Am vierundzwanzigsten Sonntage

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Annette von Droste-Hülshoff: Am vierundzwanzigsten Sonntage (1822)

1
Gebt Gott sein Recht und gebt's dem Kaiser auch!
2
Sein Odem ist's, der um den Obern schwebet;
3
Aus Hochmut nicht, in Eigenwillen hebet
4
Nicht eure Rechte gen geweihten Brauch.
5
Doch Gott und Welt im Streit: da Brüder gebet
6
Nicht mehr auf Kaiserwort als Dunst und Rauch.
7
Er ist der Oberste, dem alle Macht
8
Zusammenbricht, wie dürres Reisig kracht.

9
Den Eltern gib, und gib auch Gott sein Recht!
10
O weh des tief Gesunknen, dem verloren
11
Der frommste Trieb, jedwedem angeboren,
12
Den Freisten stempelnd zum beglückten Knecht.
13
Doch stell den Wächter an der Ehrfurcht Toren
14
Und halte das Gewissen rein und echt;
15
Er ist der Vater, dem du Seel' und Leib
16
Verschuldest mehr als irgend Mann und Weib.

17
Den Gatten lieb und denk an Gott dabei!
18
Er gab den Segen dir, als am Altare
19
Den Eid du sprachst, gewaltig bis zur Bahre
20
In Fesseln legend deine Lieb und Treu.
21
Doch wird die Liebe Torheit, o dann wahre,
22
O halte deine tiefsten Gluten frei!
23
Er ist es, dem du einer Flamme Zoll
24
Mußt zahlen, die kein Mensch begehren soll.

25
An deine Kinder hänge nur dein Herz,
26
In deren Adern rollt dein eignes Leben;
27
Das Gottesbild, in deine Hand gegeben,
28
Es nicht zu lieben, wäre herber Schmerz.
29
Doch siehst du zwischen Glück und Schuld es schweben,
30
Wend deine Augen, stoß es niederwärts.
31
Er, über tausend Kinder lieb und hehr,
32
Er sieht dir nach, ist deine Seele schwer.

33
Und auch dem Freunde halte Treue fest,
34
Mit der die Ehre innig sich verbunden;
35
Ein irdisch Gut, was Gnade doch gefunden,
36
Solang es nicht die Hand der Tugend läßt,
37
Doch nahen glänzender Versuchung Stunden,
38
Dann aller Erdenrücksicht gib den Rest
39
Und klammre an den einen dich, der dann
40
Dir mehr als Freund und Ehre geben kann.

41
So biete jedem, was sein Recht begehrt,
42
Und nimm von jedem, was du darfst empfangen;
43
Dein Herz es mag an zarten Banden hangen,
44
Die Gottes Huld so gnadenvoll gewährt;
45
Doch drüber, wie ein Glutstern, das Verlangen
46
Nach einem leuchte, irdisch unversehrt,
47
Nach einem, ohne den dein Herz, so warm,
48
Ewig verlassen bliebe doch und arm!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Annette von Droste-Hülshoff
(17971848)

* 10.01.1797 in Burg Hülshoff, † 24.05.1848 in Burg Meersburg

weiblich, geb. von Droste-Hülshoff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutsche Schriftstellerin und Komponistin

(Aus: Wikidata.org)

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