Am vierten Sonntage im Advent

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Annette von Droste-Hülshoff: Am vierten Sonntage im Advent (1822)

1
Fragst du mich, wer ich bin? Ich berg' es nicht:
2
Ein Wesen bin ich sonder Farb' und Licht,
3
Schau mich nicht an; dann wendet sich dein Sinn;
4
Doch höre! höre! höre! denn ich bin
5
Des Rufers in der Wüste Stimme.

6
In Nächten voller Pein kam mir das Wort
7
Von ihm, der Balsam sät an Sumpfes Bord,
8
Im Skorpion der Heilung Öl gelegt,
9
Dem auch der wilde Dorn die Rose trägt,
10
Das faule Holz entzündet sein Geglimme.

11
So senke deine Augen und vernimm
12
Von seinem Herold deines Herren Grimm,
13
Und seine Gnade sei dir auch bekannt,
14
Der Wunde Heil, so wie der schwarze Brand,
15
Wenn seiner Adern Bluten hemmt der Schlimme.

16
Merk auf! ich weiß es, daß in härtster Brust
17
Doch schlummert das Gewissen unbewußt;
18
Merk auf, wenn es erwacht, und seinen Schrei
19
Ersticke nicht, wie Mütter sonder Treu'
20
Des Bastards Wimmern und sein matt Gekrümme!

21
Ich weiß es auch, daß in der ganzen Welt
22
Dem Teufel die Altäre sind gestellt,
23
Daß mancher kniet, demütig nicht gebeugt,
24
Und überm Sumpfe, engelgleich und leicht
25
Der weiße Lotos wie ein Kindlein schwimme.

26
Es tobt des tollen Strudels Ungestüm
27
Und zitternd fliehen wir das Ungetüm,
28
Still liegt der Sumpf und lauert wie ein Dieb,
29
Wir pflücken Blumen und es ist uns lieb
30
Zu schaun des Irrlichts tanzendes Geflimme.

31
Drum nicht vor dem Verruchten sei gewarnt;
32
Doch wenn dich süßer Unschuld Schein umgarnt,
33
Dann lächelt der Vampyr, dann fahr zurück
34
Und senke tief, o tief in dich den Blick,
35
Ob leise quellend die Verwesung klimme!

36
Ja, wo dein Aug' sich schaudernd wenden mag,
37
Da bist du sicher mindstens diesen Tag,
38
Doch gift'ger öfters ist ein Druck der Hand,
39
Die weiche Träne und der stille Brand,
40
Den Lorbeer treibend aus Vulkanes Grimme.

41
Ich bin ein Hauch nur, achtet nicht wie Tand
42
Mein schwaches Wehn, um des der mich gesandt.
43
Erwacht! erwacht! ihr steht in seinem Reich;
44
Denn sehet, er ist mitten unter euch,
45
Den ihr verkennt, und ich bin seine Stimme!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Annette von Droste-Hülshoff
(17971848)

* 10.01.1797 in Burg Hülshoff, † 24.05.1848 in Burg Meersburg

weiblich, geb. von Droste-Hülshoff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutsche Schriftstellerin und Komponistin

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.