Du, Rose, die die Theure mir gegeben

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Ernst Schulze: Du, Rose, die die Theure mir gegeben Titel entspricht 1. Vers(1803)

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Du, Rose, die die Theure mir gegeben,
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Du, die so hold an ihrer Brust geblüht,
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Warum verwelkt so bald das warme Leben,
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Das jugendlich in deinem Kelch geglüht?

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Ach, als dein Glanz noch ihren Busen schmückte,
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Aus ihrem Blick der milde Sonnenschein,
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Aus ihrer Brust der Athem dich erquickte,
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Da prangtest du im fröhlichen Gedeihn.

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Doch sah ich bald der Wange Roth erblassen,
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Und schmerzlich ward dein frischer Reiz getrübt,
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Als du den Kreis der Freundlichen verlassen,
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Die du so still, so sehnsuchtsvoll geliebt.

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So schied auch jeder Schmuck aus meinem Leben,
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Todt ist die Lust, der Hoffnung milder Glanz:
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Mir kann der Lenz nur welke Blumen geben;
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Dem Grabe ziemt kein frisch entblühter Kranz.

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Doch drängt noch stets aus deiner bleichen Hülle,
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Wenn auch der Reiz des Lebens sich verlor,
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Ein leiser Traum der hingewelkten Fülle,
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Der linde Duft lebendig sich hervor.

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So labt auch mich, dem jedes Glück entschwunden,
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Wie Dämmrungshauch der Wehmuth zarter Duft,
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Und freundlich steigt das Bild der hellern Stunden
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Im Abendglanz aus seiner frühen Gruft.

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Ach, alles, alles Schöne flieht von hinnen,
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Der ferne Stern der Hoffnung sinkt hinab,
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Der reinste Traum der Sehnsucht muß zerrinnen,
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Kurz blüht das Glück, und ewig ist das Grab.

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Doch nimmer welkt die heil'ge Lust am Schönen;
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Hoch strebt die Lieb' empor im düstern Gram;
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Nur Liebe kann ihr eignes Leid versöhnen
32
Und selbst ersetzen, was die Welt ihr nahm.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Schulze
(17891817)

* 22.03.1789 in Celle, † 29.06.1817 in Celle

männlich, geb. Schulze

deutscher Dichter der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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