Vier besondere Wunder des Schöpfers, von einer Höhe in Ritzebüttel

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Barthold Heinrich Brockes: Vier besondere Wunder des Schöpfers, von einer Höhe in Ritzebüttel (1743)

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O Gott! durch Den, nebst tausend Gütern, ich hier
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noch die besondre Gabe
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Des von der Welt entfernten Sitzes, die hoch-erhabne
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Einöd', habe,
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Dergleichen ich mir längst gewünscht, mein Thürmchen,
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wo ich ganz allein,
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Von allen weltlichen Geschäften, von Neid und Zank ent-
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fernet, lebe,
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Und, als nach überstandnem Sturm, in Ruhe, mich zu
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Dir erhebe,
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Als wie auf einer Warte sitze, und einzig kann beschäftigt
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seyn,
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Auf einen grossen Theil der Welt mein mit dem Blick ver-
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bundnes Denken,
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Der Gottheit, die sie schuff, zur Ehr, mit Lust, mit Lob
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und Dank zu lenken,
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Woselbst mir Himmel, Luft und Wasser und Land und Stern’
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und Sonnen-Schein,
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So wie sie meiner Augen Vorwürf’, auch Vorwürf’ mei-
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ner Lieder seyn.
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Dir dank ich inniglich dafür, erkenne Deine Macht und
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Güte,
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Mit möglichster Erkenntlichkeit, mit überlegendem Ge-
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mühte.
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Und weil ich Deines Namens Ruhm und Deines grossen
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Wesens Preis
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Nicht würdiger verehren kann, nicht besser zu erheben weiß,

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Als wenn ich Deine weise Macht in Deinen schönen Wer-
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ken merke;
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So wend ich mein betrachtend Aug auf die mir hier gezeigte
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Werke.

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Welch einen grossen Theil der schönen, durch GOtt allein
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erschaffnen, Welt,
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Die, wie Sein grosses Wort sie schuff, Sein grosses Wort
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allein erhält,
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Kann ich von dieser Höhe sehn! Ein fast nicht abzusehend
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Feld,
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Die auch nicht abzuseh’nde
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res Blau
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Ich mit dem blauen Firmament am Horizont vereinet schau,
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Den fast unendlichen
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Sonnen Strahl,
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Der alles füllet, färbet, schmücket, belebt und wärmt,
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fällt auf einmahl
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In mein darob erstaunt Gesicht, und trifft so die gerührte
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Seele,
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Daß ich, für Lust verwirrt, nicht weiß, was ich zuerst von
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ihnen wähle
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Zum Vorwurf meiner frohen Lieder. Ich fühle, daß es
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meine Pflicht,
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Den grossen Urstand aller Wesen (so, leider! sparsam gnug
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geschicht)
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In Seinen Werken zu bewundern. Das Wesen, welches
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mein Gesicht,
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Nebst mehrern Sinnen mir verliehn, in Absicht, daß wir
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Seine Güte
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Und weise Macht mit Lust in Ehrfurcht und Jhn verehren-
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dem Gemühte

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Betrachten und bewundern sollen.
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Auf, laßt uns denn, für so viel Guts, Jhm unsre Lust zum
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Opfer zollen!
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Auf, laßt uns hier
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vor Augen sehn,
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Dem, welcher sie erschuff, zum Ruhm, beschauen, da sie ga
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zu schön.

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Das Feld, das jüngst noch welk und schmutzig, morastig
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gleichsam, schwarz und grau,
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Und welches ich nun lieblich grün, ja gleich Smaragden
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glänzen schau,
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(wozwischen oft gebrochte Felder, worauf sich braun und
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roht vereinen,
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Mit einem trocknen weißlich-grauen, recht wie in schöne
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Leibfarb, scheinen)
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Ja, das in mehrern Farben prangt, indem es überall be
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blühmt,
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Verdient ja wohl, daß man des Schöpfers Macht, Lieb’ und
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Weisheit fröhlich rühmt
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Der es so wunderbar formirt, belebt, besämet, nähret
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ziert,
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Erhält und färbt, erwärmt, erleuchtet, verbessert, ordent
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lich regiert,
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Und welcher, bloß aus Lieb’, uns alle durch sie, zu Seinem
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Ruhm, vergnügt.
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Ja, da zugleich der Schmuck des Feldes das Vieh, und uns
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durch sie, ernähret,
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Verdient nicht GOtt, daß man für beides, mit unverdroßne
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Dank, Jhn ehret?

