Nächtlicher Gram umfing den Ermatteten, schwarz in des Abends

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Ernst Schulze: Nächtlicher Gram umfing den Ermatteten, schwarz in des Abends Titel entspricht 1. Vers(1803)

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Nächtlicher Gram umfing den Ermatteten, schwarz in des Abends
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Nebel gehüllt, und dumpf schwieg das erstorbene Herz.
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Thorheit schien und Wahn mir das Heilige, nichtig des Lebens
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Gaukelgefild, und so klagte der düstere Geist:
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Fruchtlos hast du gespielt und geträumt! Stets blühte der Hoffnung
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Ueppiger Baum: doch nie reifte die labende Frucht.
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Glänzend erhob sich ein herrliches Ziel dem begeisterten Jüngling:
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Aber der Zufall nur lenkt die entgötterte Welt.
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Sehnsucht dämmerte dir, und der Lieb' aufstrahlende Sonne
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Goß jungfräulichen Reiz über den Traum des Gefühls.
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Doch längst sank der erloschene Strahl, und schwärzere Nacht nur
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Füllt, je heller er einst leuchtete, jetzt dir das Herz.
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Was du gesä't, wird rauben der Sturm! Was kämpfst du vergebens
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Gegen des Schicksals Spott? Ewig ist einzig der Tod!
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Eins sind Grab und Wiege für dich; in des nichtigen Lebens
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Zwecklos tändelndem Spiel ringst du, ein Nichts mit dem Nichts!
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Also zürnet' ich mir und der Welt; doch kalte Verachtung
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Tilgte den Zorn, und laut lacht' ich im bitteren Hohn.
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Horch, da schwamm, gleich lindem Gedüft, auf der sinkenden Dämmrung
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Friedlichem Hauch leicht aufwogend ein lieblicher Ton;
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Schwellend verkettete bald sich das zitternde Gold, bald rann es
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Sanfthinschmelzend und oft leise verhallend daher,
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Und süß wallte Gesang auf des Tons leichtflatternder Schwinge
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Tröstend, gleich dem Gespräch freundlicher Engel, heran.
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Ach, da regte sich still das erkaltete Herz, von des Wohllauts
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Athem erwärmt, und hell tagte die dunkele Welt.
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Bilder umgaukelten mich, süßschmeichelnde, zarte Gestalten,
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Und in lebende Form schmiegte sich jedes Gefühl;
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Dich nur nannte mir jedes Gefühl, und jeglichem Traum lieh
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Dein holdseliger Reiz Wesen und blühende Kraft.
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Doch zum Ganzen verkettete bald sich das Einzelne; kunstvoll
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Trat
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Vielfach lebt' in dem bunten Gebild dein wechselnder Liebreiz,
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Neu stets warst du und stets holder in jeglicher Form:
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Doch einträchtig erschien in der Schönheit stiller Verklärung
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Alles verwebt;
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Und allmächtige Lieb' umwand mit der ewigen Kette,
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Daß kein feindliches Bild nahe, den flüchtigen Traum.
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Ha, da fühlt' ich die frühere Kraft; kühn blickt' ich empor, hell
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Flammte der Geist, hochauf schlug das erweiterte Herz.
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Herrlich enthüllte die Welt mir des Ruhms muthprüfende Laufbahn,
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Und wohl schien mir des Kampfs würdig der ewige Kranz,
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Und ich empfand, noch leb' in der Brust mir der heilige Lichtstrahl
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Göttlicher Kraft, und groß werd' ich und ruhig durch dich.
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Bannt dein Wille mich auch in den Kreis schmerzvoller Entsagung;
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Nie doch, ehe du selbst schwandest, entschwindet das Ziel.
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Himmlische Schönheit flieht vor des Sterblichen kühner Umarmung;
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Aber mit ewigem Wunsch lohnt sie dem hoffenden Geist.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Schulze
(17891817)

* 22.03.1789 in Celle, † 29.06.1817 in Celle

männlich, geb. Schulze

deutscher Dichter der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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