Der bekannte und unbekannte GOTT

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Barthold Heinrich Brockes: Der bekannte und unbekannte GOTT (1743)

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Es flammt ein neuer Trieb mich an, ein neues Opfer Dem
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zu bringen,
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Der aller Dinge Quell und Ursprung. Ich will ein neues
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Loblied singen
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Von Dem, Der, in dem Schmuck der Welt und aller Creatu-
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ren Pracht,
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Von Seinem eigentlichem Seyn, von Seiner Weisheit,
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Lieb und Macht
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Ein unverborgnes und verborgnes, ein sichtbar und unsicht-
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bar Bild,
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Worinn Sein unbegreiflichs Wesen, zu unserm Besten, sich
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verhüllt,
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Und doch bekannt macht, uns sich weist. In Dingen, die
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dem Sinn sich zeigen,
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Muß unser Geist, der für sie sinnlich, als wie auf Leitern, zu
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Jhm steigen.
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Komm, laß uns denn die grünen Schatten, der Felsen auf-
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gethürmte Höhn,
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Samt den einsiedlerischen Büschen, die Zier und Pracht der
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Welt, besehn!
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Laß uns die bunt-beblühmten Wiesen, wodurch crystallne
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Bäche rinnen,
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Auch dürre Wüsten, ja so gar mit Eis und Schnee bedeckte
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Zinnen,
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Die flachen Ebnen, tiefe Thäler, das weite Meer, die grüne
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Saat,
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Von den durch Kunst formirten Gärten, der bunten
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men Pracht und Staat,

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Die dunklen dick-verwachsnen Wälder, erfüllt mit einem
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heilgen Grauen,
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Und kurz: Was in der schönen Welt so schön, so angenehm,
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beschauen!

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Indem wir aber diese Schönheit, die endlich, mit Ver-
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nunft besehn;
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Was hindert uns, daß solche Wunder sich unsrer Seelen
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nicht bemeistern?
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Warum läst unser Geist sich nicht, durch aller Geister Geist,
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begeistern,
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Der aller Wunder Quell und Ursprung? Ein All-befassend
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Wesen ist
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Das Wesen, das die Wesen schuff, die Macht, die diese
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Welt formiret,
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Die sie hervorgebracht, geschmückt, belebt, in Ordnung hält,
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regieret,
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Den Grund derselben in sich hegt, die Absicht und die Daur
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ermißt.
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Durch Den die Ordnung aus dem Chaos, das Seyn von al-
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lem, was vorhanden,
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Die Harmonie in der Natur, ja selber die Natur, entstanden.
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So laß denn selbst von der Natur ein allgemeines Lied
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erklingen,
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Laß sie, in süsser Harmonie, die Quell der Harmonie besingen.

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Dem Ewig-seelgen, Unbegränzten, und All-erfüllenden
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Verstand
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Sind alle Tiefen, alle Höhen, Zeit, Ewigkeit und Raum
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bekannt.
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Aus Seinem Wollen blos entstehn der Engel und der Men-
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schen Wesen,
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Samt der Geschöpfe Heer, so hier zu so verschiednem Rang
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erlesen.

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Es müssen denn so Mensch als Engel, wenn sie die Herrlich
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keiten sehn,
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Sein Lieben überall verbreiten, und Seines Namens Preis
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erhöhn.

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Es heißt Sein gütiger Befehl den warmen Sommer und
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den Lenzen
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(die, Vögeln, wild- und zahmen Thieren die Tafel decken)
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lieblich glänzen.
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Er deckt die Kräuter-reichen Berge, die Flächen der begrasten
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Erden,
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Mit rasch- und schnellem Wilde dort, und hier mit zahm- und
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fetten Heerden.
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Er ist es, der die flachen Felder mit reifendem Getreyde füllt,
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Nur Er, aus dem in bunten Wiesen so manches klare Bäch-
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lein quillt,
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Das rege, wie ein lebend Silber, bald zwischen Gras, bald
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glatten Kieseln,
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Mit einem lieblichen Gemurmel, voll kleiner regen Blitze,
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rieseln.
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Er ists, durch Den ein strenger Strohm sich, durch verschied-
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ne Länder, schlängt,
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Und wenn er erst so manches Land getränkt, so dann zum
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Meer sich drängt.
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Durch Jhn wird unser Luft-Raum ganz mit frohen Tönen
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angefüllet.
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Er ists, aus Dem der Nachtigall so rein und lieblichs Gur-
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geln quillet.
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Durch Jhn vergnügt in stetem Wechsel der Lieder-reichen
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Vögel Chor
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Aus so viel Schnäbeln unsre Brust, und füllt mit Lieb und
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Lust das Ohr.

