Sinnend stand ich und still auf des Brockens öden Granithöhn

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Ernst Schulze: Sinnend stand ich und still auf des Brockens öden Granithöhn Titel entspricht 1. Vers(1803)

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Sinnend stand ich und still auf des Brockens öden Granithöhn;
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Kühn auf Felsen gestützt, wähnte sich sichrer die Kraft.
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Nebel umzog das Gebirg, und es floß grauwogende Dämmrung
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Rings durch die Tief', und es sank dunkel die zitternde Gluth.
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Fruchtlos schauten die Wanderer hin in's Thal, und es klagte
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Jeglicher, daß kein Dank lohne den schwierigen Pfad.
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Aber entzückt hob hoch sich der Geist des sinnigen Dichters,
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Und aus leichtem Gewölk schuf er ein Zaubergefild.
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Form und Gestalt rang schnell aus dem Nichts sich empor, und bedeutsam
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Tagte das Bild, ringsum wallte lebendiger Reiz.
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Berghöhn thürmten sich kühn, und auf zackigen Klippen erhob sich
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Dunkel der Wald, und es schwamm zitternd der silberne See.
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Inselchen lockten mit stillem Gebüsch; leichtschwankende Nachen
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Wiegten zum heimlichen Sitz harrender Liebe sich hin.
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Wiesen verbreiteten rings ihr Blüthengewand um des Flusses
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Rollende Fluth, und es schwieg ruhend das schattige Thal.
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Alles erschien mir fern wie ein freundliches Land der Verklärung,
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Und nicht sterbliche Lust lächelte dort mir herab,
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Denn schon schwamm die erbleichende Gluth tief unter der Dichtung
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Leuchtender Welt, stets hob höher das Bild sich empor,
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Herrlicher säumte sich stets mit flammendem Golde der Sehnsucht
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Wundergebiet, stets ward dunkler das irdische Thal.
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Ach, da dacht' ich an dich, Holdselige, welche des Freundes
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Nächtlichen Gram so oft mischte mit dämmernder Lust.
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Wehmuth lächelte still mir im sinnenden Blick; wohl fühlt' ich
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Tieferen Schmerz; doch fern tagte mir zartere Lust.
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Sieh, du schautest herab aus dem lichten Gewölk in des Sieges
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Goldenem Kranz; dein Blick lächelte ruhig und mild.
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Sterne blinkten empor, wie du lächeltest, tröstende Sterne,
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Raschaufstrahlendes Licht folgte der winkenden Hand,
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Glanzreich wölbte zum Thor sich des Friedens heiliger Bogen,
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Und aus Morgengewölk ebnete hell sich die Bahn.
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Mächtig ergriff den verlangenden Geist stillschweigende Sehnsucht,
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Dich nur sah ich, und dich fühlt' ich im Herzen allein;
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Nächtlich versank um's hohe Gebirg mir die dämmernde Welt rings,
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Doch hoch über mir hob klar sich der himmlische Dom.
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Ach, wohl blühet nur dort mir die Rose des Glücks, und der Hoffnung
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Leitstern dämmert nur dort leise dem Herzen empor!
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Bist du doch keusch und rein, wie die Lilie heiliger Engel,
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Spielt im Auge dir doch ruhig die selige Gluth,
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Rinnt doch sanft, wie ein zartes Gedicht von der friedlichen Zukunft,
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Durch des betäubenden Wahns Wellen dein Leben dahin!
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Ach, dich lieb' ich allein, dich trag' ich ewig im Herzen:
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Doch stets kettet die Scheu zagend den irdischen Wunsch,
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Und stets scheinet, je kühner mein Geist aufstrebt zu der Schönheit
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Hellerem Licht, dein Geist höher und herrlicher mir! –
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Doch, da senkte die Sonne sich ganz; schwarz wogte die Nacht auf,
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Graunvoll tobte der Sturm über die Haide daher,
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Kein trostkündender Stern durchblinkte den trüberen Nebel,
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Und in finsteren Duft senkte dein Bild sich hinab.
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Traum nur ist und Schatten das Heiligste; luftiger Wahn nur
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Leitet die Welt, und das Herz spielt mit betrüglichem Nichts;
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Was es gewann, ist glänzender Schaum; schnell flattert des Zufalls
54
Lüftchen heran, und es flieht spottend das ewige Gut. –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Schulze
(17891817)

* 22.03.1789 in Celle, † 29.06.1817 in Celle

männlich, geb. Schulze

deutscher Dichter der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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