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Ich sehe denn die grüne Schönheit des Feldes, voll Erget-
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zen, an,
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Ich schärfe die sonst stumpfen Blicke, und zähme fie so viel ich
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kann.
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Ich zwinge die sonst flüchtigen und unbeständigen Jdeen,
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Bey dieser neu-geschenkten Schönheit, nicht zu verfliegen,
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still zu stehen.
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Ich spanne der gerührten Seele Beschau- und Ueberlegungs-
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Kräfte
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Nach allen Kräften dazu an, indem [da ich ans Werk
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mich hefte,
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Um seine Schönheit zu ergründen]
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Ich hoffe, glaub’, und mich bemüh, den grossen Meister
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drinn zu finden,
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Um Jhn, für die in Seinen Werken,
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Indem wir sie vergnügt bemerken,
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Von Seiner Weisheit, Lieb’ und Macht uns deutlich vor-
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gelegte Proben,
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Wodurch von Seinem wahren Wesen,
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Jm rechten Buch der Welt-Weisheit, Er Selbst den Inhalt
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giebt zu lesen,
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Mit inniglich gerührtem Geist, nach aller Fähigkeit zu
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loben,
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Und, samt Gemühts- und Leibes-Kräften, nach Möglichkeit
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mich zu bestreben,
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Jhm mein durch Jhn erfreutes Herz zu einem Opfer hin-
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zugeben.

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Ich sehe ferner, von der Höhe,
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Gewässer
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Voll, auf- und nieder seegelnder, beladner reicher Wasser-
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Schlösser,

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In stiller Majestät vorbey, mit sanftem Zug vorübe
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fliessen,
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Und sich nicht fern von diesem Ort ins unbegrenzte Mee
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ergiessen;
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Bald aber, menschlicher Vernunft zum Wunder, wieder
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rückwerts gehn,
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Und, durch den strengen Drang der Fluht, sich wieder aus
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der Tief' erhöhn,
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Um gleichsam, so von West- als Osten, von tausend, tau-
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send raren Dingen
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Die Schätze der entlegnen Reiche, o wehrtes Hamburg!
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dir zu bringen;
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Die ich denn, von der Luft gefärbt, bald klar und lieblich
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dunkel-blau,
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Bald, von der Sonnen Glanz beschienen, als wie ein flies-
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send Silber schau.

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Wenn ich vom grossen Wasser-Cörper, so die nicht abzu-
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sehnde Breite,
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Als auch nicht abzusehnde Länge, so kaum zu zählnde Mei-
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len lang,
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Den prächtig- majestätisch- sanften beständig- unbeständ-
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gen Gang,
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Desselben Tiefen, seine Bürger, die uns ernähren, samt
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der Weite,
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Mit menschlichen, nicht viehschen, Augen betracht’, erweg’
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und überseh;
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Erheb ich billig aus der Tiefe den Geist, voll Ehrfurcht,
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in die Höh,
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Und opfre Dem, Der alles schuff, ein Herz, das von Ver-
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wundrung voll,
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Ja, durch der Wunder Größ’ und Menge, von Lust und
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Ehrfurcht so erfüllt,

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Daß es in Liebe, Lob und Dank, in frohem Wallen über-
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quillt,
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Und in recht sehnlichem Verlangen, auf eine Weise, wie
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ich soll,
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Des grossen Schöpfers weisen Willen,
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Nach allen Kräften, zu erfüllen.
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Ach mögt ich, ruf ich denn zum öftern, ach mögt ich hier,
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auf dieser Welt,
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Nach meinen Pflichten und Vermögen, HERR, leben,
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wie es Dir gefällt!