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Man hört die Drossel, Lerch und Stieglitz ein ungekünstelt
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Loblied singen,
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Und Dem, Der ihr ihr Wesen gab, ein Danklied, für ihr We-
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sen, bringen.
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Es grüßt aus einem jeden Busch das Ohr ein zwitschern-
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der Gesang.
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Wer schenkt uns Ohren? Wer formirte, zu unserer Anmuht,
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Luft und Klang?
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Es rühmen ihres Schöpfers Huld die Farben-reichen
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Sonnen-Strahlen,
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Durch die sich die Natur belebt, durch die sich Feld- und Wäl-
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der mahlen.
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Es fügen sich gewürzte Düfte der Bluhmen diesen Strahlen
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bey.
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Es zeigt der Bäume kühlend Schweben, wie Gnaden-reich
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ihr Schöpfer sey.
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Es schallt der schnelle Wiederhall, es lispeln, Gott zum
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Ruhm, gelinde
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Die sanften, ja es rasen gar vor Jhm die stürmerischen,
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Winde.
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Durch GOttes Allmacht brüllt der Donner, die hell- und
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schnellen Blitze funkeln.
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Durch Seine Weisheit, ja, durch Jhn, verhüllt sich oft der
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Tag im Dunkeln.
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Sie preisen alle GOttes Güte, sie rühmen Seine weise
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Macht,
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Wodurch die Blitze zitternd wittern, durch den der strenge
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Donner kracht.
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Der bang’ und blasse Schiffer sieht die wüterischen Stürm’
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entstehen,
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Er fühlt, in widerwärtgen Stössen, sie schrecklich durch
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einander gehen.

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Das Heer der weiß beschäumten Wellen erhebet, wallet,
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bäumet sich,
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Es macht ihr Weiß die dunkle Fläche des Meers noch eins
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so fürchterlich.
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Die Stoß- und Wirbel-Winde rasen, der strenge West, den
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rauhe Nord
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Zerbrechen auch den stärksten Mast, ja reissen ganze Schiffe
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fort.
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Dann ruft er, aus der innern Seelen, der Wind und Wel-
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len Herrscher an.
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Die Allmacht spricht. Jm Augenblick ist es mit ihrer Wut
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gethan.
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Es bebt das Heer der wilden Winde, der Stürme Schaa-
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ren hören Jhn.
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Sein Wollen treibt sie aus einander, die Luft wird hell, die
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Wolken fliehn,
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Da denn so gleich, durch GOtt gezähmt, die stolzen Wellen
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schnell sich lenken,
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Und, ohne Brausen, Zorn und Schaum in ihre vor’ge Tiefen
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senken.

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In diesen Wundern ganz vertieft, in den Betrachtungen
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versenkt,
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Werd ich von neuen überführt, daß man nie würdiger ge-
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denkt
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Von Gott, nach Sein- und unserm Wesen, als daß wir
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hier in Seinen Werken,
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Ohn alles Grüblen und Verketzern,
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Bewundrung, merken.
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Ein mehrers ist uns hier verborgen, ein mehrers scheint
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uns nicht erlaubt,
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Als daß man das Vollkommenste von Jhm in Lieb und
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Ehrfurcht glaubt.

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Es zeigt hievon die Bibel selber am deutlichsten der Gott-
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heit Sinn:
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Da, wie auch Moses grübeln wollte, und er, was Gott?
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Gott selber fragte;
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Die Gottheit selbst nichts anders sagte,
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Als dieses:
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Und noch ein andermahl, da er von Gott mehr suchte zu
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verstehen,
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War dieß des Schöpfers Wort darauf:
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kannst du nicht sehen.
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Ist es denn möglich, daß die Menschen sich bey der grossen
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Wahrheit trennen,
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So wunderliche Dinge denken, so abentheurlich Gott
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erhöhn,
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Und alle fast auf andre Weise sich fähig halten, Jhn zu
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sehn,
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Und, was Gott selbst verbergen will, von Jhm zu sehn,
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verlangen können?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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