Am zweiten Sonntage im Advent

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Annette von Droste-Hülshoff: Am zweiten Sonntage im Advent (1822)

1
Wo bleibst du, Wolke, die den Menschensohn
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Soll tragen?
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Seh ich das Morgenrot im Osten schon
4
Nicht leise ragen?
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Die Dunkel steigen, die Zeit rollt matt und gleich.
6
Ich seh es flimmern, aber bleich ach, bleich!

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Mein eignes Sinnen ist es was da quillt
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Entzündet,
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Wie aus dem Teiche grün und schlammerfüllt
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Sich wohl entbindet
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Ein Flämmchen und vom Schilfgestöhn umwankt
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Unsicher in dem grauen Dunste schwankt.

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So muß die allerkühnste Phantasie
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Ermatten;
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So in der Mondesscheibe sah ich nie
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Des Berges Schatten
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Gewiß, ob ein Koloß die Formen zog,
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Ob eine Träne mich im Auge trog.

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So ragt und wälzt sich in der Zukunft Reich
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Ein Schemen.
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Mein Sinnen sonder Kraft, Gedanke bleich –
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Wer will mir nehmen
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Das Hoffen, was ich in des Herzens Schrein
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Gehegt als meiner Armut Edelstein?

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Gib dich gefangen, törichter Verstand!
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Steig nieder
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Und zünde an des Glaubens reinem Brand
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Dein Döchtlein wieder!
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Die arme Lampe, deren matter Hauch
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Verdumpft, erstickt in eignen Qualmes Rauch.

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Du seltsam rätselhaft Geschöpf aus Ton
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Mit Kräften,
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Die leben, wühlen, zischen wie zum Hohn
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In allen Säften,
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O bade deinen wüsten Fiebertraum
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Im einz'gen Quell, der ohne Schlamm und Schaum!

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Wehr ab, stoß fort, was gleich dem frechen Feind
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Dir sendet
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Die Macht, so wetterleuchtet und verneint;
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Und starr gewendet
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Wie zum Polarstern halt das eine fest,
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Sein Wort, sein heilig Wort – und Schach dem Rest!

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Dann wirst du auf der Wolke deinen Herrn
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Erkennen,
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Dann sind Jahrtausende nicht kalt und fern,
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Und zitternd nennen
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Darfst du der Worte Wort, des Lebens Mark,
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Wenn dem Geheimnis deine Seele stark.

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Und heute schon, es steht in Gottes Hand,
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Erschauen
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Magst du den Heiland in der Seele Brand,
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Glühndem Vertrauen.
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Zerfallen mögen Erd und Himmels Höhn,
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Doch seine Worte werden nicht vergehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Annette von Droste-Hülshoff
(17971848)

* 10.01.1797 in Burg Hülshoff, † 24.05.1848 in Burg Meersburg

weiblich, geb. von Droste-Hülshoff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutsche Schriftstellerin und Komponistin

(Aus: Wikidata.org)

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