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Nachher erheb ich meine Blicke. Da ich denn
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phirne Höh,
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Den unergründlich-tiefen Raum, des ausgespannten Him-
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mels seh
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Mit fast erstaunendem Gemüht. Wenn ich mich dahinein
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versenke,
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Und auf die Grenzen-lose Tiefen, in welcher gar kein Ziel,
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gedenke;
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Erschüttert recht mein ganzes Wesen, doch nicht vor Angst,
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vor Ehrfurcht nur.
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Denn hier gelang ich allererst auf eine fast sichtbare Spur
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Der ewig-unumschränkten Gottheit, die sich am herrlich-
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sten uns zeiget,
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Wenn man mit Demuht und Vernunft in diese hohe Tiefe
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steiget.
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Die Tief’ allein, ohn andre Vorwürf’, ist fähig, uns ein
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heiligs Schrecken,
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Ein ehrerbietiges Bewundern vor GOTT, dem Schöpfer,
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zu erwecken.

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Die Stern-Verständige beweisen, daß, in des weiten
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Himmels Schooß,
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Von uns der Abstand zu der Sonnen viel Millionen Meilen
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groß;
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Da, wenn aus einem Stück die Kugel beständig vier und
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zwanzig Jahren
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In stets gerader Linie würd’ ungehemmet vor sich fah-
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ren,
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Sie kaum die Sonn’ erreichen könnt’. Ja noch vielmehr:
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Sie setzen fest,
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Daß sich, von einer solchen Kugel, der allererste Fixstern
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nur
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In sechsmahl hundert tausend Jahren noch lange nicht
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erreichen läßt.

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In dieser Weite, sonder Grenzen,
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Hat GOtt viel Millionen Reiche und Monarchien ohne
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Zahl
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Durchleuchtger Sonnen fest gegründet, die in dem unge-
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hemmten Strahl,
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Als so viel Licht- und Lebens-Quellen, zum Besten vieler
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Welte, glänzen,
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Die sie bewegen und erhalten, die sie beleben und regieren,
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Und sie in unverrückter Ordnung, als Unterthanen, um
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sich führen.
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Worinn GOtt Proben, die unendlich, von Güte, die unend-
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lich, giebet,
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Und, in unzählich andern Welten, unzähliche Geschöpfe
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liebet.
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Aus Seiner nie versiegnen Quell, die unaufhörlich über-
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fliesset,
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Und die sich ins Unendliche, weil Er unendlich ist, ergiesset,

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Nach weiser Ordnung Gutes thut, Sich ihrer aller Vater
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weist,
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Sein ewig-seeliges Vergnügen in stets gerechter Liebe
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findet.
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Von allen Seinen Creaturen ein Vater ist und nicht nur
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heißt,
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In Seiner Kinder Seeligkeit als Vater eine Freud’ em-
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pfindet,
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Der, für das uns erzeigte Gut, auf Dank nur Seinen
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Ruhm gegründet.

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Was müssen in so vielen Welten für Aendrungen sich
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nicht begeben,
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Die alle ihres grossen Schöpfers Macht, Lieb’ und Herr-
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lichkeit erheben?
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Mein Geist erblickt in solcher Menge der Gottheit würdigs
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Bild allein.
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Mir scheinen andere Jdeen von GOttes Macht und Grösse
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klein.
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Die Größ und Allmacht, die ich hier in ihrer Meng’ und
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Grösse seh,
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Erregt vom wahren GOtt in mir die allerwürdigste Jdee.
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Dieß ist mein GOtt. Den bet ich an; Den will ich lie-
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ben, preisen, ehren,
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Und, obgleich hier in Schwachheit nur, Sein unausdrück-
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lich Lob vermehren.
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Nach dem mir möglichen Begriff will ich und kann nicht
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anders schliessen,
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Als daß wir, von dem Herrlichsten, das Herrlichste geden-
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ken müssen.
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Wann aber (wie ein leiblich Aug, wenns in die Sonne
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lange sieht,

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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