Dort wo der Fels, ein Sohn der grauen Zeit

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Ernst Schulze: Dort wo der Fels, ein Sohn der grauen Zeit Titel entspricht 1. Vers(1803)

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Dort wo der Fels, ein Sohn der grauen Zeit,
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Sich kühn erhebt im dunkeln Fichtenkranze
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Und trotzig wild zum Strome niederdräut,
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Ein ernstes Bild im heitern Wellenglanze;

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Dort saß, umwölbt von säuselndem Gesträuch,
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Umflüstert von der Lüfte lindem Leben,
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An blühndem Reiz der frischen Blume gleich,
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Sie, der mein Herz sich ewig hingegeben.

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Wie konntest du der rauhen Klippenbahn,
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Du holdes Bild, den zarten Fuß vertrauen?
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Wie durftest du dem schroffen Rande nahn
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Und kühn hinab zum grausen Abgrund schauen?

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So sah ich dort um ragendes Gestein
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Leicht angeschmiegt sich duft'ge Rosen winden,
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Um näher sich am Sonnenstrahl zu freun
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Und Reiz und Kraft jungfräulich zu verbinden.

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Dein Zauber schuf zum üppigen Gefild
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Das starre Graun der unwirthbaren Oede;
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Zur Dichtung ward der Ferne reiches Bild,
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Belebt erhielt das Stumme Sinn und Rede.

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In jedem Schmuck der unbegränzten Flur,
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In Wies' und Thal, im Grün der heitern Höhen
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Wähnt' ich das Bild von meiner Liebe nur,
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Der stillen Sehnsucht dämmernd Bild zu sehen.

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Da trübte sich von leisem Weh mein Blick:
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Doch heilig schwamm mir keusche Ruh im Herzen;
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Wohl lohnt mir Liebe nie mit blüh'ndem Glück:
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Doch beut sie mild mir ihre reinsten Schmerzen.

(Haider, Thomas: Deutsches Lyrik Korpus (DLK) v5.0, 2022. Ursprünglich von Editura GmbH & Co. KG (Digitale Bibliothek) digitalisiert, vom TextGrid-Verbund erworben und angereichert; als DLK-Ausgabe bearbeitet und kuratiert. Lizenz: Verbreitet unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0). Änderungen: Textkorrekturen, Anreicherung mit Metadaten und Textannotationen sowie Konvertierung durch Textopus.)

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Ernst Schulze
(17891817)

* 22.03.1789 in Celle, † 29.06.1817 in Celle

männlich, geb. Schulze

deutscher Dichter der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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