Ein leichter Sinn mag oft in neuen Weisen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ernst Schulze: Ein leichter Sinn mag oft in neuen Weisen Titel entspricht 1. Vers(1803)

1
Ein leichter Sinn mag oft in neuen Weisen
2
Die Lust erhöhn, die wechselnd ihn beglückt;
3
Mein Singen soll nur eine Herrin preisen,
4
Die doppelt stets mein zweifelnd Aug' erblickt.
5
Dort in des Grabes ewig stummen Kreisen,
6
Hier mit des Lebens frischem Reiz geschmückt;
7
Und wenn auch hier zwey Namen sie benennen,
8
Nie kann mein Herz die holden Bilder trennen.

9
Denn wie sich Träum' im Leben oft entfalten,
10
Und Leben oft in luft'gen Träumen blüht,
11
So gatten sich die minnigen Gestalten
12
Zu
13
In dieser streb' ich Jene festzuhalten,
14
Und wähne, daß mit dieser Jene flieht.
15
Doch weil die Eine längst sich mir entrissen,
16
Mußt' ich auch stets der Andern Liebe missen.

17
Jetzt hab' ich lange Fahrt für sie begonnen
18
Um ihren Preis auch ferne zu erhöhn;
19
Zwey Jahre schon sind flüchtig mir verronnen,
20
Seit ich zuletzt den Heimathsstrand gesehn.
21
Wird auch das Ziel mit Mühe nur gewonnen,
22
Doch scheint die Müh' um schönes Ziel mir schön,
23
Wenn
24
Mit süßer Huld und mildem Schimmer leiten.

25
Wohl seh' ich oft, wie hell vom goldnen Throne
26
Der Einen Bild zu mir herniedersinkt,
27
Und freundlich mir zum wundersel'gen Lohne,
28
Daß nur für sie mein treues Lied erklingt,
29
Mit leiser Hand die heil'ge Sängerkrone,
30
Den Lorbeerzweig, in meine Locken schlingt,
31
Und kühner läßt dann auf Gesanges Wellen
32
Mein trunkner Geist des Liedes Segel schwellen.

33
Doch läßt sich dann so kalt die Andre schauen
34
Mit strengem Blick und stolzem Angesicht,
35
Dann schwindet bald mein freudiges Vertrauen;
36
In Nacht versinkt der Liebe leitend Licht;
37
Auf weitem Meer ergreift mich stilles Grauen,
38
Ich weiß den Pfad, das Ziel, den Hafen nicht.
39
Wohl folgst du, denk' ich, trügerischen Sternen,
40
Was kann dich sonst so weit von ihr entfernen?

41
O ihr, die treu vereint in Leid und Freuden
42
Nur
43
Was konnte so im Tode jetzt euch scheiden,
44
Daß diese flieht, was Jene schützt und pflegt?
45
Du banges Wechselspiel von Lust und Leiden,
46
Wie hast du oft mein Herz so wild bewegt!
47
Doch kenn' ich leicht die Fäden, die dich weben:
48
Süß ist der Traum, doch hart und kalt das Leben.

49
Und dennoch will ich muthig weiter steuern,
50
So lang ein Hauch mein luftig Segel schwellt,
51
Will gern getäuscht in irren Abenteuern
52
Dein Nichts vergessen, arme, kleine Welt!
53
Vielleicht wird doch der Strand sich einst entschleyern,
54
Wenn treuer Sinn dem treuen Gott gefällt.
55
Auch ist es süß, aus bunten Wellenschäumen
56
Manch liebes Bild sich schöpferisch zu träumen.

57
Wohl Manchem wird das Herz im Busen schlagen
58
Bey meines Liedes vielverflochtnem Klang,
59
Wohl Mancher nach dem treuen Sänger fragen,
60
Der, nie geliebt, die Liebe nur besang.
61
Mag
62
Ich zürne nicht, und dien' ihr ohne Dank.
63
Für Freude ward von Gott mir Leid beschieden;
64
Auch Leid ist süß; ich duld' und bin zufrieden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ernst Schulze
(17891817)

* 22.03.1789 in Celle, † 29.06.1817 in Celle

männlich, geb. Schulze

deutscher Dichter der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.