Dir, Herrin, will ich baun, Madonna meiner Schmerzen

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Charles Baudelaire: Dir, Herrin, will ich baun, Madonna meiner Schmerzen Titel entspricht 1. Vers(1844)

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Dir, Herrin, will ich baun, Madonna meiner Schmerzen,
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Verborgenen Altar in meinem tiefsten Herzen,
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Dir in des Busens Nacht errichten einen Thron,
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Fern weltlicher Begier und kalter Blicke Hohn,
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In einer Nische von Azur und goldnem Flitter,
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Wo einem Standbild gleich du lächelst durch das Gitter,
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Das meine Verse dir geschmiedet aus Metall,
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Das wunderbar geschmückt mit Reimen von Kristall.
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Dein sei ein Diadem, das leuchtet wie die Sonne.
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In meiner Eifersucht, o sterbliche Madonne,
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Will ich umkleiden dich mit starren Mantels Pracht,
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Barbarisch, steif und schwer, gepanzert mit Verdacht,
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Der einer Rüstung gleich den schönen Leib umschimmert
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Und nicht von Perlen, nein, von meinen Tränen flimmert,
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Mein Sehnen sei dein Kleid, das bebend sich dir neigt,
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Mein Sehnen, wellengleich, das niedersinkt und steigt.
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Sich wiegend auf den Höhn, im Tal nach Rast verlangend,
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Den weiß und rosgen Leib mit einem Kuß umfangend.
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Aus Ehrfurcht wirk ich dir der Seidenschuhe Paar
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Und bring den Füßen sie, den göttergleichen, dar,
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Daß dich umschließend sie in einer zärtlich-leisen
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Umarmung mir getreu der Füße Abbild weisen.

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Und kann trotz aller Kunst, der ich von je gewohnt,
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Ich nicht als Schemel dir verleihn den Silbermond,
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Leg ich die Schlange, die mir grimm das Herz zerbissen,
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Zu Füßen dir, daß du gleich einer sieggewissen,
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Hilfreichen Königin, stolz lächelnd niedertrittst
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Das Ungetüm, das Haß und giftgen Geifer spritzt.
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Dir will ich, Königin der Jungfraun, all mein Denken
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Vor blumigem Altar gleich Weihekerzen schenken,
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Auf daß besternend sie erhellter Wölbung Blaun
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Nach dir nur allezeit mit Flammenaugen schaun.
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Wie meine Wünsche all um dich bezaubert irren,
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Wird alles Oliban und Benzoe und Myrrhen;
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Zu dir, verschneit Gebirg, hebt still und feierlich
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Mein sturmesdunkler Geist in Weihrauchwolken sich.

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Daß du das Ebenbild der Jungfrau mögest scheinen,
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Will glühnde Liebe ich mit Grausamkeit vereinen,
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Todsünden wähl ich mir in heilger Siebenzahl,
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Ein reuger Henker schärf ich Dolche draus von Stahl,
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Und einem Gaukler gleich in seelenlosem Spiele
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Nehm deiner Liebe tiefst Geheimnis ich zum Ziele,
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Und ich stoß sie ins Herz dir, das zuckend vor Schmerz,
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In dein schluchzendes Herz, in dein rieselndes Herz!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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