen Kranze.

33
Ich nahe dir, du friedliche Gestalt,
34
Ich hasche dich mit seligem Verlangen
35
Und halte sanft mit liebender Gewalt
36
An keuscher Brust dich, süßen Traum, umfangen!

37
O weile du bey mir im Schattengrün,
38
Laß fröhlich uns mit luft'gen Bildern spielen,
39
Beflügle mich mit bunten Fantasien.
40
Und kette mich mit heiligen Gefühlen.

41
Fern sey von uns der Welt verworrner Streit,
42
Laß träumend uns in stillen Lauben wohnen!
43
Vergänglich ist, was uns das Leben beut,
44
Das Herz nur flicht sich ew'ge Blüthenkronen.

45
Längst schwand die Sonn' an meines Himmels Saum,
46
Erloschen ist mein Leben und mein Lieben,
47
Du nur allein, du, meiner Liebe Traum,
48
Bist tröstend mir in kalter Nacht geblieben!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ernst Schulze
(17891817)

* 22.03.1789 in Celle, † 29.06.1817 in Celle

männlich, geb. Schulze

deutscher Dichter der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.