Am siebenzehnten Sonntage nach Pfingsten

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Annette von Droste-Hülshoff: Am siebenzehnten Sonntage nach Pfingsten (1822)

1
Wenn deine Hand den Sarg berührt,
2
Dann muß der Tote sich beleben,
3
Dein Hauch die Wetterwolke führt,
4
Dann muß sie milden Manna geben.
5
Du der aus Felsen Labung zieht,
6
Dem Aarons dürrer Stab geblüht,
7
Des Niles Fluten sich erheben:

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Der Mächtige bist du, um auch
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Der Seele dumpfen Schlaf zu enden;
10
Zu dir darf seinen Sterbehauch
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Der todeswunde Schächer senden;
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Du nimmst den letzten Atemzug,
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Ein Reuelaut ist dir genug,
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Den Blitz in seinem Flug zu wenden.

15
Du hast dich an das Tor gestellt
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Den Sohn der Witwe zu erwarten,
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Und hast, ein Herr der ganzen Welt,
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Beachtet ihren kleinen Garten.
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Du der das kranke Rohr nicht knickt,
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Am Docht das Fünkchen nicht zerdrückt,
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Und nie gebrochen hat die Scharten,

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Berühre mich, denn ich bin tot
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Und meine Werke sind nur Leichen!
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Hauch' über mich; denn blutig rot
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Die Sünde ließ mir ihre Zeichen!
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O wende du den Donnerschlag,
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Der über meinem Haupte brach,
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Und laß die dumpfen Nebel weichen!

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Dann will ich dir aus freier Brust
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Ein überselig Loblied singen,
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Und wieder soll in Gotteslust
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Wie früher meine Stimme klingen.
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Ist sie gebrochen jetzt und matt,
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Du bist es, der die Mittel hat,
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So in die kränksten Adern dringen.

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Fühl' ich doch heut in mir erweckt
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Ein lang entschwundenes Vertrauen,
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Daß mich nicht Tod noch Sünde schreckt:
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Wie sollt' ich denn auf dich nicht bauen!
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Ja, wenn du willst, so kann ich doch
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Mit diesen meinen Augen noch
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In diesem meinem Leib dich schauen.

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Ich weiß es, daß von mir nicht stammt
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Was mich so freudig muß durchzittern;
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Ein Strahl ist es, den du entflammt,
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Ein Traum, den Starren zu erschüttern.
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O fahre fort, o rühr' mich an,
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O brich den Todesschlaf, und dann,
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Dann werd' ich Morgenlüfte wittern!

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Hast du gesprochen: »Weine nicht!«,
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Du weißt, daß nicht die Toten weinen,
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Ob schier im Traum das Herze bricht,
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Und wohl Gebet' dir Seufzer scheinen,
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Die flüstern möchten schwach und lind:
55
»du hast geweckt der Witwe Kind,
56
Ich liege noch in Totenleinen!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Annette von Droste-Hülshoff
(17971848)

* 10.01.1797 in Burg Hülshoff, † 24.05.1848 in Burg Meersburg

weiblich, geb. von Droste-Hülshoff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutsche Schriftstellerin und Komponistin

(Aus: Wikidata.org)

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